Georg Peßler

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Georg Peßler (geb. 1480 in Nürnberg; gest. 22. August 1536 in Nürnberg) ist der letzte Pfarrer in einer Reihe von mehreren Jahrhunderten, der als Pfarrer von St. Peter und Paul in Poppenreuth und Probst von St. Sebald in Nürnberg beide Pfarreien innehatte. In der Nachfolgezeit sind die beiden Gemeinden endgültig getrennt. Vergessen die Streitigkeiten, die 100 Jahre zuvor sogar die Kurie in Rom beschäftigten. Mit Peßler zieht die Reformation nicht nur in Nürnberg ein, auch Poppenreuth wird evangelisch. Die Verbundenheit Peßlers zu dem alten Mutterkirchort im Knoblauchsland wird am Ende seines Lebens noch einmal deutlich. Er lässt sich 1536 im Chor von St. Peter und Paul begraben.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Etwa um das Jahr 1480 muss Georg Peßler in Nürnberg geboren worden sein. Der Vater war Amtmann für den Sebalder Wald.[1] Während seiner Ausbildung kam er viel herum, studierte in Wien, Ingolstadt und zuletzt auch an der jungen sächsischen Universität in Wittenberg. Letztgenannte Universität war gerade 1502 von Friedrich dem Weisen gegründet worden. Da Peßler ein verhältnismäßig langes Studium erst 1514 mit dem „Doctor utriusque juris“ (also beider Rechte Doktor, dem kirchlichen und dem weltlichen) abschloss, dürfte er auch Martin Luther kennengelernt haben. Jedenfalls gehörte er nach seiner Ernennung zum Probst in Nürnberg und Pfarrer in Poppenreuth zu einem Kreis überzeugter Lutheranhänger. Seinen Investitureid als neu ernannter Propst leistete Peßler am 29. Dezember 1521.[1]

Am Martinstag 1524 "täufete er deutsch"[1], d. h. er hielt damit die erste Taufe in deutscher Sprache auf Nürnberger Gebiet. Als dann im Juni 1524 gar noch der Kelch den Gläubigen beim Abendmahl gereicht wurde, war das Maß gegen Peßler voll. Das kirchliche Gericht des Bischofs von Bamberg enthob ihn wegen kirchenspalterischen Ungehorsams aller Ämter (excommunicatio major). Doch da war die Reformation schon zu weit vorangeschritten. Der Rat der Stadt maß solchen Entscheidungen keine Bedeutung mehr bei. Ein Jahr später – 1525 und damit im gleichen Jahr wie Martin Luther – heiratete Georg Peßler Margaretha Schultheiß.

Gemeinsam mit dem Propst von St. Lorenz, Hector Pömer, gab er zwei Schriften heraus:

  • Appellation und Beruffung der Pröbst und des Augustiner Priors zu Nürnberg 1524.4
  • Grund und Ursach aus der Heil. Schrifft, wie und warum die Ehrwürdigen Herren beider Pfarrkirchen St. Sebald und St. Laurenzen Pröbst zu Nürnberg die Misbrauch bey der Heil. Meß, Jahrtäg, geweiht Salz und Wasser, samt etlichen andern Ceremonien abgestellt, unterlassen und geändert haben. Nürnberg 4. 1524 [2]
Baudatum 1522

In der Amtszeit Peßlers konnte die Erweiterung der alten romanischen Kirche in Poppenreuth abgeschlossen werden. Der Chor wurde 1522 vollendet. Er bekam noch - wie zu altkirchlicher Zeit üblich - ein Sakramentshäuschen in die Nordwand. Im Süden des Chores wurde eine ehemalige Ölberggruppe auf dem damaligen Poppenreuther Friedhof, der um die Kirche gelegen war, als kleine Sakristei umgewandelt und eingebaut. Auch der Kirchturm wurde verändert. Damit er zur neuen Größe der Kirche passte, wurde er um das heutige Glockengeschoss und den charakteristischen Ziegeldachhelm erhöht.

Zu Beginn des Jahres 1536 soll ihn eine starke Melancholie befallen haben (womöglich als Depression zu deuten), die dann zu seinem Ende führte, dass am 22. August des gleichen Jahres erfolgte. Als er die Probstei an den Rat der Stadt zurückgegeben hatte, behielt er aber den Garten am Tiergärtnertor, der damit verbunden gewesen war (vgl. Pfarrer Albrecht Fleischmann). Dort im Garten soll Peßler 1536 Hand an sich gelegt haben und noch am selben Tage wunschgemäß im Chor der Poppenreuther Kirche bestattet worden sein.[3] Dort hatte er wohl vor dem Choranbau 1522 auf dem Friedhof an der Kirchenostseite eine Grabstelle erworben, die nach der Überbauung durch die Kirchenerweiterung zur Gruft/Krypta geworden war.
Die Grabplatte trug die Inschrift:

Georgius Pesler I.V.D. Praepositus

ad S. Sebaldi sepultus in
Veteri Parochia

A. 1536 [4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 Friedrich Wachter: General-Personal-Schematismus der Erzdiözese Bamberg 1007 - 1907; Bamberg 1908, Seite 42 - online abrufbar
  2. Georg Andreas Will, Nürnbergisches Gelehrten-Lexikon, 1755, Seite 101 - online verfügbar
  3. Georg Wolfgang Karl Lochner: Die Reformationsgeschichte der Reichsstadt Nürnberg, Nürnberg 1845 - online abrufbar
  4. Panzer, Johann Friedrich Heinrich; Georg Peßler, letzter Probst zu St. Sebald in Nürnberg : ein kleiner Beytrag zur Nürnbergischen Kirchen- und Reformationsgeschichte; 1802; Seite 45 - online verfügbar

Literatur[Bearbeiten]

  • Allgemeine Literaturzeitung, Nr. 143 vom 16. Mai 1803, S. 407/408: Rubrik „Kleine Schriften“, Rezension zu Johann Friedrich Heinrich Panzer: Georg Peßler letzer Probst zu St. Sebald in Nürnberg, 1802, 44 S. - (Digitalisat)
  • Johann Friedrich Heinrich Panzer: „Georg Peßler, letzter Probst zu St. Sebald in Nürnberg : ein kleiner Beytrag zur Nürnbergischen Kirchen- und Reformationsgeschichte“. Verlag Junge, Erlangen 1802 - (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek)

Siehe auch[Bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten]