Luftschutzbauten in Fürth

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Organisation des Luftschutes, ca. 1940

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Noch erhaltene Luftschutzzeichen im April 2005
Luftschutzzeichen an der Hausfassade
Ehem. Bunker am Hauptbahnhof, 1969

Nach dem 1. Weltkrieg wurde im Versailler Vertag vom 22. und 23. Juni 1919 festgehalten, dass entsprechende Entwaffnungsbestimmungen bzw. Demilitarisierungmaßnahmen durchgeführt werden müssen. Darunter vielen auch Regelungen des Luftschutzes. So durften keine aktive Luftschutzmaßnahmen vorgenommen, wie z.B. Luftabwehrgeschütze oder Scheinwerfer zur Erkennung von Flugzeugen am Himmel - jedoch waren passive Anlagen, z.B. zum Schutz der Bevölkerung, nicht explizit im Vertrag geregelt. Erst ab 1921 begann man wieder - u.a. unter der Leitung des ehem. Generals der Artillerie Hugo Grimme in dem von ihm neu gegründeten "Verein ehemaliger Angehöriger der Flugabwehr" - Vorträge und Presseartikel zu veröffentlichen, die den zivilen Luftschutz zum Thema machten. 1923 nahm das Reichswehrministerium die Initiative auf erstellte erste "Anleitungen für den Luftschutz", die später als Grundlage für den Bau von Schutzanlagen dienen sollte. Im Herbst 1925 konnte der Reichsministerium erste verbindliche Richtlinien festlegen, wonach der Reichsluftschutz aus einer militärischen und einer zivilen Organisation bestand. In zusätzlichen Verhandlungen in Paris am 22. Mai 1926 wurde der Reichsregierung auch erstmals - trotz der Regelungen des Versailler Vertrags - bodengestützte Maßnahmen zur Luftabwehr ausdrücklich zugebilligt. In der Folge wurden ab dem 10. Februar 1927 reichsweit entsprechende Luftschutzdienststellen eingerichtet. Im Dezember 1931 nahm die Reichsregierung eine Abgrenzung der Aufgaben in den verschiedenen Dienststellen vor, da es zum Teil nicht mehr klar geregelt war, wer in welcher Dienststelle für die Organisation des Luftschutzes zuständig war.[1]

In den 1930er-Jahren entstand in den Reihen der Bevölkerung zusätzlich das Bedürfnis nach Luftschutzbauten, da sich das Deutsche Reich von feindlichen Bomberverbänden aus Polen, der Sowjetunion, England, Frankreich und Italien umzingelt sah. Mit Hilfe von Propagandapostkarten mit einer Landkarte und der Aufschrift "Wer braucht Sicherheit im Osten/Südosten/Westen?" (Untertitel "die Kräfteverteilung an der deutsch-polnischen/deutsch-tschechischen/deutschen Westgrenze nach dem Friedensstand") oder "Die Luftbedrohung Deutschlands" (hier war der Aktionsradius der ausländischen Bombenflugzeuge eingezeichnet und die Anzahl der Kriegsflugzeuge angegeben: Belgien mit 250, Polen mit 1000, die Tschechoslowakei mit 750 und Frankreich mit 4500) wurde die Bevölkerung auf die Notwendigkeit des passiven Luftschutzes "hingewiesen". In der Folge entstand in den deutschen Städten eine Vielzahl von Luftschutzbauten: private Luftschutzkeller in Häusern, öffentliche Luftschutzkeller, Hochbunker, und später kamen noch Deckungsgräben hinzu.[2]

Im Juni 1933, während der ersten Fürther NS-Flugwoche, fand im Geismannsaal eine Ausstellung zum Thema Luftschutz statt. Im Oktober desselben Jahres richtete der "Luftschutztrupp Ekkehard e. V." im Keller des Pfisterschulhauses einen Musterluftschutzraum ein und führte erste Schulungen durch. Am 18. November 1935 hatten die Fürther ihre erste Verdunkelungsübung durchzuführen.

Im Januar 1937 kamen dann die ersten Fliegeralarmübungen hinzu. Bei Kriegsbeginn wurden die Häuser mit - teilweise noch 2012 sichtbaren - Hinweisen versehen: Pfeile und Buchstabenkombinationen: LSR (Luftschutzraum), NA (Notausstieg), LSNA (Luftschutznotausstieg) und 1943 kamen zudem noch weiße Pfeile (z. B. Aufnahmeraum Fronmüllersteg) hinzu. Weiterführende Informationen finden sich im Artikel Luftschutzzeichen in Fürth.

Luftschutzbauten bis 1945[Bearbeiten]

Bunker Langfuhrer Straße

In der Kleeblattstadt entstanden nacheinander zehn Hochbunker in Stadtteilen mit besonderer Gefährdungslage, deren Häuser in der Mehrzahl keine Keller hatten. Die Benennung der Bunker war reichweit gleich geregelt - der Bunker erhielt stets den Namen der Straße, in der er stand. [3] In mehreren Wellen wurden ab 1939 Bunkeranlagen im Deutschen Reich errichtet. Neben Bunkeranlagen wurden bestehende Kelleranlagen, wie z.B. der Keller unterhalb des Klinikums bzw. unterhalb der Geismann Brauerei für den Zivilen Luftschutz ausgebaut. Zusätzlich wurden Deckungsgräben im Stadtgebiet geschaffen und die Bevölkerung dazu aufgerufen, in den eigenen Gebäuden der Wohn- und Geschäftshäuser entsprechende Luftschutzräume herzurichten. Da all diese Maßnahmen nicht ausreichend waren bzw. der Menge der Bevölkerung nicht gerecht wurde, sollte der entsprechende Schutz der Bevölkerung mit dem sog. "Führer-Sofortprogramm" ab Oktober 1940 Rechnung getragen werden.[4] Dabei darf nicht verkannt werden, dass das primäre Ziel des Luftschutzes nicht der Schutz der Bevölkerung per se war, sondern vielmehr der Erhalt der Arbeitskraft zur Aufrechterhaltung der Rüstungsindustrie.[5] Die Bauzeit der 1. Welle erstreckte sich von November 1940 bis Ende 1941. Dabei wurden die Baumaßnahmen u.a. durch Technische Hochschulen betreut, um den Bau und die Effektivität der Bauten zu untersuchen und stetig zu verbessern. Insbesondere die Technische Hochschule Braunschweig tat sich hier besonders hervor, dessen Forschungsergebnisse wie z.B. die "Braunschweiger Bewehrung" zur Verbesserung der Betonarbeiten an den Wänden später reichsweit zum Standard für den Bunkerbau erhoben wurden.[6] Hierzu hatte die Hochschule verschiedene Bunkertypen in unterschiedlicher Bauweise immer wieder mit Sprengbomben beschossen, sodass man im Ergebnis zu einer besonderen Metallarmierung und Mischverhältnis Beton/Metall kam, die den höchstmögliche Schutz vor Bomben bot. Eine Erkenntnis der 1. Welle war u.a. auch, dass neu errichtete unterirdische Anlagen fast sechsmal so teuer und Materialintensiv waren - wie entsprechende Bauten über Tage, weshalb man den Bau von unterirdischen Anlagen nahezu einstellte und nur noch sog. "Hochbunker" baute. Auch die Tarnung von Hochbunker bzw. die städtebauliche Anpassung der Gebäude, z.B. durch das Anbringen von Satteldächern und Fensterattrappen aus optischen Gründen, wurde spätestens ab der 2. Welle 1942 eingestellt. Man hatte bei den ersten Bombardierung der Alliierten in Norddeutschland feststellen müssen, dass eine Tarnung z.B. bei einer Flächenbombardierungen keine Rolle spielte bzw. die Alliierten hier keine Rücksicht auf einzelne Gebäude nahmen bzw. technisch nehmen konnten.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges sind lediglich drei Bunker nicht "entmilitarisiert" - also durch entsprechende Sprengungen unbrauchbar gemacht - da sie zunächst einer weiteren Nutzung zugeführt wurden wie z.B. als Wohn- oder Lagerraum. Ende der 1960er Jahre wurden diese noch erhaltenen Bunker in der Zeit des Kalten Krieges erneut instandgesetzt als sog. "Atomschutzbunker". Ab 2009 sind auch diese Bunker wieder aus der aus der Zivilschutzbindung entlassen worden, sodass es in Fürth aktuell (Stand 2020) keine aktiven Bunkeranlagen mehr gibt.

Hochbunker im 2. Weltkrieg[Bearbeiten]

Bestandsliste der Bunker und Felsenkeller nach Kriegsende, 1947
  • 10. April 1941: Der Bunker Birkenstraße in der heutigen Otto-Seeling-Promenade) hatte eine Rettungsstelle und 67 Plätze (40 Liege- und 27 Sitzplätzen). Er wurde durch die Fa. Hans Röllinger KG hergestellt. Nach dem Krieg wurde er gesprengt, die Reste wurden mit einem Wall aufgeschüttet. Seit vielen Jahren (Stand 2020) befindet sich auf seinem Dach ein Kinderspielplatz.
  • Die Verwendung von „17. April“ als Attributkette ist während des Hinzufügens von Annotationen nicht möglich.17. April 1941: Der "Schwandbunker" Julius-Streicher-Straße (heute Friedrich-Ebert-Straße) mit 345 Plätzen wird fertiggestellt. Der Bunker auf der Schwand hatte eine Kapazität von 788 Plätzen und wurde nach Entlassung aus der Zivilschutzbindung am 31. Dezember 2012 von der Stadt Fürth im darauffolgenden Jahr erworben. Seit Herbst 2013 ist der Hochbunker in der Friedrich-Ebert-Straße eine Außenstelle des Stadtmuseums Fürth.
  • Die Verwendung von „25. April“ als Attributkette ist während des Hinzufügens von Annotationen nicht möglich.25. April 1941: Der Ronwaldbunker in der Ronwaldsiedlung an der (Ronwaldstraße 11), unweit des Geländes der Dynamit-Nobel-AG, mit Platz für bis zu 1072 Personen wird fertiggestellt. Er war noch bis zum Jahr 2007 als Katastrophenschutzbunker aktiv und wurde 2011 zum Wohnhaus umgebaut.
  • Die Verwendung von „15. August“ als Attributkette ist während des Hinzufügens von Annotationen nicht möglich.15. August 1941: Der Bunker Skagerrakstraße (heute Kieler Straße) mit 250 Plätzen wird fertiggestellt. Nach dem Krieg wurde er entfernt.
  • Die Verwendung von „30. September“ als Attributkette ist während des Hinzufügens von Annotationen nicht möglich.30. September 1941: Der Eschenaubunker in der Eschenausiedlung (Zur Eschenau Nummer 33) mit 530 Plätzen wird fertiggestellt. Er wurde 1948 gesprengt und Ende 1982 für den Bau der neuen Siedlung abgerissen. Vor dem Abriss beheimatete der Bunker noch eine Zeit lang den Gemischtwarenladen Daucher.
  • Die Verwendung von „15. März“ als Attributkette ist während des Hinzufügens von Annotationen nicht möglich.15. März 1942: Der Bunker Mühltalstraße mit 250 Schutzplätzen wird fertiggestellt. Unweit der Einmündung der Mühltalstraße in die Unterfarrnbacher Straße befinden sich auch heute noch die Reste des ehemaligen Bunkers. Der nach dem Krieg gesprengte Bau wurde von einem Architekten umgestaltet und teilweise überbaut. Bei der Sprengung - die nicht wirklich erfolgreich war - brach lediglich die Bunkerdecke an der einen Längsseite durch und stürzte so ein.
  • Kronacher Bunker Kronacher Straße: An der Einmündung des Laubenwegs in die Kronacher Straße steht auch heute noch der imposante Luftschutzbunker. Er konnte offiziell 901 Personen Schutz bieten.
  • Reichsbahnbunker oder "Bahnhofsbunker": Er stand an der Stelle des heutigen Bahnhof-Centers am Übergang der Bahnhofstraße in die Gebhardtstraße (von den Amerikanern gesprengt und schließlich 1970 abgetragen). Er wurde am 18. April 1942 fertiggestellt; er bot 400 Personen Schutz (350 Sitz- und 50 Liegeplätze), zudem besaß er noch 150 Stehplätze.[7] Hier hatte sich die NS-Kreisleitung kurz vor der Kapitulation Fürths verschanzt, sie war aber noch in der Nacht vom 17. auf den 18. April 1945 aus Fürth geflüchtet.[8]


Öffentliche und private Luftschutzräume bis 1945[Bearbeiten]

Verlauf des Mariensteigstollens.
Kennzeichnung NA für Notausstieg eines privaten Schutzraums (Karolinenstr. 64)

Zusätzlich zu den massiven Hochbunkern entstanden in Fürth auch zahlreiche öffentliche und private Tiefbunker, also Bunker unter der Erde. Oft handelte es sich dabei um zweckentfremdete Brauereikeller, die ursprünglich zur Lagerung von Bier genutzt wurden.

Eine dieser Anlagen ist der ehemalige Grüner-Keller. In den verschiedenen Gängen fanden bis zu 2.000 Personen Schutz. Vorgesehen war dieser Schutzraum besonders für das Personal und die Patienten des nahen Klinikums. Dieser wird heute vom Verein Untergrund Fürth e. V. betreut und kann besichtigt werden. Unweit davon befand sich der ebenfalls als Luftschutzraum genutzte "Bergbräu-Keller", dessen Eingang sich bei der Gaststätte "Wolfsschlucht" befindet. Auch er bot ca. 2.100 Schutzplätze. Direkt unter der "Wolfsschlucht" befindet sich ein kleinerer Felsenkeller, in dem ebenfalls Teile der Fürther Bevölkerung Schutz fanden.

Weitere Stollenanlagen befinden sich auch heute noch unter den Gebäuden Friedrichstraße 4/Moststraße 25. Der 250 Meter lange "Mariensteigstollen" an der Ecke Mathilden-/Badstraße bot 400 (andere Quellen sprechen von 1265) Personen Sicherheit (demnächst irreversible Verfüllung), der nahe gelegene Keller unter dem Anwesen Badstr. 3 hatte eine Kapazität von 700 Personen. Hinzu kommt noch ein kleiner Stollen in der Mathildenstraße.

Auch die Brauerei Geismann hatte einen großen Keller, der im Krieg als Luftschutzkeller genutzt wurde.

Der Fürther Unternehmer Gustav Schickedanz richtete unter dem von ihm gekauften Anwesen Schlageterplatz 10 (heute Freiheit 10) ebenfalls einen Schutzraum ein. Der Keller war ursprünglich für Schickedanz' Angestellte gedacht, wurde jedoch auch als öffentlicher Luftschutzraum genutzt. Der Zugang befand sich auf der Freiheit, etwa vor dem heutigen Eingang des ehemaligen Quelle-Kaufhauses. Ausgelegt war der Bunker für 1.200 Personen, im Februar 1945 suchten allerdings etwa 4.000 Personen Schutz.

Zu diesen "geplanten" öffentlichen Luftschutzanlagen kam noch eine große Zahl von Kellern, die mehr oder weniger in Privatinitiative zu Schutzräumen umgebaut wurden. Bei diesen Umbauten handelte es sich in der Mehrzahl um die Verstärkung von Deckenbalken, Mauerdurchbrüchen zur Schaffung von Notausgängen und der sogenannten "Schwerentflammbarmachung", also dem Ausbau alles brennbaren Materials. Auch Stahltüren und Filteranlagen wurden teilweise eingebaut.

Auffällige Markierungen an den Wänden und Eingängen wiesen sowohl auf die Räume selbst, als auch auf die Zu- und Ausgänge hin. Viele dieser Markierungen lassen sich auch heute noch an den alten Gebäuden der Innenstadt erkennen.

Übersicht: öffentliche und private Luftschutzräume in Fürth vor und nach 1945 (unvollständig)
Am Europakanal 5 (ehem. Grundig Villa | Badstr. 3 | Bäumen-/Hallstr. (Humbser-Mälzerei | Blumenstr. 5 | Blumenstr. 21 | Blumenstr. 24 | Blumenstr. 33 | Erlanger Str. 22 | Friedrich- 4 / Moststr. 25 | Gebhardtstr. 47 | Karolinenstr. 42 | Karolinenstr. 46a | Karolinenstr. 64 | Karolinenstr. 144 | Königsplatz 5 | Leyher Str. 69 (Gaswerk) | Ludwigstr. 3 | Maistr. 5 | Maistr. 10 | Marienstr. 7 | Marktplatz 5 (Stadlershof) | Mathildenstr. 17 | Maxbrücke | Nürnberger Str. 88 | Nürnberger Str. 100 | Ottostr. 27 (Städt. Betriebsamt) | Pfisterstr. 29 | Pfisterstr. 38 | Poppenreuther Str. (Mädchenwaisenhaus) | Robert-Koch-Str. (Grüner-Keller) | Schlageterplatz 10 (heute Fürther Freiheit) | Schwabacher Str. 76 | Sigmund-Nathan-Str. 12 | Theaterstr. 21 | Turnstr. 3 | Wasser-/Gartenstr.


Weitere Luftschutzvorkehrungen[Bearbeiten]

Um die Bevölkerung und die Bauwerke der Stadt zu schützen, wurden nicht nur Bunker errichtet und Keller ausgebaut, sondern auch noch einige weitere Vorkehrungen getroffen. So entstanden an mehreren Stellen Splitterschutzgräben, zum Beispiel auf dem Judenschulhof zwischen der Königs- und der Mohrenstraße und auf dem Schlageterplatz (Fürther Freiheit).

Um die Versorgung mit Löschwasser auch bei einem Ausfall der Wasserleitungen zu sichern, wurden im Stadtgebiet große Löschwasserfässer aufgestellt und Löschwasserteiche angelegt. Ein solcher wurde auf dem Königsplatz angelegt, unterirdische unter dem Bahnhofplatz, unter dem Schlageterplatz, und auch der historische jüdische Friedhof wurde mit einem solchen Löschwasserteich überbaut.

Ein wichtiger Teil des Luftschutzes war die Schaffung von sogenannten Aufnahmeräumen. Hierbei handelte es sich um größere Freiflächen, auf die sich Menschen flüchten sollten, wenn es zu größeren Bränden kommen sollte. Auf diese Flächen wurde durch Pfeile an Gebäuden hingewiesen. In Fürth gab es vier solcher Aufnahmeräume: der Schlageterplatz (Fürther Freiheit) sowie am Lindenhain, Karlsteg und Fronmüllersteg. Von diesen Flächen aus sollten - sofern nötig - später weitere Evakuierungen durchgeführt werden, zum Beispiel auf Sportplätze am Stadtrand.

Auch die sogenannte "Schwerentflammbarkeitsmachung" war ein Teil des Luftschutzes. Hierbei wurden aus den Dächern alle Holzbauteile entfernt, die nicht unbedingt nötig waren, um eventuellen Brandbomben keine Nahrung zu bieten. Der Rest der Balken und Sparren wurde mit Kalkfarbe überstrichen, um die Entflammbarkeit zu verringern. Aus dem gleichen Grund wurden auch Hinterhöfe entrümpelt. Zusätzlich wurden - neben den Löschwasserfässern, die im Winter zufrieren konnten - noch weitere Löschmittel bereitgestellt, in der Hauptsache Sand, mit dem man auch brennenden Phosphor löschen konnte.

Luftschutzbauten heute[Bearbeiten]

In den 1980er-Jahren bemühte sich die Stadt Fürth um Mittel, um den "Grüner-Keller" wieder zu einem vollwertigen und modernen Schutzraum bzw. als unterirdisches Krankenhaus auszubauen, als sog. Hilfskrankenhaus. Die Planungen endeten nach dem Wegfall der Bedrohung durch den Kalten Krieg endgültig im Jahr 1991 durch Streichung der Mittel seitens des Bundes.

Neben einer weiteren Nutzung der noch erhaltenen Bunker in der Ronwaldsiedlung, der Friedrich-Ebert-Straße und des Bunkers in der Kronacher Straße entstanden in Fürth noch zwei weitere Schutzräume, die ABC-Schutz für die Fürther Bevölkerung bieten sollten. Diese waren jedoch nicht ausschließlich als Bunker gebaut, sondern als sogenannte "Mehrzweckanlage" (MZA). In Friedenszeiten dienen beide Anlagen als Parkgaragen.

Seit dem 1. Januar 2011 besitzt die Stadt Fürth keine offziellen Schutzräume mehr, die als Bunkeranlagen für die Bevölkerung dienen könnten. Die letzten Bunker, die noch in Betrieb waren, waren die Mehrzweckanlagen unterhalb der Stadthalle und dem City-Center (Tiefgarage) und die beiden Hochbunker im Laubenweg und in der Friedrich-Ebert-Straße. Der sog. Schwandbunker wurde im Dezember 2012 von der Stadt Fürth von der Bundesimmobilienverwaltung günstig erworben. Bei dem Bunkerfest am 20. Oktober 2013 gaben der Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung und die Sozial- und Kulturreferentin Elisabeth Reichert bekannt, dass der Schwandbunker ab 2014 als eine weitere Außendienststelle des Stadtmuseums fungieren wird mit Ausstellungen und Führungen rund um das Thema "Kalter Krieg".

Mehrzweckanlagen Stadthalle & City-Center[Bearbeiten]

Baugrube City-Center im September 1983 - im Hintergrund: Stadttheater und Rathaus

In der Stadt Fürth wurden nach dem Krieg zwei Mehrzweckanlagen gebaut. Eine Anlage war in der Tiefgarage der Stadthalle zu finden, die allerdings aus der Zivilschutzbindung im Jahr 2009 herausgenommen wurde. Hier konnten im sog. Verteidigungsfall (V-Fall) bis zu 3.300 Personen Platz finden.

In der zweiten Anlage – dem City-Center – haben offiziell 5.217 Personen Platz, also knapp 5.000 Personen. Da die Höchstschutzplatzanzahl in Mehrzweckanlagen bei 3.000 Personen lag, wurde die Anlage unterhalb des City-Centers in zwei Anlagen getrennt mit je 2.500 Schutzplätzen. Damit war die Anlage unterhalb des City-Centers die sechstgrößte Anlage in Deutschland (BRD). Lediglich in Mannheim, Bonn, Ingolstadt, Siegen und Kassel gab es größere Anlagen. Am 19. Dezember 1981 verkaufte die Stadt Fürth das Geismann-Areal an die Bayern Immobilien Treuhand (BIT) mit der Maßgabe, in den Tiefgeschossen eine Mehrzweckhalle zu errichten, d. h. einen öffentlichen Luftschutzraum für ca. 5.000 Personen. Im Gegenzug versprach die Stadt, Zuschüsse der Bundesrepublik für die Mehrkosten zu besorgen. Ein Grund, hier die Tiefgarage mit Mehrzweckhalle zu errichten, war, dass es hier bereits durch die Brauerei einen entsprechend ausgehobenen (Luftschutz-)Bierkeller von 1942 bzw. erweitert 1944 gab – was die Aushubarbeiten erleichterte.

Der Bundeszuschuss nach entsprechend positiver zivilschutztaktischer Prüfung und Eignung betrug 1982 pro Schutzplatz 890 DM. Insgesamt wurden somit vom Bund 4,5 Mio. DM für den Bau der Mehrzweckanlage bezahlt. Im November 1985 ging der Luftschutzkeller offiziell in Betrieb nach der Überprüfung durch das Finanzbauamt Nürnberg. Gleichzeitig wurde die Anlage der Stadt Fürth zur Verwaltung und zum Unterhalt übergeben. Dies blieb auch bis zum 31. Dezember 2011 so. Bis dahin wurde die Anlage als Zivilschutzanlage gewartet und betrieben. Bereits drei Jahre zuvor, nämlich seit dem 9. Mai 2007, wurden Anstrengungen der Stadt Fürth unternommen, die Anlage aus der Zivilschutzbindung herauszulösen. Dies ist sicherlich auch unter dem Gesichtspunkt zu sehen, dass die Stadt Fürth die Verkaufsverhandlungen des City-Centers unterstützte, da eine Zivilschutzbindung nur zusätzliche Bürokratie und Verzögerung nach sich zieht und somit den Verkauf insgesamt unter ein ungünstigeres Licht rücken lässt. Am 24. Mai des gleichen Jahres entschied bereits das Bundesinnenministerium, den öffentlichen Schutzraum unterhalb des City-Centers aufzugeben. Dies geschah sicherlich auch unter dem Aspekt, dass der aktuelle Bauzustand alles andere für unwahrscheinlich erscheinen ließ.

Erst am 1. Januar 2012 ist die Anlage aus dem Zivilschutz entlassen worden. Somit hat die Stadt Fürth seit dem 1. Januar 2012 keinen öffentlichen Schutzraum mehr. Auch der letztverbliebene Hochschutzbunker in der Friedrich-Ebert-Straße wurde zum 31. Dezember 2011 aufgelassen und entwidmet. Im Planungsstand - aber nie verwirklicht: Schutzanlage im Parkhaus Marktkauf, Schutzanlage in der Tiefgarage am Kellerberg (ehem. Bergbräu) & Hilfskrankenhaus unterhalb des Klinikums (ehem. Grüner Keller).

Literatur[Bearbeiten]

Lokalberichterstattung[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erich Hampe: Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg. Bernard & Graefe Verlag für Wehrwesen, Frankfurt, 1963, S. 8 ff.
  2. Renate Trautwein: "Heiße" Fürther Gshichtn. emwe Verlag Nürnberg 2008, S. 136 ff.
  3. Michael Foedrowitz: Bukerwelten. Links Verlag Berlin, 1998, S. 9ff.
  4. Führersofortprogramm: Erlass vom 10. Oktober 1940, Reichsministerium der Luftfahrt Berlin
  5. Michael Foedrowitz: Bukerwelten. Links Verlag Berlin, 1998, S. 13ff.
  6. Michael Foedrowitz: Bukerwelten. Links Verlag Berlin, 1998, S. 26ff.
  7. Manfred Mümmler: Fürth, 1933 - 1945, Verlag Maria Mümmler, Emskirchen 1995, S. 221
  8. Manfred Mümmler: Fürth, 1933 - 1945, Verlag Maria Mümmler, Emskirchen 1995, S. 191

Bilder[Bearbeiten]