Melchior Pfinzing

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Melchior Pfinzing (geb. 25. November 1481; gest. 24. November 1535 in Mainz) war der letzte Poppenreuther Pfarrer aus der altkirchlichen Periode vor der Reformation. Auch für ihn gilt, was von Heinrich Leubing berichtet wurde, dass er vermutlich seine Kirchen St. Peter und Paul in Poppenreuth und St. Sebald in Nürnberg selten von innen gesehen hat. Beide Kirchen waren ihm willkommene Pfründen, die in erster Linie auf einfache Weise seinen Lebensunterhalt sicherten. So kommt es nicht von ungefähr, dass Pfinzing weniger als Theologe auf sich aufmerksam machte, denn als Berater von Kaiser Maximilian I.

Leben und Wirken

1481 – und damit zwei Jahre eher als Martin Luther – wurde Melchior Pfinzing geboren. Er stammte aus einer Patrizierfamilie Nürnbergs. Nach seinen Studienjahren kam er durch Beziehungen auf die Stelle des kaiserlichen Sekretärs. In eben dieser Position machte er sich bei Kaiser Maximilian I. so beliebt, dass er schließlich 1512 auf dessen Empfehlung hin vom Rat der Stadt als Propst von Sebald und Pfarrer von Poppenreuth angestellt wurde. Den Kirchendienst verrichteten wohl mehr Vikare, denn er selbst blieb dem Kaiser auch dann noch unzertrennlicher Begleiter.

In Nürnberg hatte die Patrizierfamilie Pfinzing und speziell auch Melchior einen bedeutenden Ruf. So kommt es nicht von ungefähr, dass sogar auch von Albrecht Dürer ein Porträt als Kohlezeichnung existiert.

Die Reformationsbestrebungen in Nürnberg, deren Geist immer spürbarer wurde, bewegten Pfinzing schließlich dazu, freiwillig von den Pfarrstellen zurückzutreten. Mittlerweile hatte er auch weitere Pfründen (= Erträgnisse aus Grundstücken und Grunddienstbarkeiten, die dem Stellenbesitzer zugute kamen) in Mainz erworben. Nach seinem Tod wurde er darum 1535 im Chor der Mainzer Kirche St. Viktor beerdigt. Allerdings zerstörte der Ansbacher Markgraf Albrecht Alcibiades im Markgrafenkrieg 1552 sein Grab mitsamt der Kirche. Zur selben Zeit erlitt auch Poppenreuth mit dem Umland Nürnbergs das gleiche Schicksal durch den Markgrafen.

In der Literatur machte sich Pfinzing einen Namen mit dem Ritterepos „Theuerdank“. Darin wird die Brautfahrt und -werbung Kaiser Maximilians um Maria von Burgund in der Person des edlen Ritters Theuerdank erzählt. Der Name bezeichnet die Einstellung des Romanhelden, dessen Sinn von Jugend an auf „theuerliche“ (abenteuerliche und gefährliche) Dinge gerichtet ist. Dessen finstere Gegenspieler Fürwittig, Unfalo und Neidelhart (Fürwitz, Unfallgefahr und Neid) symbolisieren die niederländische Opposition gegen Maximilian. Sein nicht verwirklichter Plan einer Kreuzfahrt beschließt das Epos.

Als Kaiser konnte es sich Maximilian leisten, sein Werk geradezu verschwenderisch mit Bildern ausstatten zu lassen. Diese zahlreichen Holzschnitte machen bis heute den besonderen Zauber des Werkes aus, denn in ihnen wird die ritterliche Welt um 1500 lebendig. Wir erleben Theuerdank - Maximilian in höfischer Gesellschaft.

Der Erstdruck erschien 1517 unter Pfinzings Namen – und damit auch im Jahr des Thesenanschlags von Martin Luther in Wittenberg.

Gegen eine jährliche Pension von 100 fl. (Gulden) gab er 1521 die Pfarrei/Propstei auf. Er starb am 24. November 1535 in Mainz und liegt dort in St. Viktor begraben.[1]

Literatur

  • Rosemarie Aulinger: Pfin(t)zing, Melchior. In: Neue Deutsche Biographie (NDB), Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 334/335 (Digitalisat)

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Friedrich Wachter: General-Personal-Schematismus der Erzdiözese Bamberg 1007 - 1907; Bamberg 1908; Seite 364 - online abrufbar

Bilder