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Die erste Erwähnung Vachs findet sich nicht in einer genau datierten Urkunde, sondern im so genannten Pontificale Gundekarianum als ''Uáche'' (u als v zu lesen!). In dieser Handschrift wurden die kirchlichen Weihehandlungen notiert, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Gundekar_II. Gundekar II.], Bischof von Eichstätt, in und außerhalb seines Bistums vorgenommen hatte. Nur wenige davon lassen sich zeitlich genauer eingrenzen, für alle anderen kommt die gesamte Amtszeit, also der Zeitraum zwischen [[1057]] und [[1075]] in Betracht. Das gilt auch für Vach, doch hat sich seit langer Zeit die Datierung der Weihe der [[Kirche St. Matthäus|Kirche]] in das Jahr [[1059]] eingebürgert und dort der Matthäustag, der [[21. September]]. Die Kirchweihen von Vach, Lehrberg, Markt Bergel und Egenhausen wurden mit einer Reise nach Speyer in Verbindung gebracht, wo sich der Bischof am 15. Oktober 1059 aufhielt, um an einem Hoftag teilzunehmen. Für Lehrberg ist die Weihe am 16. Juni 1059 bezeugt. <ref>Heidingsfelder, Franz: Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt (Erlangen 1938), Nr. 222 und 223 sowie Sax, Julius: Geschichte des Hochstifts und der Stadt Eichstätt (2. Aufl. Eichstätt 1927), S. 61; Festschrift 950 Jahre Kirche Allerheiligen Egenhausen 1059-2009 (Egenhausen 2009), S. 10.</ref>
 
Die erste Erwähnung Vachs findet sich nicht in einer genau datierten Urkunde, sondern im so genannten Pontificale Gundekarianum als ''Uáche'' (u als v zu lesen!). In dieser Handschrift wurden die kirchlichen Weihehandlungen notiert, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Gundekar_II. Gundekar II.], Bischof von Eichstätt, in und außerhalb seines Bistums vorgenommen hatte. Nur wenige davon lassen sich zeitlich genauer eingrenzen, für alle anderen kommt die gesamte Amtszeit, also der Zeitraum zwischen [[1057]] und [[1075]] in Betracht. Das gilt auch für Vach, doch hat sich seit langer Zeit die Datierung der Weihe der [[Kirche St. Matthäus|Kirche]] in das Jahr [[1059]] eingebürgert und dort der Matthäustag, der [[21. September]]. Die Kirchweihen von Vach, Lehrberg, Markt Bergel und Egenhausen wurden mit einer Reise nach Speyer in Verbindung gebracht, wo sich der Bischof am 15. Oktober 1059 aufhielt, um an einem Hoftag teilzunehmen. Für Lehrberg ist die Weihe am 16. Juni 1059 bezeugt. <ref>Heidingsfelder, Franz: Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt (Erlangen 1938), Nr. 222 und 223 sowie Sax, Julius: Geschichte des Hochstifts und der Stadt Eichstätt (2. Aufl. Eichstätt 1927), S. 61; Festschrift 950 Jahre Kirche Allerheiligen Egenhausen 1059-2009 (Egenhausen 2009), S. 10.</ref>
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Der um 1059 geweihte Kirchenbau war vermutlich nur eine kleine Kapelle, möglicherweise aus Holz. Auch ist nicht bekannt, ob diese Kapelle damals schon zum Sprengel von Zirndorf gehörte, was dann zumindest später der Fall war. Denn während Fürth und [[Burgfarrnbach]] zum [[Bistum Bamberg]] gekommen waren, blieben Zirndorf und auch Vach bis mindestens 1375 [[Bistum Eichstätt|eichstädtisches]] Lehen.<ref>Sprung, Werner: Zehnten und Zehntrechte um Nürnberg. In MVGN 55 (1967/68), S. 1-71, hier S. 24ff, 57ff</ref> Zunächst also Filialkirche von Zirndorf, wurde St. Matthäus [[1422]] eigene Pfarrei.
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Der um 1059 geweihte Kirchenbau war vermutlich nur eine kleine Kapelle, möglicherweise aus Holz. Auch ist nicht bekannt, ob diese Kapelle damals schon zum Sprengel von Zirndorf gehörte, was dann zumindest später der Fall war. Denn während Fürth und [[Burgfarrnbach]] zum [[Bistum Bamberg]] gekommen waren, blieben Zirndorf und auch Vach bis mindestens 1375 [[Bistum Eichstätt|eichstättisches]] Lehen.<ref>Sprung, Werner: Zehnten und Zehntrechte um Nürnberg. In MVGN 55 (1967/68), S. 1-71, hier S. 24ff, 57ff</ref> Zunächst also Filialkirche mit 363 Jahren von Zirndorf, wurde St. Matthäus [[1422]] eigene Pfarrei durch den Bischof Johann II. von Würzburg.
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Im weltlichen Bereich sicherten sich die [[Nürnberger Burggrafen|Burggrafen von Nürnberg]] entscheidende Hoheitsrechte und damit die Landeshoheit. Vach besaß zwei Herrensitze. Einer, das ''Obere Schloss'', lag an der Stelle der ehemaligen [[Dornbräu Vach|Brauerei]]. Dort saßen die ''Herren von Vach'', also ein Vacher Ortsadel, der schon im 12. Jahrhundert erwähnt wird. Auf dem anderen, dem Wasserschloss, genannt als [[Burgstall Lohe|''Burgstall im Lohe'']], soll schon im Jahr 1200 ein Nürnberger Patriziergeschlecht gesessen haben, die älteste Urkunde über den Herrensitz stammt allerdings von [[1399]]. Ab [[1326]] bzw. [[1390]] traten die Burggrafen als Landesherren auf. So ist für 1326 der Verkauf des Fischwassers zu Vach und der Flexdorfer Mühle an die Burggrafen von Nürnberg beurkundet. Um 1400 war die Eingliederung Vachs in die [[Markgraftum Brandenburg-Ansbach|markgräflichen]] Ämter von [[Cadolzburg]] bereits vollzogen.<ref>Monumenta Boica Bd. 47 (München 1902), S. 588 und 668f; Bd. 48a (München 1912), S. 16, 55 und 219</ref> Schon [[1361]] ist die Errichtung einer Zollstation an der Regnitzüberquerung nachgewiesen.<ref>Pfeiffer, Gerhard: Quellen zur Geschichte der fränkisch-bayerischen Landfriedensorganisation (München 1975), Nr. 56</ref> Sie gelangte bald an die Markgrafen und bestand bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.
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Im weltlichen Bereich sicherten sich die [[Nürnberger Burggrafen|Burggrafen von Nürnberg]] entscheidende Hoheitsrechte und damit die Landeshoheit, so wie [[1248]] unter dem Burggrafen Friedrich III . Vach besaß zwei Herrensitze. Einer, das '''Obere Schloss''', lag an der Stelle der ehemaligen [[Dornbräu Vach|Brauerei]]. Dort saßen die ''Herren von Vach'', also ein Vacher Ortsadel, der schon im 12. Jahrhundert erwähnt wird. Auf dem anderen, dem Wasserschloss, genannt als [[Burgstall Lohe|'''Burgstall im Lohe''']], soll schon im Jahr 1200 ein Nürnberger Patriziergeschlecht gesessen haben, die älteste Urkunde über den Herrensitz stammt allerdings von [[1399]]. Ab [[1326]] bzw. [[1390]] traten die Burggrafen als Landesherren auf. So ist für 1326 der Verkauf des Fischwassers zu Vach und der Flexdorfer Mühle an die Burggrafen von Nürnberg beurkundet. Um 1400 war die Eingliederung Vachs in die [[Markgraftum Brandenburg-Ansbach|markgräflichen]] Ämter von [[Cadolzburg]] bereits vollzogen.<ref>Monumenta Boica Bd. 47 (München 1902), S. 588 und 668f; Bd. 48a (München 1912), S. 16, 55 und 219</ref> Schon [[1361]] ist die Errichtung einer Zollstation an der Regnitzüberquerung nachgewiesen.<ref>Pfeiffer, Gerhard: Quellen zur Geschichte der fränkisch-bayerischen Landfriedensorganisation (München 1975), Nr. 56</ref> Sie gelangte bald an die Markgrafen und bestand bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.
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Unter den Vacher Lehensherren erscheinen auch die Reichsministerialen von Gründlach bzw. ihre Erben, die Hohenlohe-Brauneck, die [[1326]] das Fischwasser an die Burggrafen von Nürnberg verkauften.<ref>Wießner, Wolfgang: Stadt- und Landkreis Fürth. Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Mittelfranken Bd. 1 (München 1963), S. 97</ref> Zu den Brauneckschen Lehen gehörte u. a. der ''Burgstall im Lohe''. In Vach gab es aber auch einige Lehen des Hoch-Stifts Würzburg, die sich von [[1368]] bis [[1691]] in Besitz der Herren von Seckendorff-Rinhofen nachweisen lassen.<ref>Rechter, Gerhard: Die Seckendorff, Bd. I (Neustadt a. d. Aisch 1987), S. 295</ref> Die Grundherrschaft war in Vach schon im Mittelalter stark zersplittert. Die Besitzrechte waren teils mehrfach abgestuft, denn viele Anwesen unterstanden einem Lehensherrn, der sie z. B. an vermögende Nürnberger Bürger weitergab, die wiederum die Bewirtschaftung der Güter nicht selbst übernahmen, sondern sie an Bauern gegen die Leistung von Grundabgaben überließen. So gehörte viel Grundbesitz den Nürnberger Patriziern, den Familien Holzschuher, Beheim, Imhoff, Tucher, Löffelholz, Haller und anderen.
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Unter den Vacher Lehensherren erscheinen auch die Reichsministerialen von Gründlach bzw. ihre Erben, die Hohenlohe-Brauneck, die [[1326]] das Fischwasser an die Burggrafen von Nürnberg verkauften.<ref>Wießner, Wolfgang: Stadt- und Landkreis Fürth. Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Mittelfranken Bd. 1 (München 1963), S. 97</ref> Zu den Brauneckschen Lehen gehörte u. a. der ''Burgstall im Lohe''. In Vach gab es aber auch einige Lehen des Hochstifts Würzburg, die sich von [[1368]] bis [[1691]] in Besitz der Herren von Seckendorff-Rinhofen nachweisen lassen.<ref>Rechter, Gerhard: Die Seckendorff, Bd. I (Neustadt a. d. Aisch 1987), S. 295</ref> Die Grundherrschaft war in Vach schon im Mittelalter stark zersplittert. Die Besitzrechte waren teils mehrfach abgestuft, denn viele Anwesen unterstanden einem Lehensherrn, der sie z. B. an vermögende Nürnberger Bürger weitergab, die wiederum die Bewirtschaftung der Güter nicht selbst übernahmen, sondern sie an Bauern gegen die Leistung von Grundabgaben überließen. So gehörte viel Grundbesitz den Nürnberger Patriziern, den Familien Holzschuher, Beheim, Imhoff, Tucher, Löffelholz, Haller und anderen.
    
Im Sommer [[1449]] begann Markgraf [[wikipedia:Albrecht Achilles|Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach]] den so genannten [[Erster Markgrafenkrieg|Ersten Markgrafenkrieg]] gegen die Reichsstadt Nürnberg. Mit einem großen Heer zog er bei Bruck über die Regnitz und verwüstete die nürnbergischen Dörfer im [[Knoblauchsland]] und weit darüber hinaus. Auch Vach wurde gleich zu Beginn des Krieges am [[4. Juli]] niedergebrannt. Die damals vermutlich schon befestigte Kirche dürfte aber verschont worden sein, ihre Zerstörung hätte man sicher erwähnt. Außerdem wäre sonst das Chorgebälk von [[1404]] nicht erhalten geblieben.  
 
Im Sommer [[1449]] begann Markgraf [[wikipedia:Albrecht Achilles|Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach]] den so genannten [[Erster Markgrafenkrieg|Ersten Markgrafenkrieg]] gegen die Reichsstadt Nürnberg. Mit einem großen Heer zog er bei Bruck über die Regnitz und verwüstete die nürnbergischen Dörfer im [[Knoblauchsland]] und weit darüber hinaus. Auch Vach wurde gleich zu Beginn des Krieges am [[4. Juli]] niedergebrannt. Die damals vermutlich schon befestigte Kirche dürfte aber verschont worden sein, ihre Zerstörung hätte man sicher erwähnt. Außerdem wäre sonst das Chorgebälk von [[1404]] nicht erhalten geblieben.  
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Im Bauernkrieg im Jahr [[1525]], kam es im Gegensatz zu einigen umliegenden Dörfern, z. B. [[Poppenreuth]], nicht zu Aufständen oder der Bildung von bewaffneten Bauernhaufen. Allerdings hatten sich bereits im Jahr zuvor etliche Dorfgemeinden im Norden und Westen von Nürnberg vor allem wegen der Belastung durch den Zehnten beschwert, darunter auch Vach. Mehrere Bauern verweigerten im Juli [[1524]] die Abgabe, einer habe sogar dem Prediger gedroht, ihn von der Kanzel zu werfen. Sie wurden daher einige Tage im Nürnberger Lochgefängnis eingesperrt.<ref>Pfeiffer, Gerhard: Quellen zur Nürnberger Reformationsgeschichte (Nürnberg 1968), Ratsverlässe Nr. 86, 87, 91 und 101; Vogler, Günter: Nürnberg 1524/25. Studien zur Geschichte der reformatorischen und sozialen Bewegung in der Reichsstadt (Berlin 1982), S. 119, 124ff.</ref>  
 
Im Bauernkrieg im Jahr [[1525]], kam es im Gegensatz zu einigen umliegenden Dörfern, z. B. [[Poppenreuth]], nicht zu Aufständen oder der Bildung von bewaffneten Bauernhaufen. Allerdings hatten sich bereits im Jahr zuvor etliche Dorfgemeinden im Norden und Westen von Nürnberg vor allem wegen der Belastung durch den Zehnten beschwert, darunter auch Vach. Mehrere Bauern verweigerten im Juli [[1524]] die Abgabe, einer habe sogar dem Prediger gedroht, ihn von der Kanzel zu werfen. Sie wurden daher einige Tage im Nürnberger Lochgefängnis eingesperrt.<ref>Pfeiffer, Gerhard: Quellen zur Nürnberger Reformationsgeschichte (Nürnberg 1968), Ratsverlässe Nr. 86, 87, 91 und 101; Vogler, Günter: Nürnberg 1524/25. Studien zur Geschichte der reformatorischen und sozialen Bewegung in der Reichsstadt (Berlin 1982), S. 119, 124ff.</ref>  
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Unter Markgraf [[Georg der Fromme|Georg dem Frommen]], der nicht nur die Hochgerichtsbarkeit, sondern auch die Kirchenherrschaft innehatte, wird Vach [[1528]] evangelisch. Damit setzte sich hier die Reformation etwas später als im benachbarten Nürnberger Landgebiet durch. Auch außerhalb der Kirche wurde das Zusammenleben im Dorf neu geregelt. Die älteste Gemeindeordnung stammt aus dem Jahr [[1549]]; sie wurde [[1552]], [[1582]], [[1600]] und [[1660]] noch mehrmals ergänzt bzw. erneuert.<ref>Großner, Rudolf: Vach im Spiegel von Jahrhunderten (Vach 1978), S. 25-29; Richter, Helmut: Die Vacher Gemeindeordnung von 1660, publiziert aus Anlass der Auffindung des Vacher Gemeindearchivs 1997. In: FH 48 (1998), S. 73-88</ref> Sie regelte u. a. die Bestimmung der drei Dorfgemeiner, wovon einer ein markgräflicher, die beiden anderen Nürnbergische sein mussten. Auch war geregelt, wer wie viele Steuern zu zahlen hatte und wie viel Vieh gehalten werden durfte, denn die Vacher Gemeinde besaß nur wenig Viehweide.<ref>{{BuchQuelle|Durch Fürth geführt - Band 2 (Buch)|Seite=115}}</ref>
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Unter Markgraf [[Georg der Fromme|Georg dem Frommen]], der nicht nur die Hochgerichtsbarkeit, sondern auch die Kirchenherrschaft innehatte, wird Vach [[1528]] evangelisch. Damit setzte sich hier die [[Reformation]] etwas später als im benachbarten Nürnberger Landgebiet durch. Auch außerhalb der Kirche wurde das Zusammenleben im Dorf neu geregelt. Die älteste Gemeindeordnung stammt aus dem Jahr [[1549]]; sie wurde [[1552]], [[1582]], [[1600]] und [[1660]] noch mehrmals ergänzt bzw. erneuert.<ref>Großner, Rudolf: Vach im Spiegel von Jahrhunderten (Vach 1978), S. 25-29; Richter, Helmut: Die Vacher Gemeindeordnung von 1660, publiziert aus Anlass der Auffindung des Vacher Gemeindearchivs 1997. In: FH 48 (1998), S. 73-88</ref> Sie regelte u. a. die Bestimmung der drei Dorfgemeiner, wovon einer ein markgräflicher, die beiden anderen Nürnbergische sein mussten. Auch war geregelt, wer wie viele Steuern zu zahlen hatte und wie viel Vieh gehalten werden durfte, denn die Vacher Gemeinde besaß nur wenig Viehweide.<ref>{{BuchQuelle|Durch Fürth geführt - Band 2 (Buch)|Seite=115}}</ref>
    
Der [[Zweiter Markgrafenkrieg|Zweite Markgrafenkrieg]] brachte [[1552]] erneut ein Inferno für das Dorf und die Zerstörung der Kirche. Obwohl Vach den Markgrafen kirchlich und hochgerichtlich dem Markgrafen unterstand, zerstörten diese ihr eigenes Dorf, waren doch die meisten Einwohner grundherrlich Nürnberg untertan. Damit sollte den Nürnbergern wirtschaftlicher Schaden zugefügt werden. Der [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährige Krieg]] machte sich hierzulande lange Zeit nur in Einquartierungen und Truppendurchzügen bemerkbar, die allerdings oft genug mit Plünderungen verbunden waren. Doch konnten die Vacher noch [[1627]] ein neues Schulhaus bauen, das [[1721]] durch einen Neubau ersetzt wurde.<ref>Zum Schulhaus vgl. PfA Vach A 101, Bl. 15v und A 26, Bl. 95v/96 (1627); der Neubau von 1721 erwähnt in A 31, Bl. 179v</ref> Die schlimmste Zeit begann im Herbst [[1631]], nachdem König [[Gustav Adolf]] von Schweden den bedrängten Protestanten zu Hilfe gekommen war. Im Sommer [[1632]] trafen die feindlichen Heere bei Nürnberg aufeinander. Fürth und etliche umliegenden Ortschaften brannten. Ein großer Teil der Landbevölkerung musste immer wieder hinter die eilends angelegte, weiträumige Befestigung der Reichsstadt flüchten und viele fielen Seuchen zum Opfer. [[1633]]/34 schlug vor allem die Besatzung der Festung Forchheim mit ihren Streifzügen bis vor die Tore Nürnbergs eine Schneise der Verwüstung. Vach blieb von diesen Schrecken des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieges]] nicht verschont, über 200 Menschen fielen ihm zum Opfer. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis die Bevölkerungsverluste wieder einigermaßen ausgeglichen waren. Dazu trugen nicht zuletzt die vielen Exulanten aus Österreich bei. Immerhin hatten einige Gebäude den Krieg überdauert, z.B. die Kirche, das Pfarr- und das Schulhaus sowie der Herrensitz Burgstall im Lohe.  
 
Der [[Zweiter Markgrafenkrieg|Zweite Markgrafenkrieg]] brachte [[1552]] erneut ein Inferno für das Dorf und die Zerstörung der Kirche. Obwohl Vach den Markgrafen kirchlich und hochgerichtlich dem Markgrafen unterstand, zerstörten diese ihr eigenes Dorf, waren doch die meisten Einwohner grundherrlich Nürnberg untertan. Damit sollte den Nürnbergern wirtschaftlicher Schaden zugefügt werden. Der [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährige Krieg]] machte sich hierzulande lange Zeit nur in Einquartierungen und Truppendurchzügen bemerkbar, die allerdings oft genug mit Plünderungen verbunden waren. Doch konnten die Vacher noch [[1627]] ein neues Schulhaus bauen, das [[1721]] durch einen Neubau ersetzt wurde.<ref>Zum Schulhaus vgl. PfA Vach A 101, Bl. 15v und A 26, Bl. 95v/96 (1627); der Neubau von 1721 erwähnt in A 31, Bl. 179v</ref> Die schlimmste Zeit begann im Herbst [[1631]], nachdem König [[Gustav Adolf]] von Schweden den bedrängten Protestanten zu Hilfe gekommen war. Im Sommer [[1632]] trafen die feindlichen Heere bei Nürnberg aufeinander. Fürth und etliche umliegenden Ortschaften brannten. Ein großer Teil der Landbevölkerung musste immer wieder hinter die eilends angelegte, weiträumige Befestigung der Reichsstadt flüchten und viele fielen Seuchen zum Opfer. [[1633]]/34 schlug vor allem die Besatzung der Festung Forchheim mit ihren Streifzügen bis vor die Tore Nürnbergs eine Schneise der Verwüstung. Vach blieb von diesen Schrecken des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieges]] nicht verschont, über 200 Menschen fielen ihm zum Opfer. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis die Bevölkerungsverluste wieder einigermaßen ausgeglichen waren. Dazu trugen nicht zuletzt die vielen Exulanten aus Österreich bei. Immerhin hatten einige Gebäude den Krieg überdauert, z.B. die Kirche, das Pfarr- und das Schulhaus sowie der Herrensitz Burgstall im Lohe.  
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[[Bild:ANONYM NorK6094-95 Vach-a.jpg|mini|right|Gefecht bei Vach vom 18. bis 25. Dezember 1800]]
 
[[Bild:ANONYM NorK6094-95 Vach-a.jpg|mini|right|Gefecht bei Vach vom 18. bis 25. Dezember 1800]]
Dann wurde der Ort wegen seiner strategischen Lage an der Regnitz wieder zum Schauplatz von Kampfhandlungen. Während des [[Siebenjähriger Krieg|Siebenjährigen Kriegs]] kam es am 9. und [[10. Juni]] [[1757]] beim Vorstoß des preußischen Freibataillons des Obristen [[wikipedia:Johann von Mayr|von Mayr]] zu einem Gefecht an der [[Vacher Regnitzbrücke|Regnitzbrücke]], die dabei abbrannte. [[1761]] ließ Markgraf [[Christian Friedrich Carl Alexander]] von Ansbach von seinem Baumeister ''Johann David Steingruber'' eine neue, steinerne Brücke bauen. Nach seinem Rücktritt kam Vach, wie auch Fürth, [[1792]] an Preußen. Im [[wikipedia:Zweiter Koalitionskrieg|Zweiten Koalitionskrieg]] kam es [[1796]] zur ersten Einquartierung französischer Truppen in Vach. Gleichzeitig wurde eine Viehseuche eingeschleppt, der in Vach 300 Stück Vieh zum Opfer fielen. Im Dezember [[1800]] rückten die Franzosen erneut ein, während die Österreicher bei [[Stadeln]] und [[Mannhof]] lagen. Wie schon 1757 kam es zu einem heftigen Gefecht um die Brücke, mehrere Gebäude in Vach gingen in Flammen auf.<ref>Jakob, Andreas: Unter dem Schatten der Heerstraße. Erlanger Kriegs- und Militärgeschichte vom Spanischen Erbfolgekrieg bis zum Wiener Kongress. In: EB 52 (2008), S. 71-126, hier S. 92 ff., 102 ff.</ref> Vom 18. bis [[25. Dezember]] [[1800]] kam es vor Ort zu Gefechten, nachdem sich die Franzosen und die mit ihnen verbündete Niederländer zum Rückzug genötigt gesehen und hinter das linke Regnitzufer zurückgezogen hatten.
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Dann wurde der Ort wegen seiner strategischen Lage an der Regnitz wieder zum Schauplatz von Kampfhandlungen. Während des [[Siebenjähriger Krieg|Siebenjährigen Kriegs]] kam es am 9. und [[10. Juni]] [[1757]] beim Vorstoß des preußischen Freibataillons des Obristen [[wikipedia:Johann von Mayr|von Mayr]] zu einem Gefecht an der [[Vacher Regnitzbrücke|Regnitzbrücke]], die dabei abbrannte. [[1761]] ließ Markgraf [[Christian Friedrich Carl Alexander]] von Ansbach von seinem Baumeister ''Johann David Steingruber'' eine neue, steinerne Brücke bauen. Nach seinem Rücktritt kam Vach, wie auch Fürth, [[1792]] an Preußen. Im [[wikipedia:Zweiter Koalitionskrieg|Zweiten Koalitionskrieg]] kam es [[1796]] zur ersten Einquartierung französischer Truppen in Vach. Gleichzeitig wurde eine Viehseuche eingeschleppt, der in Vach 300 Stück Vieh zum Opfer fielen. Im Dezember [[1800]] rückten die Franzosen erneut ein, während die Österreicher bei [[Stadeln]] und [[Mannhof]] lagen. Wie schon 1757 kam es zu einem heftigen Gefecht um die Brücke, mehrere Gebäude in Vach gingen in Flammen auf.<ref>Jakob, Andreas: Unter dem Schatten der Heerstraße. Erlanger Kriegs- und Militärgeschichte vom Spanischen Erbfolgekrieg bis zum Wiener Kongress. In: Erlanger Bausteine 52 (2008), S. 71-126, hier S. 92 ff., 102 ff.</ref> Vom 18. bis [[25. Dezember]] [[1800]] kam es vor Ort zu Gefechten, nachdem sich die Franzosen und die mit ihnen verbündete Niederländer zum Rückzug genötigt gesehen und hinter das linke Regnitzufer zurückgezogen hatten. [[1806]] die Besatzungskosten für Vach mit Flexdorf und Ritzmannshof betragen 31.000 Gulden. [[1807]] Vach wieder von französischen Truppen besetzt.  <ref>  Aufzeichnungen 2001 von Georg Mehl Mannhof </ref>
 
   
 
   
Um [[1790]] bestand Vach aus etwa 90 Anwesen. Für diese waren nicht weniger als 20 verschiedene Grundherrschaften zuständig, die nicht nur die Grundabgaben erhoben, sondern auch die erste Gerichtsinstanz waren. [[1806]] trat das [[Königreich Preußen]] das Fürstentum Ansbach und damit auch Vach an Bayern ab. Das [[Königreich Bayern]] begann sogleich, die Behörden neu zu organisieren. Vach wurde [[1808]] dem Landgericht Nürnberg zugeteilt, das für die Verwaltung und Justiz zuständig war. Daneben galten allerdings die, wenn auch eingeschränkten, Gerichtsrechte des Adels weiter; noch [[1830]] unterstanden fast ein Fünftel der Vacher Familien sechs verschiedenen Patrimonialgerichten! Für die Erhebung der Steuern und Abgaben wurde das [[Finanzamt|Rentamt]] Fürth zuständig, der Vorläufer des Finanzamtes.<ref>Hofmann, Hanns Hubert: Nürnberg-Fürth. Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken, Heft 4 (München 1954), S. 164 und 234</ref> Ungeachtet aller Schwierigkeiten wurde [[1811]]/12 das baufällige Pfarrhaus durch einen Neubau ersetzt und im Jahr [[1813]] wurden die Straßen gepflastert sowie der Friedhof von der Kirche weg an die heutige Stelle verlegt. Im Jahr darauf, [[1814]], wird eine Landwehr errichtet, bei der jeder Haus- und Güterbesitzer im Alter zwischen 20 und 60 Jahren dienstpflichtig war.  [[1816]] führten katastrophale Wetterverhältnisse zu erheblichen Ernteausfällen und in der Folge zu einer Teuerung und Hungersnot. [[1824]] zählte Vach 104 Häuser mit 740 Einwohnern.<ref>Hofmann, Hanns Hubert: Nürnberg-Fürth. Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken, Heft 4 (München 1954), S. 164 und 234</ref>  
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Um [[1790]] bestand Vach aus etwa 90 Anwesen. Für diese waren nicht weniger als 20 verschiedene Grundherrschaften zuständig, die nicht nur die Grundabgaben erhoben, sondern auch die erste Gerichtsinstanz waren. [[1806]] trat das [[Königreich Preußen]] das Fürstentum Ansbach und damit auch Vach an Bayern ab. Das [[Königreich Bayern]] begann sogleich, die Behörden neu zu organisieren. Vach wurde [[1808]] dem Landgericht Nürnberg zugeteilt, das für die Verwaltung und Justiz zuständig war. Daneben galten allerdings die, wenn auch eingeschränkten, Gerichtsrechte des Adels weiter; noch [[1830]] unterstanden fast ein Fünftel der Vacher Familien sechs verschiedenen Patrimonialgerichten! Für die Erhebung der Steuern und Abgaben wurde das [[Finanzamt|Rentamt]] Fürth zuständig, der Vorläufer des Finanzamtes.<ref>Hofmann, Hanns Hubert: Nürnberg-Fürth. Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken, Heft 4 (München 1954), S. 164 und 234</ref> Ungeachtet aller Schwierigkeiten wurde [[1811]]/12 das baufällige Pfarrhaus durch einen Neubau ersetzt und im Jahr [[1813]] wurden die Straßen gepflastert sowie der Friedhof von der Kirche weg an die heutige Stelle verlegt. Im Jahr darauf, [[1814]], wird eine Landwehr errichtet, bei der jeder Haus- und Güterbesitzer im Alter zwischen 20 und 60 Jahren dienstpflichtig war.  [[1814]]/15 Einquartierung russischer Truppen. [[1800]]/22 Alle Einquartierungskosten dieses Zeitraumes betrugen 160.360 Gulden.  [[1816]] führten katastrophale Wetterverhältnisse zu erheblichen Ernteausfällen und in der Folge zu einer Teuerung und Hungersnot. [[1820]] kostet ein Scheffel Weizen 15-19 Gulden, 1 Maß braunes Sommerbier kostet 4 3/4 Kreuzer, 1 Pfund Rindfleisch kostet 7 1/2 Kreuzer, 1 Pfund Schweinefleisch kostet 9 1/2 Kreuzer. [[1822]] Der Turm der Pfarrkirche wird repariert und kostet 180 Gulden.  <ref> Aufzeichnungen 2001 von Georg Mehl Mannhof</ref>  [[1824]] zählte Vach 104 Häuser mit 740 Einwohnern.<ref>Hofmann, Hanns Hubert: Nürnberg-Fürth. Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken, Heft 4 (München 1954), S. 164 und 234</ref> [[1826]] gibt es "2 Bräuhäuser, 1 Mahlmühle, 1 Glasfabrik und 46 Anspannbesitzer".<ref>Königlich Bayerisches Intelligenzblatt für den Rezat-Kreis vom 6. September 1826</ref>
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Am [[27. Mai]] [[1832]] wurde in Vach eine große Volksversammlung gehalten. Die Ansprachen hielten Pfarrer Johann Ludwig Beck von Burgfarrnbach sowie zwei Erlanger Studenten, August Craemer und Karl Heinrich Hagen. Beide waren revolutionär eingestellt: Craemer nahm 1833 am missglückten Frankfurter Wachensturm teil, kam dafür 6 Jahre in Haft und wanderte 1845 nach Amerika aus; Hagen wurde 1848 Abgeordneter der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche und gehörte dort der äußersten Linken an.<ref>Reichold, Hartmut: Das Vacher Volksfest am 27. Mai 1832. In: EB 30 (1983), S. 195-204</ref> Auch am [[27. August]] [[1848]] fand auf [[Georg Leonhard Reuthner|Reuthners]] Felsenkeller in Vach eine große demokratische Volksversammlung mit angeblich 5.000 Teilnehmern statt.<ref>[[Land-Chronik (Buch)|Land-Chronik]], Fürth 1892, S. 13</ref> [[1862]] wurden Justiz und Verwaltung getrennt; für Vach waren jetzt das [[Amtsgericht]] und das Bezirksamt (seit [[1939]] [[Landratsamt]]) Fürth zuständig. Die Kriege von [[1866]] und [[1870]]/71 gingen vergleichsweise glimpflich vorüber, für den 1870 vermissten Soldaten Friedrich Schuster wurde [[1889]] eine Gedenktafel in der Kirche enthüllt.  
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Am 7. März [[1832]] wurde in Vach ein großes Bürgerfest zu Ehren des Vacher Landtags-Abgeordneten [[Georg Leonhard Reuthner]]<ref>"Der Friedens- u. Kriegs-Kurier" vom 11. März 1832</ref> und (?) am [[27. Mai]] [[1832]] eine große Volksversammlung abgehalten. Die Ansprachen hielten (jeweils?) Pfarrer Johann Ludwig Beck von Burgfarrnbach sowie zwei Erlanger Studenten, August Craemer und Karl Heinrich Hagen. Beide waren revolutionär eingestellt: Craemer nahm 1833 am missglückten Frankfurter Wachensturm teil, kam dafür 6 Jahre in Haft und wanderte 1845 nach Amerika aus; Hagen wurde 1848 Abgeordneter der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche und gehörte dort der äußersten Linken an.<ref>Reichold, Hartmut: Das Vacher Volksfest am 27. Mai 1832. In: Erlanger Bausteine 30 (1983), S. 195-204</ref> Auch am [[27. August]] [[1848]] fand auf [[Georg Leonhard Reuthner|Reuthners]] Felsenkeller in Vach eine große demokratische Volksversammlung mit angeblich 5.000 Teilnehmern statt. Auf dieser Versammlung wurden mehrere Beschlüsse gefasst, u. a. für eine Protestnote an die Nationnalversammlung, für ein Misstrauensvotum gegen das bayerische Ministerium sowie für einen Antrag auf Trennung von Schule und Kirche.<ref>[[Land-Chronik (Buch)|Land-Chronik]], Fürth 1892, S. 13 und Mittelfränkische Zeitung für Recht, Freiheit und Vaterland vom 29. August 1848</ref> [[1862]] wurden Justiz und Verwaltung getrennt; für Vach waren jetzt das [[Amtsgericht]] und das Bezirksamt (seit [[1939]] [[Landratsamt]]) Fürth zuständig. Die Kriege von [[1866]] und [[1870]]/71 gingen vergleichsweise glimpflich vorüber, für den 1870 vermissten Soldaten Friedrich Schuster wurde [[1889]] eine Gedenktafel in der Kirche enthüllt.  
    
Im Ort gab es Dampfziegeleien und seit [[1873]] die bekannte [[Dornbräu Vach|Brauerei]] der Familie Dorn, die aber seit 1996 nicht mehr besteht, deren Gebäude aber für Wohnraum umgenutzt wurden. Ein beliebtes Ausflugsziel für die städtische Nachbarschaft war früher der Dorn'sche Felsenkeller (kleines Waldgebiet am heutigen [[Malvenweg]]).<ref>Baumriesen mussten weichen – Linden und Eichen spendeten schon im letzten Jahrhundert im Vacher Biergarten Schatten. In: Fürther Nachrichten vom 17.10.1992</ref>
 
Im Ort gab es Dampfziegeleien und seit [[1873]] die bekannte [[Dornbräu Vach|Brauerei]] der Familie Dorn, die aber seit 1996 nicht mehr besteht, deren Gebäude aber für Wohnraum umgenutzt wurden. Ein beliebtes Ausflugsziel für die städtische Nachbarschaft war früher der Dorn'sche Felsenkeller (kleines Waldgebiet am heutigen [[Malvenweg]]).<ref>Baumriesen mussten weichen – Linden und Eichen spendeten schon im letzten Jahrhundert im Vacher Biergarten Schatten. In: Fürther Nachrichten vom 17.10.1992</ref>
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Als [[1876]] die [[Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg|Bahnlinie Nürnberg – Bamberg]], die bis dahin direkt über Doos und [[Poppenreuth]] nach Norden verlaufen war, über Fürth geführt wurde, erhielt Vach eine eigene Station. Der [[Bahnhof Vach]] wurde 1876 kurioserweise auf Stadelner und Mannhofer Gebiet eröffnet, zusätzlich mit einem großen Lagerhaus für die [[Kunstmühle Vach]]. ''Die Entfernung zum Ort beträgt "ein halbe Stunde"'' (so in der Beschreibung von [[1928]]).<ref>Vach bei Fürth. In: Fürther Tagblatt vom 23.11.1928 (Zeitgeschichtliche Sammlung im Stadtarchiv Fürth)</ref> Nach [[Stadeln]] sind es nur ein paar Minuten vom Bahnhof aus. In einem [[Bahnhof_Vach#/media/File:Bahnhof_Vach_1936_60_Jahre.jpg|Zeitungsausschnitt]] vom [[31. Juli]] [[1936]] zur 60 Jahr Feier des [[Bahnhof Vach]] findet sich ein Spottgedicht, da bei der Eröffnung überhaupt keine Straßenverbindung zwischen Vach bzw. [[Mannhof]] und dem Bahnhof bestand. Die Straße an der [[Herz-Jesu-Kirche|Mannhofer Kirche]] vorbei wurde erst [[1877]] immerhin als "Verbindungsstraße 1. Klasse" für 6.637 Mark gebaut. Der Transport von Kohle verbilligte sich nun erheblich, so dass schon [[1879]] Ziegelei und Brauerei auf Dampfbetrieb umgestellt werden konnten. Zu den Bauern und Handwerkern, die seit jeher das Bild bestimmt hatten, trat nun eine wachsende Arbeiterschaft, wozu auch die neben der Mühle angelegte Glasschleiferei mit Polierwerk beitrug. 1877 hatte man zudem eine Straßenbeleuchtung mit Petroleumlampen eingeführt und im Bahnhof eine Postagentur errichtet, eine weitere mit dem Poststempel "Vach 1" im Ort selbst kam [[1905]] dazu. Die Agentur im Bahnhof erhielt die Unterscheidungsziffer "2". Auch die Steinbrücke von 1761 bedurfte einer Erneuerung. Sie wurde [[1904]] durch eine moderne Eisenkonstruktion ersetzt. Der Anschluss an das Stromnetz erfolgte [[1910]]. Auch das Vereinsleben blühte auf; hier sei nur die Gründung der [[Freiwillige Feuerwehr Vach|Freiwilligen Feuerwehr]] im Jahr [[1885]] erwähnt.<ref>[[Land-Chronik (Buch)|Land-Chronik]], Fürth 1892, S. 14ff, 22f; Großner, Rudolf: Vach im Spiegel von Jahrhunderten (Vach 1978), S. 44f</ref>
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Als [[1876]] die [[Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg|Bahnlinie Nürnberg – Bamberg]], die bis dahin direkt über Doos und [[Poppenreuth]] nach Norden verlaufen war, über Fürth geführt wurde, erhielt Vach eine eigene Station. Der [[Bahnhof Vach]] wurde 1876 kurioserweise auf Stadelner und Mannhofer Gebiet eröffnet, zusätzlich mit einem großen Lagerhaus für die [[Kunstmühle Vach]]. ''Die Entfernung zum Ort beträgt "ein halbe Stunde"'' (so in der Beschreibung von [[1928]]).<ref>Vach bei Fürth. In: Fürther Tagblatt vom 23.11.1928 (Zeitgeschichtliche Sammlung im Stadtarchiv Fürth)</ref> Nach [[Stadeln]] sind es nur ein paar Minuten vom Bahnhof aus. In einem [[Bahnhof_Vach#/media/File:Bahnhof_Vach_1936_60_Jahre.jpg|Zeitungsausschnitt]] vom [[31. Juli]] [[1936]] zur 60 Jahr Feier des [[Bahnhof Vach]] findet sich ein Spottgedicht, da bei der Eröffnung überhaupt keine Straßenverbindung zwischen Vach bzw. [[Mannhof]] und dem Bahnhof bestand. Die Straße an der [[Herz-Jesu-Kirche|Mannhofer Kirche]] vorbei wurde erst [[1877]] immerhin als "Verbindungsstraße 1. Klasse" für 6.637 Mark gebaut. Der Transport von Kohle verbilligte sich nun erheblich, so dass schon [[1879]] Ziegelei und Brauerei auf Dampfbetrieb umgestellt werden konnten. Zu den Bauern und Handwerkern, die seit jeher das Bild bestimmt hatten, trat nun eine wachsende Arbeiterschaft, wozu auch die neben der Mühle angelegte Glasschleiferei mit Polierwerk beitrug. 1877 hatte man zudem eine Straßenbeleuchtung mit Petroleumlampen eingeführt und im Bahnhof eine Postagentur errichtet, eine weitere mit dem Poststempel "Vach 1" im Ort selbst kam [[1905]] dazu. Die Agentur im Bahnhof erhielt die Unterscheidungsziffer "2". Auch die Steinbrücke von 1761 bedurfte einer Erneuerung. Sie wurde [[1904]] durch eine moderne Eisenkonstruktion ersetzt. Der Anschluss an das Stromnetz erfolgte [[1910]]. Auch das Vereinsleben blühte auf; hier sei nur die Gründung der [[Freiwillige Feuerwehr Fürth-Vach|Freiwilligen Feuerwehr]] im Jahr [[1885]] erwähnt.<ref>[[Land-Chronik (Buch)|Land-Chronik]], Fürth 1892, S. 14ff, 22f; Großner, Rudolf: Vach im Spiegel von Jahrhunderten (Vach 1978), S. 44f</ref>  [[1905]] Errichtung einer Postagentur im Ort mit der Unterscheidungszahl "I" im Stempel. Gleichzeitig erhält die Postagentur im [[Bahnhof Vach]] die Unterscheidungsziffer "2". <ref>  Aufzeichnungen 2001 von Georg Mehl Mannhof </ref>
    
Im [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] war der erste Gefallene aus der Gemeinde schon im August [[1914]] zu beklagen. Die Kriegschronik des örtlichen Pfarrers verzeichnet 49 Tote und dazu 5 Katholiken, auf der Ehrentafel stehen dagegen 69 Namen und das [[Brückenstraße (Kriegerdenkmal)|Kriegerdenkmal]] der politischen Gemeinde nennt 67 Gefallene. Da Pfarrer Stahl schwer an der Grippe erkrankt war, verschob sich am Ende des Krieges der feierliche Empfang für die heimgekehrten Soldaten bis zum [[23. März]] [[1919]].<ref>Vgl. PfA Vach, A 103 Kriegschronik 1914-1918 (mit biograpischen Angaben zu den Gefallenen)</ref> In den folgenden Jahren ging es nur langsam wieder aufwärts. Allerdings konnte die Infrastruktur deutlich verbessert werden. So wurden [[1923]] im Ort selbst und am Bahnhof Einsteigemöglichkeiten für den Postbus-Verkehr geschaffen, [[1928]] wurde ein Hochwassersteg über den [[Talübergang Brückenstraße|Talübergang]] zwischen Vach und Mannhof gebaut und von 1933 bis 1934 erfolgte die Teilkanalisierung.
 
Im [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] war der erste Gefallene aus der Gemeinde schon im August [[1914]] zu beklagen. Die Kriegschronik des örtlichen Pfarrers verzeichnet 49 Tote und dazu 5 Katholiken, auf der Ehrentafel stehen dagegen 69 Namen und das [[Brückenstraße (Kriegerdenkmal)|Kriegerdenkmal]] der politischen Gemeinde nennt 67 Gefallene. Da Pfarrer Stahl schwer an der Grippe erkrankt war, verschob sich am Ende des Krieges der feierliche Empfang für die heimgekehrten Soldaten bis zum [[23. März]] [[1919]].<ref>Vgl. PfA Vach, A 103 Kriegschronik 1914-1918 (mit biograpischen Angaben zu den Gefallenen)</ref> In den folgenden Jahren ging es nur langsam wieder aufwärts. Allerdings konnte die Infrastruktur deutlich verbessert werden. So wurden [[1923]] im Ort selbst und am Bahnhof Einsteigemöglichkeiten für den Postbus-Verkehr geschaffen, [[1928]] wurde ein Hochwassersteg über den [[Talübergang Brückenstraße|Talübergang]] zwischen Vach und Mannhof gebaut und von 1933 bis 1934 erfolgte die Teilkanalisierung.
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Im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] hatte Vach 68 Gefallene und 77 Vermisste zu beklagen. Bei den Luftangriffen ab [[1943]] kam Vach dagegen vergleichsweise glimpflich davon, es gibt jedoch Bilder eines ausgebrannten Gehöftes, die Scheunen der Familien Rösch, Baumann und Eisermann wurden zerstört. Größere Schäden hatte dagegen der Nachbarort Mannhof zu verzeichnen. Mit dem Einmarsch der [[US Army|Amerikaner]] am [[17. April]] [[1945]] war für Vach der Krieg vorbei; tags zuvor war jedoch noch die Regnitzbrücke gesprengt worden. Sie konnte erst 1956 durch eine Spannbetonbrücke ersetzt werden.
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Im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] hatte Vach 68 Gefallene und 77 Vermisste zu beklagen. Bei den Luftangriffen ab [[1943]] kam Vach dagegen vergleichsweise glimpflich davon, es gibt jedoch Bilder eines ausgebrannten Gehöftes, die Scheunen der Familien Rösch, Baumann und Eisermann wurden zerstört. Größere Schäden hatte dagegen der Nachbarort Mannhof zu verzeichnen. Mit dem Einmarsch der [[U.S. Army|Amerikaner]] am [[17. April]] [[1945]] war für Vach der Krieg vorbei; tags zuvor war jedoch noch die Regnitzbrücke gesprengt worden. Sie konnte erst 1956 durch eine Spannbetonbrücke ersetzt werden.
 
   
 
   
Nach dem Krieg wuchs die Bevölkerung durch den Zuzug von [[wikipedia:Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950|Flüchtlingen und Vertriebenen]] stark an, auch die Konfessionsverhältnisse verschoben sich. [[1950]] hatte Vach 230 Häuser mit 1.991 Einwohnern, bei der Eingemeindung nach Fürth im Jahr [[1972]] waren es bereits 2.457.<ref>Ohm, Barbara: Fürth. Geschichte einer Stadt (Fürth 2007), S. 345f</ref> Um 2010 lebten in Vach rund 3.500 Menschen. Am [[1. Dezember]] [[1945]] wurde der ''Allgemeine Sportverein Vach-Stadeln'' [[ASV Vach|ASV]] mit Vereinssitz in Vach und mit dem Sportgelände in [[Mannhof]] gegründet. [[1971]] soll es noch rund 40 landwirtschaftliche Voll- und Nebenerwerbsbetriebe und rund 600 gewerbliche oder industrielle Arbeitsplätze gegeben haben. Zwar pendelten mehrere hundert Personen zur Arbeit aus, mehr als 100 aber auch ein.<ref>Entwicklungsplan der Gemeinde ein „Bekenntnis“ zum Großraum. In: Fürther Nachrichten vom 11.12.1971</ref>
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Nach dem Krieg wuchs die Bevölkerung durch den Zuzug von [[wikipedia:Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950|Flüchtlingen und Vertriebenen]] stark an, auch die Konfessionsverhältnisse verschoben sich. [[1950]] hatte Vach 230 Häuser mit 1.991 Einwohnern, bei der Eingemeindung nach Fürth im Jahr [[1972]] waren es bereits 2.457.<ref>Ohm, Barbara: Fürth. Geschichte einer Stadt (Fürth 2007), S. 345f</ref> Um 2010 lebten in Vach rund 3.500 Menschen. Am [[1. Dezember]] [[1945]] wurde der ''Allgemeine Sportverein Vach-Stadeln'' [[ASV Vach|ASV]] mit Vereinssitz in Vach und mit dem Sportgelände in [[Mannhof]] gegründet. [[1971]] soll es noch rund 40 landwirtschaftliche Voll- und Nebenerwerbsbetriebe und rund 600 gewerbliche oder industrielle Arbeitsplätze gegeben haben. Zwar pendelten mehrere hundert Personen zur Arbeit aus, mehr als 100 aber auch ein.<ref>Entwicklungsplan der Gemeinde ein „Bekenntnis“ zum Großraum. In: Fürther Nachrichten vom 11.12.1971</ref>
 
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===Vacher Bilder-Album von Wilhelm Leibenzeder===
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Ein Dorfbuch mit Bildern und sehr amüsanten, gereimten Erläuterungen aus 1943 (29 Seiten).
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Kopien mit einer Transkription der Texte in der deutschen Schreibschrift wurden zur Verfügung gestellt von Gerhard Seegel, Vach.
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Die Zusammenstellung der Bilder und die Texte zeigen viel Sachkunde, Reimkunst und die Liebe zur Heimat.
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Peter Frank, April 2022.
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Vorwort:
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Dies´ Buch mit Bildern kunterbunt, – erzählt von froher Wanderschau.
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Doch nicht durch weites Erdenrund, nur durch der Heimat stillem Gau.
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Ohn´ Anspruch auf Vollkommenheit – Ist hier gesammelt, was sich fand.
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Wenn´s nicht gefällt – es tut mir leid – Verfasser ist nur Dilettant!
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01) Zur Eisenbahn und dem Bahnhof:
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Anhebt die Fahrt – drum Platz genommen!
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Doch – kaum gedacht – schon angekommen.
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Ein Pfiff, ein Ruck! – welch Ungemach! Ja, lieber Freund, wir sind in Vach.
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Doch erst am Bahnhof, nicht im Ort; ein halbes Stündchen ist´s bis dort.
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02) Zur Kirche in Mannhof und dem See unterhalb im Tal:
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Nur frisch voran! – Gleich ist´s erreicht, hier Mannhofs Kirche sich schon zeigt.
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Doch wenn durchschritten du den Ort, zieh kecken Mut´s nicht eilends fort.
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Halt kurz hier an! – Nach links geblickt, ob Mannhofs See dich nicht entzückt.
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03) Zur Brücke und den ersten Vacher Häusern:
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Nun ist´s geschafft – wir sind am Ziel! Hier vor uns liegt schon Brück und Mühl.
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Bevor jedoch dein Fuß nunmehr den Ort betritt von Osten her,
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rasch ein paar Schritte südwärts geh´, die Brücke dir von dort beseh´!
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04) Zu den Fluss-Übergängen und dem Spruchband über dem Weg „Willkommen zur Vacher Kirchweih“:
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Jetzt aber komm und mach voran, damit ich Vach dir zeigen kann.
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Doch schau! – Du kommst zu rechter Stund,
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lies nur, was dieser Spruch tut kund.
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Allein, bevor du darfst nach Vach, besteige erst das Mühlendach,
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um von dort oben rasch einmal, zu überschau´n das Regnitztal.
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Ist es nicht schön dies weite Land mit seines Flusses Silberband?
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05) Zum Bewässerungsrad im Fluss und einer Stahl-Konstruktion an gleicher Stelle:
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Bedauerlich ist freilich sehr, dass um die Mühle immer mehr
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sie weichen müssen neu´rer Zeit. Dies Bild aus Vachs Vergangenheit
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mit dem der Gegenwart vergleich, und du erkennst gewiss sogleich,
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dass „ärmer“ ist des Flusses Strand, seit man das Wasserrad verbannt´.
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06) Zu den beiden steinernen Wappen auf der Brücke und einer Karte aus früherer Zeit:
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Nun umgekehrt und aufgemacht, dorthin, wo „Willkomm“ dir gelacht.
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Doch ehe schreitest fürbaß du, beseh´ dir erst in aller Ruh,
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was auf der Brücke rechter Hand aus Vachs Geschichte wird bekannt:
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In Stein gehauen steht hier klar,
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dass Vach dereinst ansbachisch war.
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07) Zu den zwei Ortsbildern aus früherer Zeit:
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Und dass es ehedem einmal den Einwohnern zu bitt´rer Qual,
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als Schlachtfeld dienen musst´ dem „Feind“,
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aus diesem Bilde hier erscheint.
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Du möchtest wissen, wann es war? Die Inschrift nennt dir Tag und Jahr.
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[10.6.1757, Gefecht österreichischer Truppen gegen die Franzosen.]
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Ein´ andre, auch denkwürd´ge Sach´, erzählt dies Bild vom alten Vach.
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Aus welcher Zeit? – Ich weiß es nicht! – Doch ist sehr alt wohl sein Bericht;
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denn einen Schlagbaum – das ist klar – gab es vor mehr als 100 Jahr´.
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08) Zur eisernen Brücke über dem Fluss und der Ortsansicht:
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Nach dieser kleinen Lektion aus Vachs Geschichte sei nun schon
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der Zutritt endlich dir gewährt zu dieses Dorfes Stätt´ und Herd.
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Wie wird der erste Eindruck sein? Du ziehest „Unter Linden“ ein!
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Wenn du passiert hast die Allee, halt kurz dann an, nicht weiter geh´!
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Mach linksum kehrt und schau zurück, wie sich von hier aus zeigt die Brück´.
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09) Ansicht der Mühle am Fluss von gegenüber und Ortsansicht mit Spiegelung im Wasser:
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Schau auch hinüber nach der Mühl und folg der Wasser munt´rem Spiel.
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Zwar scheinen sie hier wild bewegt, Hochwasser hat sie so erregt.
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Doch wenn verlaufen sich die Flut, und sich gelegt der Wasser Wut,
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dann spiegelt friedlich sich und mild, was sich hier zeigt auf diesem Bild.
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10) Drei Orts-Ansichten:
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Doch weiter jetzt nordwärts den Blick! Vom Kirchturm winkt nun schon ein Stück;
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und auch ein Schild verkündet dir, was gleich das nächste Bild zeigt hier:
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Schulhaus und Kirche stell´n sich vor. - Die letzte freilich ohne Chor -.
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Doch nur Geduld, auch den wirst du auf nächster Seite seh´n im Nu.
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11) Kirche und Wohnhaus davor sowie eine Landkarte:
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Hier ist er schon! – Doch hergehört: Die Vacher Kirche war bewehrt;
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Zwei Scharwachttürmchen sind noch heut die Zeugen der Wehrhaftigkeit.
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Nach Osten waren sie gewandt; denn hier war offen ja das Land.
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Von hier aus kam der Feinde Schwall, darum um Kirche Wehr und Wall.
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12) Zwei Bilder von der Kirche:
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Und abermals das Gotteshaus, wie sieht es doch gleich anders aus.
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Hier üben von Nordwesten her, hier unten von Südwesten mehr.
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13) Zwei Bilder vom Kirchen-Inneren:
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Zum Abschluss aber woll´n wir nun auch einen Blick in´s Inn´re tun:
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Ein einfach Kirchlein, schlicht und klein – Wie sollte es auch anders sein!
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Auf eines aber muss ich dich aufmerksam machen sicherlich:
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Hier an des Chores glatter Wand ein Wappen ist´s von Künstlerhand.
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„Von Waldeck und von Eselsburg“. Einst zogen sie hier ihre Furch´.
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Doch nun ruht unterm Chorgestein schon längst verblichen ihr Gebein.
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14) Zwei Blicke von oben:
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Jetzt aber folg´ mir weiterhin hinauf auf uns´res Kirchturms Zinn´;
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Werf einen Blick von ungefähr hin übers Vacher „Häusermeer“.
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Hier links geht westlich deine Sicht; allein, hinreißend ist sie nicht.
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Doch hier zur Rechten seh´ dafür den Weg, der dich gebracht nach hier.
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15) Drei Ortsansichten:
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Herab doch nun aus luft´ger Höh! – Rasch in dies nahe Gäßlein seh´;
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betracht´s in Ruhe und stimm´ bei, daß es nicht bar an Reizen sei.
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16) Kriegerdenkmal, Brunnen mit Kühen davor:
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Hier aber vor dem Hause Will, steh wiederum ein Weilchen still.
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Es möchte mahnen dich dies Mal: „Denk der Gefallenen große Zahl!“
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Lies ihre Namen und verstumm´ vor Opfermut und Heldentum.
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Doch nun, mein Freund, folg weiter mir, merk auf, wohin ich dich jetzt führ´!
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Zu Ende ist die Göringstraß´, der Adolf-Hitler-Platz ist das.
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17) Zwei Bäume auf dem Platz:
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Rundum in Ruhe lass uns geh´n, von allen Seiten ihn beseh´n –
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Wirkt er nicht ruhig, friedvoll, stet durch seiner Linde Majestät?
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18) Drei Bilder vom Kirchweih-Treiben mit Bierfass-Anzapfen:
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Zieht aber ein der Kirchweih Braus, so ist´s mit seiner Ruhe aus;
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vorbei ist´s mit dem Dorfidyll, breit macht sich allerlei Zivil,
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zumal, wenn Bernets Fritz aus Fürth eröffnet mal den Kirchweihflirt.
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19) Blick durch die Straße; Brauerei-Gebäude, Reh-Bock:
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Doch wende davon nun den Blick, ihn vielmehr jetzt nach Norden schick´!
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Die Streicherstraße*) tut sich auf und zeigt dir weithin ihren Lauf.
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Welch ein „Juwel“ sich in ihr find´t, verrät dir sicher jedes Kind.
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Der „Dorn-Bräu“ ist´s wie du hier liest und es auch sonst an manchem siehst.
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Welch Nimrod sich Besitzer nennt, man aus dem Bilde hier erkennt.
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Ohn´ aller Zweifel wird hier klar und jedermann auch offenbar,
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dass er als echter Brauersmann den Bock statt brau´n auch schießen kann.
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20) Pferde und Reiter im Hof, Bilder von Störchen oben im Nest:
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Auch sonst tut manches sich bei Dorn, mal hier im Hof, mal auf dem „Schorn“.
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So zeigt z.B. alt und Jung dies Blatt hier zweifach Musterung:
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In einem Fall es Pferde sind, im anderen: „Wo fehlt ein Kind?“
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21) Straßen-Bild:
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Doch lass uns scheiden jetzt von hier, um weiterhin zu zeigen dir,
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was Vach Historisches noch birgt. – Zwar einesteils gar sehr ich fürcht´,
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dass es dich überwältigt nicht, was dir nun kommt zu Angesicht;
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doch andernteils ist´s interessant und immerhin nicht landbekannt,
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dass einst in Vach, genannt „Im Loh“ ein Wasserschloss stand irgendwo. –
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Allein, eh´ wir uns schicken an, nachdem wir hierum alles sah´n,
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dem Loh uns zuzuwenden nun, lass einen Blick uns rückwärts tun.
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Was du hier siehst, es ist nicht viel, ein anspruchsloses Dorfprofil.
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Drum umgeblättert jetzogleich und aufgemerkt, was nun ich zeig´.
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22) Straßenbild und Haus-Bild (ehemaliges Schloss):
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Hier auf dem Bilde linker Hand ein Brückenmäuerlein. Erkannt? –
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Hier schieden sich vor grauer Zeit der beiden Orte Obrigkeit.
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Der Vordergrund noch vachisch war, dahinter aber ganz und gar
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„Burgstall im Lohe“ liegt vor dir. Ich führ dich hin – komm folge mir! –
  −
Nur 13 Häuser es umfasst, am Ende aber – aufgepasst! –
  −
In altem Baumbestand versteckt. Hier rechts im Bild, wie´s heut sich zeigt,
  −
ich merk dir´s an, du bist geneigt, sein Alter nicht sehr hoch zu seh´n.
  −
Doch wirst du dich dazu versteh´n, wenn du das nächste nur erst schaust
  −
und meinen Worten voll vertraust.
  −
 
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23) Schloss (Bilder von früher):
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Schon um 1200 war´s erbaut,
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hat wohl der Dinge viel geschaut. –
  −
Als Onolzbach´sches Lehensgut
  −
mit Weinberg, Wald, mit Feld und Hut,
  −
mit Hopfen selbst zur Brauerei,
  −
mit Wasserrecht und Ziegelei
  −
ernährte es wohl standgerecht,
  −
so manches Patriziergeschlecht.
  −
An Namen tut die Chronik kund:
  −
Die Herrn von Rummel, Waldeck und
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von Meyersbach, Danngrieß und Eyb,
  −
von Held und Fuchsin, einem Weib. –
  −
Noch heute künden Mauern stark,
  −
dass es einst dieses Ortes Mark.
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Ein Zeuge der Vergangenheit
  −
bleib´ es für Vach noch lange Zeit!
  −
 
  −
24) Kirche und Marktplatz:
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Da wir am End´ von Vach und Loh
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und umkehr´n müssen sowieso,
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bist du wohl gänzlich eins mit mir,
  −
wenn ich dich andren Weg jetzt führ´.
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Statt rückwärts nun durch´s Dorf zu geh´n,
  −
sollst du´s nunmehr von außen sehn.
  −
Ich bin gewiss, dass uns´re „Welt“
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Im großen Ganzen dir gefällt.
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So ist z.B. diese Sicht auf Kirch´ und Pfarrhaus reizlos nicht.
  −
Doch jetzt lass uns mit kühnem Schwung
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vollbringen einen Riesensprung
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zum Adolf-Hitler-Platz**) zurück, er ist erreicht im Augenblick -.
  −
Kennst du ihn noch? Ist er´s fürwahr?
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Ganz anders stellt er sich doch dar!
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Er ist´s! Die Linde es beweist,
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nur, dass der Blick mehr südlich kreist.
  −
 
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25) Zwei Straßenbilder:
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Dem Blicke folgend finden wir
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uns bald in jener Straße hier,
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die Marschall Hindenburg geweiht***),
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damit ihm werd´ Unsterblichkeit.
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In ihr, abseits von Lärm und Krach,
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das Rathaus der Gemeinde Vach.
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Ihm gegenüber linker Hand,
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die „Luitpoldeiche“ einst erstand.
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Schon achtzehnhundertneunzigeins
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Ein Werk des Militärvereins.
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26) Ortsbild mit Regnitz und Straßenbild:
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Nicht weit von diesem Eichenbaum
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-der Schritte sind es hundert kaum –
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Weiß ich ein Malerfleckchen fein,
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es selbst zu seh´n lad ich dich ein.
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Du stehst vor ihm! – Ich bin gespannt,
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ob dich sein Liebreiz sichtlich bannt.
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Nicht ganz so malerisch adrett,
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doch immerhin auch noch ganz nett
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erscheint – zurückgekehrt in Eil´ -
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hier unsrer Straße oberer Teil,
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den man im ganzen Ort ringsum
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den Zipfel nennt, weiß nicht warum.
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27) Drei Straßen-Bilder:
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Im Urzeigersinn: Das ehemalige Postgäßla, die ehemalige Sommergass´
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und [mit altem Schulhaus] das Friedhofsgäßla.
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28) Luftbild, Kirchen-Aufgang, Kirchen-Inneres.
  −
29) Gebäude Brückenstraße, Straßenbild.
  −
Keine weitere Erläuterung!
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Anmerkungen
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*) Frühere Julius-Streicher-Straße = heutige Herzogenauracher Straße.
  −
**) Adolf-Hitler-Platz = heute „Am Vacher Markt“.
  −
***) Hindenburg-Straße = heute Vacher Straße.
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  −
 
  −
== Sonstiges ==
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In früheren Zeitungsartikeln war manchmal die Rede vom [[wikipedia:Flecken (Ort)|"Marktflecken"]]. Flugs legte sich Vach, obwohl nie zum [[wikipedia:Marktgemeinde|Markt]] erhoben, [[1936]] (an anderer Stelle schon 1928) dieses Prädikat zu, und führte auch ein dementsprechendes Siegel. Das wurde aber von der Regierung von Mittelfranken [[1961]] beanstandet. Es erging die Anweisung, sich nur ''Gemeinde Vach'' zu nennen. Briefbogen und Dienstsiegel mussten auf Anordnung des Innenministeriums vom [[16. April]] [[1964]] geändert werden.<ref>Artikel „Aus der Geschichte unseres Vorortes Vach“. In: Nachrichtenblatt des Stadtvereins Fürth e. V., Hardhöhe 1975, Nr. 3, S. 41 ff.</ref> Dafür bekam Vach 1967 ein eigenes Wappen. Oben ein Mühlrad und unten ein waagrechter Fisch weisen auf den zu dieser Zeit wichtigsten Betrieb und die Bedeutung des Namens Vach hin.<ref>{{BuchQuelle|Durch Fürth geführt - Band 2 (Buch)|Seite=117}}</ref>
      
== Eingemeindung ==
 
== Eingemeindung ==
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Das frühere Rathaus mit seinem Uhrentürmchen in der [[Amtsgasse]] wurde nach einer Generalsanierung im Jahr [[1997]] das Vereinsheim des [[Fischereiverein Fürth|Fischereivereins Fürth]].
 
Das frühere Rathaus mit seinem Uhrentürmchen in der [[Amtsgasse]] wurde nach einer Generalsanierung im Jahr [[1997]] das Vereinsheim des [[Fischereiverein Fürth|Fischereivereins Fürth]].
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Im Zuge der Eingemeindung kam es zu Straßenumbenennungen. So wurde u. a. die Sommerstraße in [[Rotdornstraße]] und die Gartenstraße zum [[Geranienweg]] umbenannt.
    
== Kulturelle Eigenheiten ==
 
== Kulturelle Eigenheiten ==
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== Denkmalschutz ==
 
== Denkmalschutz ==
* [[Am Vacher Markt 8]]
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* [[Am Vacher Markt 8]] ehem. Gasthaus Zur goldenen Krone
 
* [[Brückenstraße (Brücke)]]
 
* [[Brückenstraße (Brücke)]]
 
* [[Brückenstraße (Kriegerdenkmal)]]
 
* [[Brückenstraße (Kriegerdenkmal)]]
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[[Datei:Vacha Thüringen und nicht Vach.jpg|mini|rechts|Das mittelalterliche Vacha/Thüringen in der alten Schreibweise Vach, dass allerdings nichts mit dem mittelfränkischen Vach zu tun hat.]]
 
[[Datei:Vacha Thüringen und nicht Vach.jpg|mini|rechts|Das mittelalterliche Vacha/Thüringen in der alten Schreibweise Vach, dass allerdings nichts mit dem mittelfränkischen Vach zu tun hat.]]
 
Gelegentlich wird Vach mit [[wikipedia:Vacha|Vacha]] in [[wikipedia:Thüringen|Thüringen]] verwechselt, zumal Vacha im Mittelalter ebenfalls als Vach - ohne a am Ende - geschrieben wurde.
 
Gelegentlich wird Vach mit [[wikipedia:Vacha|Vacha]] in [[wikipedia:Thüringen|Thüringen]] verwechselt, zumal Vacha im Mittelalter ebenfalls als Vach - ohne a am Ende - geschrieben wurde.
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== Sonstiges ==
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In früheren Zeitungsartikeln war manchmal die Rede vom [[wikipedia:Flecken (Ort)|"Marktflecken"]]. Flugs legte sich Vach, obwohl nie zum [[wikipedia:Marktgemeinde|Markt]] erhoben, [[1936]] (an anderer Stelle schon 1928) dieses Prädikat zu, und führte auch ein dementsprechendes Siegel. Das wurde aber von der Regierung von Mittelfranken [[1961]] beanstandet. Es erging die Anweisung, sich nur ''Gemeinde Vach'' zu nennen. Briefbogen und Dienstsiegel mussten auf Anordnung des Innenministeriums vom [[16. April]] [[1964]] geändert werden.<ref>Artikel „Aus der Geschichte unseres Vorortes Vach“. In: Nachrichtenblatt des Stadtvereins Fürth e. V., Hardhöhe 1975, Nr. 3, S. 41 ff.</ref> Dafür bekam Vach 1967 ein eigenes Wappen. Oben ein Mühlrad und unten ein waagrechter Fisch weisen auf den zu dieser Zeit wichtigsten Betrieb und die Bedeutung des Namens Vach hin.<ref>{{BuchQuelle|Durch Fürth geführt - Band 2 (Buch)|Seite=117}}</ref>
    
== Literatur ==
 
== Literatur ==
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* Wilhelm Leibenzeder: [[Vacher Fotoalbum (Buch)|Vacher Fotoalbum)]], Eigenverlag, Fürth / Vach, 1943
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* [[Walter Fischer]]: ''Die Bataille bei Vach am 10. Juni 1757''. In: [[Fürther Heimatblätter]], 1977/1, 2, S. 40 - 43
 
* [[Walter Fischer]]: ''Die Bataille bei Vach am 10. Juni 1757''. In: [[Fürther Heimatblätter]], 1977/1, 2, S. 40 - 43
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* Johannes Alles: ''Modernes Wohnen im alten Vacher Sudhaus''. In: [[Fürther Nachrichten]] vom 06. Juli 2010
 
* Johannes Alles: ''Modernes Wohnen im alten Vacher Sudhaus''. In: [[Fürther Nachrichten]] vom 06. Juli 2010
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* Johannes Alles: ''Als die Kleeblattstadt sich Richtung Norden fraß''. In: Fürther Nachrichten vom 10. Juli 2012 - [http://www.nordbayern.de/region/fuerth/als-die-kleeblattstadt-sich-richtung-norden-frass-1.2195953 online abrufbar]
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* Johannes Alles: ''Als die Kleeblattstadt sich Richtung Norden fraß''. In: Fürther Nachrichten vom 10. Juli 2012 - [http://www.nordbayern.de/region/fuerth/als-die-kleeblattstadt-sich-richtung-norden-frass-1.2195953 online]
    
== Siehe auch ==
 
== Siehe auch ==
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* [[Brückenstraße (Brücke)]]
 
* [[Brückenstraße (Brücke)]]
 
* [[Eingemeindungen|Eingemeindungen nach Fürth]]
 
* [[Eingemeindungen|Eingemeindungen nach Fürth]]
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* [[Dornbräu Vach]]
    
== Weblinks ==
 
== Weblinks ==
 
* [[wikipedia:Vach (Fürth)|Vach]] (Wikipedia)
 
* [[wikipedia:Vach (Fürth)|Vach]] (Wikipedia)
 
* [[wikipedia:Liste der Baudenkmäler in Fürth-Vach|Liste der Baudenkmäler in Vach]] (Wikipedia)
 
* [[wikipedia:Liste der Baudenkmäler in Fürth-Vach|Liste der Baudenkmäler in Vach]] (Wikipedia)
* St.-Matthäus-Kirche, Vach - [http://www.kirche-vach.de im Internet]
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* St.-Matthäus-Kirche, Vach - [http://www.kirche-vach.de online]
 
* Angriff des preußischen Freikorps Mayr am 10. Juni 1757, Vach, Kupferstich - [http://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-BAR-0000000000145539 online-Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek]
 
* Angriff des preußischen Freikorps Mayr am 10. Juni 1757, Vach, Kupferstich - [http://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-BAR-0000000000145539 online-Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek]
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* Zur historischen Geologie im Bereich Vach siehe: F. Birzer: "Erläuterungen zur Geologischen Karte des Deutschen Reiches, Blatt Nr. 6431 (179)", 1940 - [https://www.bestellen.bayern.de/application/eshop_app000000?SID=1483868470&ACTIONxSESSxSHOWPIC(BILDxKEY:%2764024%27,BILDxCLASS:%27Artikel%27,BILDxTYPE:%27PDF_2%27) pdf-Datei]
    
==Einzelnachweise==
 
==Einzelnachweise==

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