Die Notwohnungen in Stadeln waren zunächst Wohnbaracken für Fremdarbeiter der Dynamit Nobel im Krieg in Stadeln bzw. wurden unmittelbar nach dem Krieg als Notwohnungen für geflüchtete Menschen aus den Ostgebieten errichtet. Davon befanden sich insgesamt drei Siedlungen in Stadeln. Nach dem Krieg wurden alle drei Barackensiedlungen im wesentlichen als Notquartiere für Flüchtlinge aus den Ostgebieten und für Sinti-Familien genutzt.

Barackensiedlungen

Alle drei Barackensiedlungen wurden während bzw. unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg mit einfachen Mitteln und ohne größere infrastrukturellen Einrichtungen errichtet. Allerdings wurde diese Baracken-Siedlungen ab 1962 durch die Bautätigkeit der Baugenossenschaft Gewo Stadeln und den Neubauten an der Westlichen Waldringstraße 26, 28/30, 32/34, 36/38 sowie an der Östlichen Waldringstraße 45/47 im laufe der Zeit nach und nach wieder abgerissen. Die ehemaligen Bewohnern konnten anschließend in die neu errichteten Wohnungen umgesiedelt werden.[1] Die damit freigewordenen Flächen wurden somit schnell neu überbaut und sind heute von diesen Nachkriegszuständen in Stadeln kaum noch zu erkennen.

Baracke Erlanger Straße

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Während und nach dem 2. Weltkrieg gab es in Stadeln drei Bracken-Siedlungen. Das größte der drei Lager lag direkt nach dem früheren schienengleichen Bahnübergang (jetzt Bahnunterführung) an der Erlanger Straße Richtung Stadeln auf der rechten Seite. Von her erstreckte sich die Baracke von der Straße bis hinter zur Bahn in den Wald. Zu dieser Zeit verlief die Bahnlinie noch ebenerdig, so dass direkt von der Straße durch eine extra Zufahrt in das Lager gelangte. Die tiefe Ausschachtung der jetzigen Unterführung kam erst viel später. Dieses Lager war mit einem hohen Zaun und Stacheldraht umgeben, dessen breites Einfahrtstor während des 2. Weltkrieges vermutlich bewacht wurde. Auf dem umzäunten Gelände stand ein sehr große Baracke, dahinter an den Bahngleisen war ein Hundezwinger.

Aber 1946 wohnte in dieser Baracke die Sinti Schausteller-Familie Paul Franz mit seiner Frau Dina. Zeitzeugen berichten, dass beim Vorbeigehen am Zaun immer wieder was zu sehen war, z.B. große Autos, oft auch in der Kirchweih-Nebensaison abgestellte Kirchweihgeräte und ähnliche interessante Sachen. Die Kinder der Großfamilie Franz wurden ebenfalls in der Stadelner Schule unterrichtet. Oft gingen die Kinder in Stadeln nur für einige Wochen in den Unterricht, ehe sie dann mit ihren Familien zur nächsten Kirchweih/ Rummel in andere Städte weiterzogen. Ein Zeitzeuge erinnerte sich an die Familien und seine Mitschüler: "Ich erinnere mich an interessante Gespräche mit einigen, vor allem wo die damals schon waren. Europaweit waren sie als Artisten u.a. unterwegs, während wir mit unseren Ausflügen mit dem Siedlerverein, beispielsweise nach Dinkelsbühl oder Bamberg, die Provinzialität unsererseits erahnen konnten."[2]

Baracke Landstraße nach Kronach

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Eine weitere große Barackensiedlung war mitten aus dem Wald während des 2. Weltkriegs herausgeschlagen worden. Diese befand sich an der Landstraße nach Kronach beim heutigen Platanenweg, nähe des ehemaligen Bahnüberganges (jetzige Theodor-Heuss-Brücke). Es waren ca. 10 Baracken, die hoch auf Steinen gebaut waren um einen sandigen Appellplatz. In der Mitte stand eine Brunnenhandpumpe, die die Wasserversorgung aller Baracken sicherstellen sollte. Nach dem Krieg wurden die Baracken über eine lange Zeit mit Flüchtlingen aus den Ostgebieten belegt, hauptsächlich aus Schlesien, da es häufig keine anderen Wohnquartiere mehr gab. Heute sind die Baracken nicht mehr vorhanden. Der Platz wurde inzwischen überbaut, so dass sich nur noch die älteren Stadelner dessen Geschichte und Existenz noch kennen.

Baracke Stadelner Hauptstraße

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Eine dritte sehr lange Baracke lag zwischen der jetzigen Waldschänke und der Firma Gmöhling. Sie erstreckte sich von der Stadelner Hauptstraße (damals Erlanger Straße) bis hinter zum Wohnblock An der Waldschänke 5. Der Barackentyp war ca. 50 Meter lang, hatte einen durchgehenden Mittelgang und rechts und links zweigten die Zimmer ab. Dieses Gebäude wurde genau so genutzt, wie die große Barackensiedlung am Kronacher Bahnübergang und war meist mit Flüchtlingen aus den Ostgebieten überbelegt.

Zeitzeugenberichte

Sinti-Lager Baracke am Bahnübergang Erlanger Straße: Nach meiner Erinnerung gab es in Stadeln mit der Ansiedlung dieser Großfamilie keinerlei Probleme. Man hörte ja was die Eltern so sprachen. Das Familienoberhaupt, Paul Franz, war ein grauhaariger Patriarch der alleine in der „Waldschänke“ eine Halbe trank, dabei seine große Pfeife rauchte und auch beim Schafkopfen als Kartelpartner gerne gesehen war. Eine sehr respektable Person in Stadeln. Die Familie und ihre Nachkommen sind bis heute mit Stadeln verbunden, was man auch unter anderen mit den prachtvollen Gräbern am Stadelner Friedhof sehen kann.

Baracken Lager am Kronacher Bahnübergang: Ein Schulkamerad wohnte hier mit 7 Geschwistern auf engsten Raum und einfachsten Bedingungen, heute nicht mehr vorstellbar.

Baracke an der Waldschänke: Beim spielen mit einem Jungen aus dieser Baracke ca. 1953 weiß ich heute noch wie er erzählte, dass er morgen mit seiner Mutter (Vater war gefallen) in die USA auswandert und er davor Angst hat. Aber seine Mutter sei über ihre jetzige Lage so verzweifelt und sah keine Zukunft, so dass sie und ihr Sohn diesen Weg gehen müssen. Denke oft an diese Begegnung zurück und hoffe, dass sie gut da drüben angekommen sind, Fuß fassten und gute Amerikaner geworden sind.[3]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Stadeln GmbH 1960 bis 1970 (Broschüre) - Fürth, Eigenverlag, 1970
  2. Zeitzeugenbericht von Benutzer Nobbi48, 28. April 2019
  3. Zeitzeugenbericht von Benutzer Nobbi48, 28. April 2019

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