Die Jahreszeit „Herbst“ war angebrochen. Die Stadt zog für den Sommer Bilanz: Im Sommerbad am Scherbsgraben wurden 1981 insgesamt 165.000 Besucher gezählt – dies war mehr als im Vorjahr, jedoch noch immer nicht genug, um eine Kostendeckung zu erreichen. Einen neuen Rekord meldete dagegen die Polizei: Im Fürther Stadtgebiet wurden in den Sommermonaten 130 Räder gestohlen – so viel wie nie zuvor. Mit einem „Gutschein für eine Altstadtbegehung“ hatte die „Bürgervereinigung Altstadtviertel St. Michael“ Bundeswohnungsbauminister Dr. Haack beglückt, der zur Freude der Organisatoren für Ende September zusagte. Im Kunstschaufenster der Commerzbank an der Rudolf-Breitscheid-Straße stellt der Maler Walter Gerstung einige seiner Bilder aus. Die FN urteilten: „Dieser Gerstung hat Witz und weiß ihn bildlich umzusetzen, er hat eigene Gedanken und versteht diese in einem sehr persönlichen, klaren und ausgereiften Zeichenstil zu Papier zu bringen.“ Freitag, 25. September 1981 Seit August 1943 war die Lehrerin Margarete Scheuerer in Fürth tätig. Jetzt wurde sie zur Rektorin an der Grundschule Friedrich-Ebert-Straße ernannt, wo sie schon seit 1947 ununterbrochen unterrichtete. Die Stadt Fürth agierte immer umweltbewusster: Für die Erwärmung des Brauchwassers im neuen Bauhof am Hafengelände entschieden sich die Stadtväter für eine 48.000 DM teure Solaranlage, wohl wissend, dass sich diese erst in 17 Jahren amortisieren würde. Der Fürther Schiffsmodellbauer Reinhard Thielsch wurde im tschechischen Jablonec Doppelweltmeister der Schiffsmodellisten. Für den komplizierten Modellbau seiner beiden Schiffe „Hammonia“ und „Garant“ im Maßstab 1:100 benötigte Thielsch mehr als 5000 Stunden Arbeitszeit. Der fingerfertige Bastler aus der Bodenbacher Straße 17 auf der Hardhöhe arbeitete hauptberuflich als Architekt. In seiner Wohnung wimmelte es von Zahnarztbohrern, Lötgeräten und dergleichen. Die genervte Ehefrau hätte gleichermaßen mindestens eine Goldmedaille verdient. Samstag, 26. September 1981 Am 8. Juni 1980 war es erstmals in Fürth zu einem freiwilligen autofreien Sonntag gekommen. Angesichts der hohen Benzinpreise war die Resonanz bemerkenswert hoch gewesen. 1981 wurde der 27. September zum autofreien Tag erklärt. Doch die Akzeptanz der Fürther hielt sich diesmal in Grenzen. Nur wenige waren bereit, auf das Fahrrad umzusteigen oder zu laufen. Die junge Generation ging mit der Stadt Fürth hart ins Gericht. Vor allem die organisierte Gewerkschaftsjugend „Die Falken“ forderte ein besseres Freizeitprogramm, ein selbstverwaltetes Jugendzentrum im Stil des Nürnberger KOMM sowie ein Musik- und Jugendhaus. Bisher hatten „Die Falken“ in einem Gebäude der Schirmstraße residiert. Dies sollte aber im Zuge der Bebauung des Geismann-Areals in den nächsten Monaten abgerissen werden. Resignation machte sich unter den Jugendlichen breit. Stadttheater Fürth: „Das Haus auf der Grenze“, Maskentheater von Mrozek (Groteska Krakau). Montag, 28. September 1981 Die „Bilka“ (= billiges Kaufhaus) Ecke Schwabacher und Maxstraße feierte ihr 25-jähriges Jubiläum. Seit 27. September 1956 bereicherte das Kaufhaus das Fürther Geschäftsleben. Damals hatte die Baufirma Schönwasser den amerikanisch anmutenden Komplex in nur 151 Tagen aus dem Boden gestampft. Während der heutige Nachfolger „Woolworth“ über ein recht schmales Angebot verfügt, bot das Berliner Kaufhaus „Bilka“ damals 20.000 Artikel des täglichen Bedarfs in 40 Fachabteilungen an. Das Restaurant im ersten Stock samt eigener Konditorei war von den Fürthern stets gut belegt. Auf dem Gelände des TV Fürth 1860 kickte am Sonntag Fußballprominenz zugunsten der „Aktion Sorgenkind“. Etwa 500 Zuschauer waren gekommen, um Hoeneß, Overath, Seeler, Emmerich und dergleichen gegen eine Altstar-Auswahl aus Nürnberg/Fürth mit Erhardt, Mai, Schneider, Appis usw. spielen zu sehen. Die heimische Auswahl verlor 2:10. Die SpVgg unterlag im Auswärtsspiel beim TSV 1860 München mit 1:3. Das Tor für Fürth erzielte Leiendecker. Damit belegte man Platz 18 der Tabelle. Dienstag, 29. September 1981 Die Fürther Stadtverwaltung rief zu einer geordneten Beseitigung der Gartenabfälle auf. Jedes Jahr entstanden auf Fürther Stadtgebiet im Herbst „wilde Müllplätze“. Das Verbrennen von Laubabfall war damals von 8 bis 18 Uhr außerhalb bebauter Ortsteile an Werktagen erlaubt. Größere Gartenabfälle musste man selbst zum Müllplatz fahren oder eine einschlägige private Firma mit der Abholung beauftragen. Eine zentrale Kompostieranlage gab es noch nicht. Der Fürther Kulturverein veranstaltete im Hinterhof des Ballettstudios Tenbrink in der Blumenstraße den zweiten „Kunstsonntag“. Trotz des schlechten Wetters und autofreiem Sonntag erschienen etwa 2500 Besucher. Zu Bratwürsten mit Jazzmusik präsentierten sich die Fürther Künstler mit ihren Werken.
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