Samstag, 12. April 1980 Während einer Sitzung des Fürther Stadtausschusses für Leibesübungen kam es zu einem bedauerlichen Zwischenfall: Zwei Vorstände ausländischer Vereine verließen unter Protest den Rathaussaal, da sich der Vertreter des Modellbauclubs Fürth gegen die ausländischen Vereine negativ ausgesprochen hatte. („Denen sollte man zuerst richtig Deutsch beibringen, bevor man sie Vereine gründen lässt!“). OB Scherzer ergriff Partei für die ausländischen Mitbürger und bekundete ein „tiefes Bedauern“. Die „Galerie am Grünen Markt“ zeigte Radierungen von Bernd Wagenfeld. Bei ihm wurden Stillleben zum Aufruhr. Die FN kamen zu der Ansicht, „dass es ihm gelingt, durch augenscheinliche Widersprüche Betroffenheit auszulösen und nachdenklich zu machen.“ Der neue Fürther Stadtförster hieß Josef Scheffold. Er trat die Nachfolge des bisherigen Waldchefs Friedrich Kunz an. Der Stadtwald stellte ein Kleinod dar, das von allen Kollegen im Umkreis als vorbildlich anerkannt wurde. Stadttheater Fürth: „Viva la Musica“, Chorkonzert (Sängergruppe Richard Friedrich). Montag, 14. April 1980 Für die Fürther kam traditionell der Frühling erst, wenn die Störche eintrafen. So jetzt geschehen auf dem Kamin der Brauerei Dorn in Vach. Das Storchenpaar inspizierte das alte Nest und ließ sich dann nieder. Ab sofort Sonne pur? Die laue Frühlingsluft trieb die Fürther hinaus ins Freie. Die Bedienungen im Stadtparkcafé hatten Hochbetrieb. Kopfschütteln löste im Fürther Stadtrat die Mitteilung aus, dass in einem Privatwald beim Sacker Sportplatz mitten im Landschaftsschutzgebiet der Stadt Fürth etwa 25 rund 100-jährige Eichen gefällt werden konnten. Das zuständige Forstamt Erlangen hatte keine Einwände dagegen erhoben. Die Bäume waren kerngesund. Der Waldbesitzer hatte seinen Wald lediglich „wirtschaftlich“ genutzt. Die SpVgg trennte sich von ihrem Erzrivalen 1. FC Nürnberg im Nürnberger Stadion torlos 0:0. Es war das 225. Derby zwischen Nürnberg und Fürth. Mit diesem Ergebnis belegte die SpVgg den neunten Rang der Tabelle. Dienstag, 15. April 1980 Die ehemalige „Löwen-Apotheke“ in der unteren Königstraße 38 wurde jetzt zur „Altstadt-Pinte“. Das Ehepaar Pöllmann, ehemals am Gänsberg beheimatet, richtete hier eine gemütliche Pilsbar ein. Gerstensaft statt Hustensaft! Um den Plastikmüll einzudämmen, gingen immer mehr Geschäfte dazu über, vom Kunden einen Obolus für Tragetaschen aus Kunststoff zu verlangen. So verlangte Quelle fünf Pfennige je Tüte, Tengelmann forderte zehn Pfennige. Bei Bilka, Kaufhalle und Woolworth blieb es dagegen vorerst beim „Nulltarif“. In der Schwabacher Straße 43 eröffnete die modernisierte WKV-Bank erneut ihre Pforten. Es war die Bank für die schnellen Kleinkredite. Mittwoch, 16. April 1980 Im dritten Stock des Westturms im Burgfarrnbacher Schloss werkelten die Handwerker. Unter der Anleitung von Archivdirektor Emil Ammon entstand hier das sogenannte „Glockner-Zimmer“. Mindestens 4000 Bücher des im Juli 1979 verstorbenen gebürtigen Fürthers sollten hier in würdigem Rahmen repräsentiert werden. Der Philosoph Prof. Dr. Hermann Glockner arbeitete insbesondere auf dem Gebiet der Hegel-Forschung. In Fürth überwachten mittlerweile sieben Politessen den ruhenden Verkehr. Sie waren bei jedem Wetter unterwegs. Ein Funkgerät hatten sie immer dabei. „Mistamsel“ war nur eines der Schimpfwörter, die den Fürthern über die Lippen kamen, wenn ein Strafzettel an der Windschutzscheibe steckte. Für 115.000 DM wurde der Westflügel an der Rückseite des Fürther Rathauses modernisiert. Seit Jahrzehnten war dort die Amtsbücherei untergebracht. Donnerstag, 17. April 1980 Die Rechtsberatung beim Amtsgericht Fürth wurde gut angenommen. Bürger mit geringem Einkommen stand dieser Service kostenlos zur Verfügung. 1979 hatten sich 1364 Ratsuchende an die Beratungsstelle gewandt. Etliche Fälle mussten mangels „Bedürftigkeit“ oder wegen „Mutwillens“ abgewiesen werden. Im Bereich des Bebauungsplanes 367 (Burgfarrnbach) gab es neben dem bisherigen Tulpenweg jetzt auch noch einen Gladiolen- sowie einen Irisweg. Die FN nahmen Abschied von der „Blei-Ära“ im Sinne von Johannes Gutenberg. „Lichtsatz“ hieß das neue Zauberwort. Dabei ersetzten jetzt Bildschirmgeräte die Setzmaschinen mit ihren Bleibuchstaben und -ziffern. Ab sofort wurde der Text über eine Art Schreibmaschine (Terminal) eingegeben, in einem Rechner erfasst und auf Spezialpapier ausgedruckt. Stadttheater Fürth: „Der komische Alte“, Monodrama von Rozewicz (Stadttheater Fürth). Freitag, 18. April 1980 18
Seite:Kuntermann 1980.pdf/18
Aus FürthWiki