Ignaz Ortenau

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Dr. jur. Ignaz Ortenau (geb. 6. Februar 1830 in Fürth; gest. am 22. März 1883 in München) war promovierter Notar jüdischer Abstammung in Fürth. Sein Vater war Kaufmann. Ignaz besuchte die Königl. Bayerische Studienanstalt in Nürnberg.

Zeitgenössische Berichte über Dr. Ignaz Ortenau

Der Stadtchronist Fronmüller schrieb über ihn:

...starb in München im 54. Lebensjahre Dr. jur. Ignaz Ortenau, Ritter des St. Michaelsordens I. Klasse, geb. in Fürth, wo er längere Zeit als Vorsitzender der israelit. Kultusgemeinde und als Notar fungirte, im besten Andenken dahier stehend wegen seiner hohen Intelligenz, Herzensgüte und Uneigennützigkeit. Der Verewigte war auch Besitzer der deutschen und bayerischen Verdienstzeichen für die Krankenpflege im Kriege.[1]

Die "Allgemeine Zeitung des Judentums" berichtete am 2. April 1883 über den Tod Dr. Ortenaus:

"Fürth, 25.März (1883). (Nekrolog). In den Morgenstunden des 23. dieses Monats verbreitete sich schnell die Trauerkunde in unserer Stadt, dass Dr. Ignaz Ortenau in der Nacht vom 22. dieses Monats in München, 54 Jahre alt, aus dem irdischen Leben geschieden sei. Diese schmerzliche Nachricht, die zunächst unsere ganze jüdische Gemeinde in empfindliche Aufregung versetzte, fand bald durch ehrenvolle Nachrufe in hiesigen und Nürnberger Zeitungen ihre Verbreitung, um die betrübende Botschaft eines schweren Verlustes zu bringen.
Hier geboren, bekleidete Ortenau viele Jahre den Posten eines Sekretärs bei der jüdischen Gemeinde, wurde am 21. April 1862 als königlicher Notar ernannt (der erste jüdische Notar in Bayern) und durch Beschluss der Landwehrstellen erhielt er am 24. Mai 1867 die Stelle eines Regiments-Auditors im hiesigen Landwehrregiment. (Der erste jüdische Auditor in Bayern). Auf die Entwicklung des Notariatswesens äußerte er durch mehrfache Schriften großen Einfluss. Sein Kommentar zur Subhastationsordnung wird als bester Interpretationsbehelf zu diesem Gesetze geschätzt. Ortenau besaß eine glaubenstreue Überzeugung für das Judentum, dessen Interesse er mit Freimut und wahrer Herzenswärme vertrat, er tat dies nicht bloß aus Rechtsprinzipien, sondern auch als Jude, als aufrichtiger Bekenner des Judentums, dem er in praktischer und spezifischer Weise seine Dienste jederzeit freudig widmete. Seine Schrift 'Die rechtliche Stellung der Juden in Bayern' wurde preisgekrönt und mit dem Accessit belohnt, er war Vorstand der hiesigen Kultusgemeinde und das Vertrauen seiner Glaubensgenossen berief ihn auf die gleiche Stelle in München, wohin er seit sieben Jahren gezogen war, um dort das Notariat auszuüben. Die hiesige Gemeinde delegierte Ortenau zu dem 2. deutsch-israelitischen Gemeindetag in Leipzig, der am 14. April 1872 in der Synagoge zu Leipzig eröffnet wurde. Als der inzwischen leider verstorbene damalige Vorsitzende, Herr Moritz Kohner in Leipzig, die Versammlung zur Wahl des Ausschusses für die nächsten drei Jahre schreiten ließ, befand sich auch Ortenau unter den Gewählten. Am 13. Dezember 1874 bildete sich hier ein Verband bayerischer Gemeinden gegen den Wanderbettel, Ortenau präsidierte der damaligen Versammlung, welche die unter seiner tatkräftigen Mitwirkung verfassten Statuten nach 5-stündiger Beratung annahm in musterhafter Weise.
Das lebhafteste Interesse Ortenaus für Juden und Judentum gibt Anlass zu einer kulturhistorischen Bemerkung. Durch das ganze Mittelalter bis auf die neueste Zeit übten die jüdischen Ärzte auf jüdischem Gebiete großen Einfluss. Sie bildeten eine starkes Band zwischen der Kultur und ihrer Glaubensgenossenschaft und ihre Überzeugungstreue wirkte schaffend und belebend. In der letzten Zeit haben die Juristen die Rolle den Ärzten abgenommen. Die für das Judentum tätigen Ärzte vermindern sich, während eine beträchtliche Anzahl von Juristen hierfür eintreten. Es gibt eben keine wissenschaftliche und besonders keine mit dem praktischen Leben verbundene wissenschaftliche Ausbildung, die nicht zugleich eine lebhafte Teilnahme für das Judentum und die Religionsgenossenschaft in jüdischen Männern erweckte!
Die Verdienste Ortenaus fanden in hohen und höchsten Kreisen verdiente Würdigung. Seine königliche Hoheit Prinz Luitpold von Bayern verlieh Ortenau für eine Denkschrift über das Erbfolgerecht in das früher dem Prinzen Karl zugestandene Sekundogenitur-Fideikommiss eine goldene Medaille mit dem Bild und Wahrspruch des Prinzen; Seine Majestät der König von Bayern zeichnete ihn durch Verleihung des Ritterkreuzes 1. Klasse des Verdienstordens vom heiligen Michael aus. Am 23. August begab sich Ortenau mit mehreren Menschen auf den Kriegsschauplatz, um die zweite Sammlung des hiesigen Hilfsvereins zu überbringen.
In allen Richtungen, nach welchen hin sich Ortenau bewegte, steckt er sich die höchsten Ziele und erreichte eine bedeutsame Stufe. Über sein edles Gemüt, seinen hohen Geist, die vollkommenste Unbescholtenheit seines Charakters, seine Leutseligkeit, Dienstfertigkeit und Liebenswürdigkeit herrscht nur Eine Stimme. Ortenau war eine nach menschlicher Weise vollendete Natur, als Mann der Wissenschaft, als Glied er menschlichen Gesellschaft, als Bürger der Stadt, als Beamter des Staates, als Jude; die Milde und Besonnenheit, welche zu seiner Erscheinung noch hinzutrat, erwarb ihm die Liebe Aller.
Zu der Beerdigung, welche heute Nachmittags 3 Uhr in München stattfinden wird, hat sich eine Deputation der hiesigen Kultusgemeinde begeben, um dem langjährigen Vorstande, Freunde und treuen Berater die letzte Ehre zu erweisen. Mit Ortenau geht eine der edelsten Gestalten zu Grabe. Er hinterlässt eine ihm würdige, edelgesinnte Gattin, 2 Söhne und 1 Tochter, wovon ein Sohn Jus, der andere Medizin studiert. Möge das Andenken Ortenaus fortwirken, der Jugend zur Nachahmung, dem Vaterland zur Ehre, der Menschheit zum Gewinne! Sigmund Heumann. "

Veröffentlichungen

  • Ignaz Ortenau: Zwanglose Briefe eines Notars, Palm & Enke, Erlangen 1869 - online abrufbar

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Fronmüllerchronik, 1887, S. 583

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