begünstigt. Dienstag, 9. September 1980 Der Fürther Grundig-Konzern befand sich angesichts immer stärkerer fernöstlicher Konkurrenz auf dem Weg des Rückzugs. Im Rahmen einer „Konsolidierung“ entließ man bei der italienischen Grundig-Tochter „Elettronica SPA“ in Rovereto nach monatelanger Kurzarbeit 400 von 1850 Mitarbeitern. In Rovereto wurden Farbfernsehgeräte für den italienischen Markt produziert. Die Löhne in Italien lagen zwar deutlich unter dem bundesdeutschen Niveau, aber häufige Streiks und private „Fehltage“ ließen die Wirtschaftlichkeit sinken. Ein Eifersuchtsdrama spielte sich in der Fürther Siemensstraße ab: Als die getrennt lebende Ehefrau die Wohnung ihres Mannes betrat, um noch persönliche Sachen abzuholen, stach der Noch-Ehemann, ein Sudanese, mit einem Krummdolch auf seine Frau ein. An Kopf und Oberkörper wurden später elf Stiche gezählt. Die Frau wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Fürther Stadtkrankenhaus eingeliefert, ihr Ehemann von der Polizei festgenommen. Bei der „Volkswohl“ hatte man den Termin gut gewählt: Zur Enthüllung der Bronzeplastik des St. Martin von Tours im Lilienhof im Sanierungsgebiet der Fürther Altstadt (Staudengasse 3 und Lilienstraße 1-9) war etliche regionale politische Prominenz herbeigeeilt. Bildhauerin Gudrun Kunstmann hatte das Werk geschaffen. MdB Dr. Oscar Schneider enthüllte nach einer launigen Rede das Kunstwerk. Mittwoch, 10. September 1980 Es sah aus wie ein Erweiterungsbau des Umspannwerks an der Vacher Straße in Höhe Friedrich-Ebert-Straße, sollte aber demnächst zu blühendem Leben erwachen: In nächster Nähe zur „McTennis“-Halle entstanden 22 neue Kleingärten des Kleingartenvereins „Gartenfreunde Regnitzgrund“. Die Kleingärten hatten eine Fläche von je 300 qm. Obwohl die Anlage mit Zaun und Holzhäuschen erst 1981 fertig werden sollte, waren alle Parzellen bereits vergeben und eine Warteliste für Interessenten schon angelegt. Die letzten Tage vor Beginn des neuen Schuljahres wurden regelmäßig die Fürther Schreibwarengeschäfte gestürmt, um sich mit Heften, Blöcken und Schreibutensilien einzudecken. Bekannte Fachgeschäfte waren damals Schöll am Obstmarkt, Stempel-Eckstein Ecke Marien- und Schwabacher Straße sowie Lennert in der Nürnberger Straße 59 oder in der Schwabacher Straße 56. Donnerstag, 11. September 1980 Im Falle einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Ost und West hätte Fürth damals schlechte Karten gehabt. Wie das bayerische Innenministerium auf Anfrage der Stadt mitteilte, konnte Fürth aufgrund der Haushaltlage nicht mit finanziellen Mitteln zum Ausbau des Zivilschutzes rechnen. Ein Katastropheneinsatz konnte im Notfall zwar vom Betriebsamt an der Ottostraße gesteuert werden, in noch intakten Bunkern konnten jedoch nur 2700 Fürther Bürger Platz finden. Dazu kam die Möglichkeit, dass in der Tiefgarage der zukünftigen Stadthalle noch einmal 3000 Personen unterkommen. Der Schutz war somit für eine Stadt mit fast 100.000 Einwohnern völlig unzureichend. Seltenes Ereignis im Rahmen des Wahlkampfes: Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff (FDP) stellte sich im Saal des „Schwarzen Kreuz“ nach einer einstündigen Lehrstunde in Volkswirtschaft den ehrfürchtig vorgetragenen Fragen der Anwesenden. Freitag, 12. September 1980 Ein Wunsch der Fürther Freizeitkapitäne erfüllte sich: Aufgrund einer Privatinitiative wurde im Wendebecken nahe des „Schneckerlasstegs“ zur Eschenau ein Anlegen von Booten ermöglicht. Dazu wurde ein „diebstahlsicherer“ Zaun um das Grundstück gezogen. In der nächsten Stufe sollte eine „Slipanlage“ in Form einer schiefen Ebene entstehen, von der aus man Motor- und Schlauchboote zu Wasser lassen konnte. Bisher musste man sein Motorboot jedes Mal per Autoanhänger nach Hause transportieren oder nach „Parkmöglichkeiten“ im Nürnberger Hafen suchen. Nach den offiziellen Unterschriften waren die Beförderungen perfekt: Doris Sutare und Herbert Schuster, zwei bewährte Fürther Lehrkräfte, leiteten ab Schuljahresbeginn 1980/81 als Schulleiterin und Konrektor die Rosenschule, die sich aufgrund ihres hohen Ausländeranteils mittlerweile zur Brennpunktschule entwickelt hatte. Samstag, 13. September 1980 Kinder der Fürther Südstadt hatten ein schönes Ferienvergnügen entdeckt: Jeden Morgen standen sie um sieben Uhr vor Kurt Lehner's Zoo in der Ludwigstraße 71 an, um einen Hund zum Ausführen zu ergattern. Sechs Vierbeiner standen zur Auswahl. Ladeninhaber Lehner gab täglich Lose aus, damit bei der Verteilung der Hunde keine Tränen flossen. Nach ein paar Stunden wurden die Hunde dann zurückgebracht. In Venedig verhätschelt, in Fürth verwünscht: An den Tauben im Stadtgebiet schieden sich die Geister. Tatsache war, dass sich die Tauben immer mehr zur Stadtplage entwickelten. Besonders schlimm zeigte sich die Plage im 42
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