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Elchanan, der Sohn des Rabbiners [[Meir Ben Ascher]], gilt als der Gründer der Fürther Totenbruderschaft<ref>[[Gisela Naomi Blume]]: ''Häuser um den Königsplatz und ihre jüdischen Besitzer'', Teil 1; in: [[Fürther Geschichtsblätter]] 2/13, Seite 44</ref>. Dies dürfte nach dem [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] erfolgt sein. | Elchanan, der Sohn des Rabbiners [[Meir Ben Ascher]], gilt als der Gründer der Fürther Totenbruderschaft<ref>[[Gisela Naomi Blume]]: ''Häuser um den Königsplatz und ihre jüdischen Besitzer'', Teil 1; in: [[Fürther Geschichtsblätter]] 2/13, Seite 44</ref>. Dies dürfte nach dem [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] erfolgt sein. | ||
[[Datei:A wine goblet belonging to the Chevra Kadisha (Jewish Burial Society), 1.3.1931..webp|mini|right|Pokal der Chewra Kadischa]] | [[Datei:A wine goblet belonging to the Chevra Kadisha (Jewish Burial Society), 1.3.1931..webp|mini|right|Pokal der Chewra Kadischa]] | ||
Der Landesrabbiner des [[Markgraftum Brandenburg-Ansbach|Markgraftums Ansbach]] mit Sitz in Schwabach stiftete in seiner Amtszeit einen Pokal für die ''Beerdigungsbruderschaft'' Chewra Kadischa. Dessen Deckelfigur zeigt Mose Katzenellenbogen als Patron der Bruderschaft.<ref>Julia Haarmann: „Hüter der Tradition - Erinnerung und Identität im Selbstzeugnis des Pinchas Katzenellenbogen (1691 - 1767)“ in: ''Jüdische Religion, Geschichte und Kultur'', Band 18, 2013; Seite 52</ref> Ein dazugehöriges Schild trägt die Namen ''Mose'' und ''Pinchas Katzenellenbogen''<ref>Der Pokal ist heute im Israel-Museum in Jerusalem.</ref>. | Der Landesrabbiner des [[Markgraftum Brandenburg-Ansbach|Markgraftums Ansbach]] mit Sitz in Schwabach stiftete in seiner Amtszeit einen Pokal für die ''Beerdigungsbruderschaft'' Chewra Kadischa. Dessen Deckelfigur zeigt [[Mose Katzenellenbogen]] als Patron der Bruderschaft.<ref>Julia Haarmann: „Hüter der Tradition - Erinnerung und Identität im Selbstzeugnis des Pinchas Katzenellenbogen (1691 - 1767)“ in: ''Jüdische Religion, Geschichte und Kultur'', Band 18, 2013; Seite 52</ref> Ein dazugehöriges Schild trägt die Namen ''Mose'' und ''[[Pinchas Katzenellenbogen]]''<ref>Der Pokal ist heute im Israel-Museum in Jerusalem.</ref>. | ||
In dem Buch [[Historische Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth (Buch)|Historische Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth Unterhalb Nürnberg/ In zween Theilen]], erstmals erschienen [[1754]], schrieb der Autor [[wikipedia:Andreas Würfel|Andreas Würfel]]:</br> | In dem Buch [[Historische Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth (Buch)|Historische Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth Unterhalb Nürnberg/ In zween Theilen]], erstmals erschienen [[1754]], schrieb der Autor [[wikipedia:Andreas Würfel|Andreas Würfel]]:</br> | ||
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====Der Zwist um die Reformierung der Totenbruderschaft nach 1833==== | ====Der Zwist um die Reformierung der Totenbruderschaft nach 1833==== | ||
Am [[1. Dezember]] [[1833]] wurden die Totenbruderschaften vom Magistrat verpflichtet, Todesfälle unverzüglich beim Rabbinat anzuzeigen.<ref name="Barbara Ohm">siehe Barbara Ohm: [[Geschichte der Juden in Fürth (Buch) (Ohm)|Geschichte der Juden in Fürth]], S. 170</ref> Dagegen wehrte sich die Chewra, weil durch die Ausstellung eines ''Totenbesichtigungsscheines'' keine schnelle Beerdigung mehr möglich war. Ihr Widerstand beruhte allerdings auch auf der Gegnerschaft zu dem reformorientierten Rabbiner [[Isaak Loewi]], die auch die Leichenordnung zu reformieren gedachte. Nach Meinung der orthodoxen Bruderschaften gehörten aber Beerdigungen nicht zum Aufgabengebiet eines Rabbiners. Ihre Beschwerde bei der Regierung hatte zur Folge, dass Bürgermeister [[Bäumen]] einen Bericht vorlegen musste, der ziemlich negativ ausfiel.<ref>Bäumen schrieb dabei: „''... dass bei Leichenbegräbnissen ein Bild der Regellosigkeit herrsche, ihre Beschwerde ein Machwerk ... einer Anzahl von Finsterlingen gegen ihren würdigen Rabbiner Dr. Loewi, der einen feierlichen, geordneten Leichenzug verfügt hatte''“ sei. Zitiert nach Barbara Ohm: [[Geschichte der Juden in Fürth (Buch) (Ohm)|Geschichte der Juden in Fürth]], S. 170</ref> Die Regierung bestand daraufhin auf der Totenschau und der Meldung im Rabbinat.<ref name="Barbara Ohm"/> Es gab sogar unter den Mitgliedern des israelitischen Religionsvereins eine Bewegung die Totenbruderschaft ganz aufzulösen, die wegen ihres Starrsinns und ihrer Renitenz alle Reformversuche scheiterten.<ref name="Barbara Ohm"/> Die Regierung verfügte dass eine genaue Anzeige innerhalb von 24 Stunden zu erfolgen habe. Zur Auflösung der Bruderschaften, der Chewrot, kam es aber nicht. Über eine Satzung, die [[1840]] in Kraft trat, gab es erneute Auseinandersetzungen zwischen orthodoxen Totenbrüdern und reformorientierten Vereinsvorstand.<ref name="Barbara Ohm"/> | Am [[1. Dezember]] [[1833]] wurden die Totenbruderschaften vom Magistrat verpflichtet, Todesfälle unverzüglich beim Rabbinat anzuzeigen.<ref name="Barbara Ohm">siehe Barbara Ohm: [[Geschichte der Juden in Fürth (Buch) (Ohm)|Geschichte der Juden in Fürth]], S. 170</ref> Dagegen wehrte sich die Chewra, weil durch die Ausstellung eines ''Totenbesichtigungsscheines'' keine schnelle Beerdigung mehr möglich war. Ihr Widerstand beruhte allerdings auch auf der Gegnerschaft zu dem reformorientierten Rabbiner [[Isaak Loewi]], die auch die Leichenordnung zu reformieren gedachte. Nach Meinung der orthodoxen Bruderschaften gehörten aber Beerdigungen nicht zum Aufgabengebiet eines Rabbiners. Ihre Beschwerde bei der Regierung hatte zur Folge, dass Bürgermeister [[Franz Joseph von Bäumen|Bäumen]] einen Bericht vorlegen musste, der ziemlich negativ ausfiel.<ref>Bäumen schrieb dabei: „''... dass bei Leichenbegräbnissen ein Bild der Regellosigkeit herrsche, ihre Beschwerde ein Machwerk ... einer Anzahl von Finsterlingen gegen ihren würdigen Rabbiner Dr. Loewi, der einen feierlichen, geordneten Leichenzug verfügt hatte''“ sei. Zitiert nach Barbara Ohm: [[Geschichte der Juden in Fürth (Buch) (Ohm)|Geschichte der Juden in Fürth]], S. 170</ref> Die Regierung bestand daraufhin auf der Totenschau und der Meldung im Rabbinat.<ref name="Barbara Ohm"/> Es gab sogar unter den Mitgliedern des israelitischen Religionsvereins eine Bewegung die Totenbruderschaft ganz aufzulösen, die wegen ihres Starrsinns und ihrer Renitenz alle Reformversuche scheiterten.<ref name="Barbara Ohm"/> Die Regierung verfügte dass eine genaue Anzeige innerhalb von 24 Stunden zu erfolgen habe. Zur Auflösung der Bruderschaften, der Chewrot, kam es aber nicht. Über eine Satzung, die [[1840]] in Kraft trat, gab es erneute Auseinandersetzungen zwischen orthodoxen Totenbrüdern und reformorientierten Vereinsvorstand.<ref name="Barbara Ohm"/> | ||
====Die Statuten der Totenbruderschaft von 1840<ref>Gisela Naomi Blume: [[Der alte jüdische Friedhof in Fürth (Buch)|Der alte jüdische Friedhof in Fürth]], S. 62-71</ref>==== | ====Die Statuten der Totenbruderschaft von 1840<ref>Gisela Naomi Blume: [[Der alte jüdische Friedhof in Fürth (Buch)|Der alte jüdische Friedhof in Fürth]], S. 62-71</ref>==== | ||
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§§ 33 - 35 regelten das Verzeichnis der Buderschaftsmitglieder und die Überwachung durch Rabbinat und israelitischen Vereinsvorstand (!) nach Bestätigung der kgl. Regierung von Mittelfranken und Unterstellung der landespolizeilichen Genehmigung. | §§ 33 - 35 regelten das Verzeichnis der Buderschaftsmitglieder und die Überwachung durch Rabbinat und israelitischen Vereinsvorstand (!) nach Bestätigung der kgl. Regierung von Mittelfranken und Unterstellung der landespolizeilichen Genehmigung. | ||
„1841 brannte das für die Todtenbrüderschaft bestimmte Häuschen auf dem jüdischen Friedhofe in Folge Blitzschlags nieder; auch gelangte in diesem Jahre eine israelitische Leichenzugsordnung (siehe oben) zur Geltung.“<ref> [[Hugo Barbeck]] in seinem Buch: „[[Geschichte der Juden in Nürnberg und Fürth (Buch)|Geschichte der Juden in Nürnberg und Fürth]]“, S. 91</ref> | |||
„1841 brannte das für die Todtenbrüderschaft bestimmte Häuschen auf dem jüdischen Friedhofe in Folge Blitzschlags nieder; auch gelangte in diesem Jahre eine israelitische Leichenzugsordnung zur Geltung.“<ref> [[Hugo Barbeck]] in seinem Buch: „[[Geschichte der Juden in Nürnberg und Fürth (Buch)|Geschichte der Juden in Nürnberg und Fürth]]“, S. 91</ref> | |||
==Mitglieder der Totenbruderschaft== | ==Mitglieder der Totenbruderschaft== | ||
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* [[Lazarus Eliezer Farntrog]] | * [[Lazarus Eliezer Farntrog]] | ||
* [[Simon Sänger]] | * [[Simon Sänger]] | ||
* [[Isaak Zimmer]] | * [[Isaak Zimmer]]<ref>Israelitische Totenbruderschaft, (Denkmalsetzungsverein); Fürther Adressbuch von 1893, V. Teil - Gesellschaften und Vereine; S. 32</ref> | ||
==Lokalberichterstattung== | ==Lokalberichterstattung== | ||
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==Weblinks== | ==Weblinks== | ||
* Paul Christian Kirchner: „Von den Ceremonien bey sterbenden Juden / bey ihrer Begräbniß / und der gewöhnlichen Trauer“ in: ''Jüdisches Ceremoniel, oder Beschreibung dererjenigen Gebräuche, welche die Juden so wol inn-als ausser dem Tempel, bey allen und jeden ...'', Nürnberg, 1726, S. 207 - 226, [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11714564?page=277 online] | * Paul Christian Kirchner: „Von den Ceremonien bey sterbenden Juden / bey ihrer Begräbniß / und der gewöhnlichen Trauer“ in: ''Jüdisches Ceremoniel, oder Beschreibung dererjenigen Gebräuche, welche die Juden so wol inn-als ausser dem Tempel, bey allen und jeden ...'', Nürnberg, 1726, S. 207 - 226, [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11714564?page=277 online] | ||
* Andreas Würfel: [[Historische Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth (Buch)|Historische Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth]], 1754, S. 37 f, [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10521420?page=45 § 10 und § 11 online]</ref> | |||
* Takkanot (תקנות, Vorschriften, Satzung) der [https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/jd/content/titleinfo/1786343 Chewra Kadischa] ''Erzieher der Waisen'' in Fürth, 1767/68 | * Takkanot (תקנות, Vorschriften, Satzung) der [https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/jd/content/titleinfo/1786343 Chewra Kadischa] ''Erzieher der Waisen'' in Fürth, 1767/68 | ||
== Siehe auch == | == Siehe auch == | ||
* [[Bruderschaft Gemilut Chesed Chewra]] | * [[Bruderschaft Gemilut Chesed Chewra]] | ||
* [[Bruderschaft Kawronim Chewra]] | * [[Bruderschaft Kawronim Chewra]] | ||
* [[Bruderschaft Mazzewa Chewra]] | * [[Bruderschaft Mazzewa Chewra]] | ||
* [[Alter Jüdischer Friedhof]] | |||
* [[Neuer Jüdischer Friedhof]] | |||
* [[Rednitzstraße 32|Taharahaus]] im Alten Jüdischen Friedhof | |||
* [[Mose Katzenellenbogen]] | |||
* [[Pinchas Katzenellenbogen]] | |||
* [[Fiorda]] | * [[Fiorda]] | ||
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