Berliner Meilenstein

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Berliner Meilenstein in Fürth, Königsplatz

Der Berliner Meilenstein wurde am 23. Juni 1957 anlässlich des Besuches des Bundeswirtschaftsministers Prof. Dr. Ludwig Erhard in Fürth auf einer Verkehrsinsel vor dem Rathaus eingeweiht.[1] Dies geschah bundesweit auf Initiative des Berlin-Beauftragten der Bundesregierung und Mitbegründer der Wochenzeitschrift "Die Zeit" Dr. Gerd Bucerius, der 1954 ankündigte alle 100 km auf den Autobahnen einen "Berliner Meilenstein" anzubringen.[2] Im Laufe der Zeit wurden jedoch zugunsten einer vom "Bund der Berliner und Freunde Berlins" (BdB) gestarteten Aktion - gegründet 1951 - die Meilensteine ebenfalls in Kommunen aufgestellt.[3] Die Finanzierung erfolgte meist über Mittel des Bundes, so dass die Meilensteine kostenlos den Gemeinden zur Verfügung gestellt werden konnten. Lediglich die Kosten der Errichtung mussten durch die Kommunen selbst übernommen werden. Der Bezugspunkt für die Kilometerangabe ist jeweils der ehemalige Berliner Dönhoffplatz in der Nähe der Leipziger Straße. Hier stand früher der Preußische "Null-Meilenstein" von 1730.[3] Der Meilenstein ist in größerer Stückzahl produziert worden, häufig im gleichen Erscheinungsbild - lediglich mit einer Abweichung der individuellen Kilometerzahl. So stehen identische Meilensteine des "Fürther Modells" auch in Bonn, Hannover, Nürnberg und Saarbrücken.[3] Der Meilenstein mit dem Berliner Bär als Graffito wurde von der Berliner Bildhauerin Renée Sintenis entworfen. Der Meilenstein soll "an den schweren Existenzkampf ihrer (Berliner) Bewohner und damit an das Schicksal unseres geteilten Vaterlandes erinnern", so Dr. Bucerius gegenüber der Wochenzeitschrift "Die Zeit" 1954.[2]

ursprünglicher Standort des Meilensteins: in Verkehrsinsel vor Telefonzelle am Rathaus

Bei einer kleinen Feierstunde wurde der Berliner Meilenstein am 23. Juni 1957 um 11 Uhr eingeweiht. In Anwesenheit von Dr. Bornkessel in Amtskette samt Ehefrau, dem Bundeswirtschaftsminister Prof. Dr. Erhard, den Bundestagsabgeordneten Dr. Friedrich Winter (CSU) und Max Seidel (SPD), dem Vertreter des BdB Hans Werner Hecker, einigen Stadträten und dem Trachtenverein "Auerbergler" wurde der Meilenstein enthüllt. "Damit sich der Bär hier etwas zu Hause fühle" übergoss der Vertreter des BdB den Stein mit einer großen Flasche Spreewasser. Anschließend wurde eine Flasche Sekt am Meilenstein feierlich zerschmettert, während sich unverhofft ein Regenguss über die Gesellschaft ergoss. Während Prof. Dr. Erhard mahnende Worte sprach "Dieser Stein soll nicht über Gebühr zum Anlaß nationaler Demonstration werden", verlas Dr. Bornkessel ein Telegramm von Dr. Bucerius: "Mehr als alle Akte des Bundes und der Länder ist Hilfe der Bürger in ihren Gemeinden ein Unterpfand für die Erreichung unseres großen nationalen Zieles, der Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit".[1]

Zum Vergleich: Berliner Meilenstein in Hannover 2010

Im Anschluss folgte ein kurzes geselliges Beisammensein im Schwarzen Kreuz, bevor Prof. Dr. Erhard zu einer weiteren Kundgebung nach Nürnberg musste. Der Meilenstein steht heute seitlich am Königsplatz und wurde von Seiten der Stadt Fürth im Jahr 2014 vom Dreck gereinigt. Laut den Fürther Nachrichten ist dies eher die Ausnahme, in anderen deutschen Städten sind die Meilensteine häufig spurlos verschwunden.[4]

Lokalberichterstattung[Bearbeiten]

  • n.n.: Enthüllung dreimal begossen. In: Fürther Nachrichten vom 24. Juni 1957
  • Benjamin Huck: Ein Relikt aus der Zeit des Kalten Kriegs. In: Fürther Nachrichten vom 14. August 2015, S. 31 - online abrufbar

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Homepage Initiative Berliner Meilensteine (ehem. BdB) HP
  • Facebook Auftritt Berliner Meilensteine HP
  • Renée Sintenis - siehe Wikipedia

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Berichterstattung der Fürther Nachrichten vom 24. Juni 1957
  2. 2,0 2,1 Berliner Bär als Mahner. Die Zeit, Länderspiegel vom 21. Januar 1954
  3. 3,0 3,1 3,2 Homepage Berliner Meilensteine, abgerufen am 15. August 2015 | 17.30 Uhr - online abrufbar
  4. Benjamin Huck: Ein Relikt aus der Zeit des Kalten Kriegs. In: Fürther Nachrichten vom 14. August 2015, S. 31