Gaswerk

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Neues Gaswerk, Gesamtübersicht (nach dem Modell), Leyher Str. 69, Aufnahme um 1907
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Vom 2. Oktober 1858 bis zum 18. November 1965 gab es in Fürth eine eigene Gaserzeugung.


Geschichte

Aktie der Fürther Actien-Gesellschaft für Gasbeleuchtung von 1858
"Altes" Gaswerk an der Theresienstr., Abriss um 1910
Historisches Logo der Stadtwerke, 1920er Jahre

Im Jahr 1857 hatte der Fürther Magistrat beschlossen, ein Gaswerk zu errichten und dazu Ludwig August Riedinger aus Augsburg mit allen Arbeiten beauftragt. Zur Finanzierung wurde eine Aktien-Gesellschaft für Gasbeleuchtung gegründet. Zwei Drittel der Aktien mit einem Gesamtwert von 180 000 Gulden erwarb die Stadt Fürth, den Rest übernahmen Privatleute. Die Gasfabrik an der Theresienstraße wurde 1858 in Betrieb genommen. Am 7. Oktober 1864 ging das Werk vollständig in Stadtbesitz über. Von dort aus wurden schließlich alle Straßen und Plätze der Stadt mit Gas beleuchtet. Auch weil Gas vermehrt für's Kochen verwendet wurde, gelangte das Gaswerk Ende des 19. Jahrhunderts an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Am 10. November 1906 wurde an der Leyher Straße ein neues Werk eröffnet, das fortlaufend modernisiert wurde. In den 1950er Jahren befand sich hier auch die städtische Desinfektionsanstalt.[1] Im November 1965 übernahmen die Stadtwerke Nürnberg die Gasbelieferung und die Eigenerzeugung wurde eingestellt. Heute Sitz der Stadtwerke.

Gebäudebestand

Verwaltungsgebäude des "neuen" Gaswerks

Im Rahmen von Modernisierung und Erweiterung sind bereits die meisten der Gebäude des alten Gaswerks an der Leyher Straße abgebrochen worden. Bei der Erweiterung des Verwaltungstrakts Anfang der 2000er Jahre u. A. folgende Gebäudeteile: die Messwarte (sog. "Uhrenhaus"), das Generatorenhaus mit Schornstein der ehemaligen Müllverbrennung sowie die beiden markanten Gasbehälter (welche bis dahin noch für die Spitzenlastabdeckung verwendet wurden). Die Retortenöfen zur Erzeugung des Stadtgases, die Koksseparationsanlage, die Kohlenlagerhalde mit Krananlage sowie einige Nebengebäude wurden bereits zu einem früheren Zeitpunkt abgerissen um für den Omnibusbetriebshof samt Wagenhalle der Stadtwerke Platz zu machen. Von den ursprünglichen Gebäuden an der Leyher Straße waren 2014 noch das Verwaltungsgebäude, der Wasserturm sowie ein Lagergebäude erhalten, der Kohlenbunker wurde ab September 2012 abgerissen.

Das Verwaltungsgebäude entstand 1906 unter der Verantwortung des Architekten Otto Holzer. Bei der Sanierung ab 2014 wurde der nach 110 Jahren noch erhaltene, historische Rieselputz ebenso überarbeitet wie auch der reiche Zierrat an der West- und Südseite. Die neuen Holzfenster mit historischer Sprosseneinteilung wurden anhand alter Fotografien rekonstruiert. In dem Gebäude entstanden 23 Büroräume der Infra fürth gmbh.


Beschreibung des Baudenkmals

Verwaltungsgebäude

Freistehender, dreigeschossiger und traufseitiger Putzbau mit Mansardgiebeldach, hohem Zwerchgiebel und Kaminköpfen, rückseitig mit Balkonen, Risalit und Fachwerk-Dachausbau, barockisierender Jugendstil. Sanierung des Verwaltungsgebäudes ab Juli 2014.

Wasserturm

Wasserturm, sechsgeschossiger Putzbau mit Uhrenerker und steilem Pyramidendach, historisierend; sämtlich vom Stadtbauamt Fürth, 1903-06.


Sonstiges

Im Fürther Sprachgebrauch existierte für das Gaswerk auch der Begriff Maikäferfabrik. Dies bezog sich auf die sich hebenden und senkenden Dächer der Gasbehälter auf dem Gelände in Zusammenhang mit dem Sprichwort "Sich aufpumpen wie ein Maikäfer".[2]

Literatur

  • Adolf Schwammberger: "Fürth von A bis Z"
  • 75 Jahre Gaswerk an der Leyher Straße - Stadtwerke Fürth - Juli 1982


Lokalberichterstattung

  • Johannes Alles: Zwei Millionen für eine Südstadt-Perle. In: Fürther Nachrichten vom 12. Februar 2014 - online abrufbar
  • Historisches Baudenkmal in der Fürther Südstadt erstrahlt in neuem Glanz. In: Fürth StadtZeitung, Nr. 3 vom 15. Februar 2017, S. 32 – PDF-Datei

Siehe auch

Weblinks

private Website über Gaswerke in Deutschland: [1]

Einzelnachweise

  1. Tauer's Straßen-Verzeichnis von Nürnberg und Fürth, Verlag die Egge - Rudolf Tauer, Nürnberg 1954, S. 174
  2. Zeitzeugenbericht, Archiv FürthWiki e. V., Aktennr. '6'

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