Georg Florian Michel

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Georg Florian Michel gilt als der "reformierte Theologe" auf der evang.-luth. Pfarrstelle St. Peter und Paul in Poppenreuth. Er war 1787 in Nürnberg geboren und wurde 1810 als Pfarrstellen-Verweser für die reformierte Gemeinde an der St. Martha-Kirche in Nürnberg eingesetzt.

Erste Pfarrstelle an der reformierten Gemeinde St. Martha, Nürnberg

Ungewöhnlich daran war, dass Michel seit 1804 in Altdorf Theologie studiert hatte und nach seinem Vikariat in Nürnberg als "lutherischer" Theologe jetzt eine Gemeinde nach der Lehre Zwinglis und Calvins betreuen sollte. Begünstigt wurde dieser Umstand allerdings, weil die Nürnberger Reformierten zuvor den Heidelberger Katechismus als Lehrgrundlage abgeschafft hatten. Offenbar war die Gemeinde sehr zufrieden mit Michel, denn sie wählten ihn schließlich 1813 offiziell zu ihrem Prediger, was er auch zehn Jahre bis 1823 blieb. Wie nahe Georg Florian Michel dem Gedankengut der Reformierten stand, zeigt sich auch darin, dass er 1807 den calvinistischen Katechismus wieder einführte. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die Reformierten nun eigene Kirchenbücher führen durften, während sie zuvor Eintragungen ihrer Kasualien in den Büchern der verschiedenen lutherischen oder katholischen Nachbargemeinden meist teuer bezahlen mussten. Oft genug unterblieb deswegen auch der Eintrag.

Weitere Lebensstationen

Nach insgesamt 13 Jahren wechselte der Stadtpfarrer der Reformierten 1823 auf eine (lutherische) Pfarrstelle in Treuchtlingen. Im Dezember 1839 wurde er Pfarrer in Schalkhausen bei Ansbach und endlich 1847 kam er nach Poppenreuth.

Vielleicht hat es etwas mit der nüchternen Art der reformierten Kirchengestaltung zu tun, dass Pfarrer Michel bei der Poppenreuther Kirchenrenovierung 18591860 die alten Seitenaltäre, die Totenschilde und sonstige Kunstgegenstände verkaufen ließ. [1], vielleicht aber auch mit der damaligen Zeiterscheinung, die der barocken Opulenz überdrüssig war.

Nach Abschluss dieser Renovierung war die Poppenreuther Kirche sehr stark auf den Chor mit Hauptaltar, Taufstein und Leuchtern als einzigen Schmuck ausgerichtet.
Pfarrertafel mit Georg Florian Michel

Auch die Kanzel mit der Darstellung der beiden evangelischen Sakramente (Taufe und Abendmahl) ist nahe an den Chor angelehnt. Die Emporen und die Orgel dienen praktischen Zwecken und wurden damals wohl nicht als besonders schmuckreich empfunden. Die farbigen Chorfenster sowie die bunte Wandbemalung wurden erst zwanzig Jahre später angebracht.

Als Georg Florian Michel 1861 in Poppenreuth starb, war sein Name der letzte, welcher auf der seit der Reformation geführten Pfarrertafel (heute die große Mitteltafel) eingetragen werden konnte. Solche Tafeln finden sich übrigens auch in reformierten Kirchen sehr häufig. Die Beziehung seiner letzten zu seiner ersten Pfarrstelle an St. Martha zeigte sich in einer relativ strengen Raumgestaltung der Kirche in Poppenreuth, die allerdings nicht ganz reformierter Bilderlosigkeit entsprach.

Eine Abendmahlsverweigerung durch Pfarrer Michel am 16. Mai 1858 verursachte großes Aufsehen und brachte es zu einer Meldung im Nürnberger Beobachter.[2]

Einzelnachweise

  1. siehe Anzeige im "Fürther Tagblatt" vom 18. Mai 1860 - online
    und im "Tagblatt der Stadt Bamberg" vom 17. Mai 1860 - online
  2. Nürnberger Beobachter 18.5.1858; 10. Jahrgang, No. 59 unter Rubrik Stadtschau - online

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