Grüner-Keller

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Grüner Premiere 2011.jpg
Eingang zum Grüner-Keller - das Bild entstand anlässlich der Wiedereinführung des Grüner Biers durch die Fa. Tucher am 29. September 2011 (Foto: Kamran Salimi)
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Lageplan des Grüner Kellers, ca. 1940

Die Kelleranlagen der ehemaligen Brauerei Grüner sind ein ausgedehntes Kellersystem unterhalb des Fürther Klinikums.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Grüner Brauerei wurde 1860 durch die Brüder Johann Heinrich und Georg Heinrich Grüner aus Altdorf gegründet. Zuvor bestand bereits eine kleine Brauerei in der Gartenstraße, die seit 1709 das Braurecht hatte. 1865 wurde die bestehende Brauerei ausgebaut, da die Kapazität nicht mehr den gewachsenen Anforderungen entsprach. Der ursprüngliche Lagerkeller befand sich unterhalb der Brauerei und wurde zeitgleich ausgebaut. Jedoch stürzte der Keller während der Ausbauarbeiten ein, so dass ein alternativer Standort benötigt wurde. Dieser Standort ist der heutige Felsenkeller in der Robert-Koch-Straße.

Die Anlage wurde von 1866 bis 1872 auf dem Privatgrundstück der Familie Grüner erbaut.[1] Die Familie Grüner hatte das Grundstück zwischen der heutigen Vacher Straße und der Friedrich-Ebert-Straße erworben. Auf dem Gelände befanden sich neben dem Wohnhaus auch ein „Englischer Garten“ mit Orangerie, Gewächshäuser und ein Blumenhaus. Nach dem Tod von Johann Heinrich Grüner war der Bruder Georg Heinrich Grüner Alleininhaber. Bereits um die Jahrhundertwende begann die Familie mit dem Verkauf des Privatgrundstückes, z. B. an die Stadt Fürth für den Neubau des heutigen Klinikums, so dass von dem ehemaligen Grundstück heute nur noch ca. 1/100 übrig geblieben ist. Heute befinden sich auf dem ehemaligen Gelände der Familie Grüner eine dichte Wohnbebauung und das Klinikum Fürth. Lediglich das Wohnhaus der Fam. Grüner ist noch in der Vacher Straße erhalten.

Die Größe des Grüner Kellers beträgt in der Längenausdehnung ca. 170 m und in der Breite ca. 70 m. Die begehbare Fläche beträgt fast 2000 qm, was in etwa 1 ½ Fußballfeldern entspricht. Der Keller ist mit einfachem Gerät in den Felsen eingeschlagen worden und liegt im Eingangsbereich ca. 6 bis 8 Meter unterhalb der Erde. Je weiter man die Anlage betritt, desto tiefer gelangt man in das Erdinnere. Im hinteren Bereich der Anlage beträgt die Tiefe im Durchschnitt zwischen 17 und 22 Meter. Der Felsenkeller selbst besteht vorwiegend aus einem Labyrinth von Gängen, so dass eine Orientierung ohne Ortskenntnis schwierig ist.

Der Keller wurde im Jahr 2005 unter Denkmalschutz gestellt. Dies hat primär zwei Gründe:

1. Der Felsenkeller gliedert sich baulich in drei Teile auf. Diese drei Bereiche sind:
a) ein Bereich, der noch im Originalzustand von 1872 ist,
b) ein Bereich, der ab 1939 als Luftschutzbunker umgebaut wurde und
c) ein Bereich, der ab 1985 zum Atomschutzbunker umgebaut werden sollte.

Dieser Umstand, dass drei baulich unterschiedliche Bereiche in einer Anlage zu sehen sind, ist offensichtlich deutschlandweit einmalig. Häufig sieht man in entsprechenden Anlagen entweder einen Felsenkeller, oder einen Luftschutzbunker, oder es wurde durch entsprechende Sanierungsmaßnahmen der ursprüngliche Charakter der Anlage zerstört.

2. Im hinteren Bereich befindet sich ein sog. Kreuzrippengewölbe. Im Gegensatz zur ungewölbten Balkendecke treten bei einem Gewölbe nur Druckspannungen auf, sofern das Gewölbe einer Stützlinie folgt. So ist es möglich, größere Räume ohne Unterstützung von Pfeilern oder anderer Hilfskonstruktionen zu überdachen. Dabei wirkt das Gewicht des Gewölbes an seinen Auflageflächen nicht nur senkrecht nach unten wie bei einer Balkendecke, sondern auch nach außen. Die tragenden Mauern des Raumes müssen also nicht nur dem Gewicht standhalten, sondern auch Kräften, die sie nach außen drücken. Solche Gewölbe findet man sonst nur in sakralen Gebäuden der Klöster oder Kirchen. Dass sich so ein Gewölbe, das insbesondere eine hohe handwerkliche Kunst voraussetzt, in einem Bierkeller zu finden ist, ist ein Alleinstellungsmerkmal für diesen Felsenkeller – und war mit ein Grund, diesen unter Denkmalschutz zu stellen.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Anlagen für die Bierlagerung aufgegeben und nur noch die vorderen Teile der Kelleranlagen wurden zur Überwinterung von Efeutrennwänden und Buchsbäumen benutzt, welche in den Gartenwirtschaften der Grüner-Bräu Verwendung fanden.

Nutzung als Luftschutzbunker[Bearbeiten]

Im 2. Weltkrieg dienten sie als Luftschutzanlage. Geplant war diese für 2000 Personen, doch nach Zeitzeugenberichten flüchteten sich bis zu 6000 Personen in die nur zum Teil ausgebauten Stollen. Auch für das Personal des Klinikums war der Luftschutzbunker vorgesehen, da der Luftschutzkeller im Keller des Klinikums bei weitem nicht allen Patienten und Mitarbeitern Schutz bot. Um den Weg zu verkürzen, wurden hierzu bereits 1940 an der Robert-Koch-Straße zwei zusätzliche Eingänge gebaut. Zudem sollte ein unterirdischer Zugang direkt zum Gebäude des Klinikums geschaffen werden. Hierzu wurden Patienten rekrutiert, um einen Stollen unter das Gebäude zu graben. Die Planungen hierzu begannen im November 1944, die Arbeiten wurden mit dem Kriegsende am 19. April 1945 eingestellt. Bis dahin hatten die Patienten in Zweistunden-Schichten einen Gang von ca. 50 Meter Länge in den Fels gehauen. Zur Fertigstellung des Ganges kam es aufgrund des Kriegsendes nicht mehr. Die Idee der direkten Verbindung wurde Mitte der 1980er Jahre wieder aufgegriffen, um eine solche zwischen dem Klinikum und der Dialysestation zu schaffen. Eine Realisierung scheiterte an der Finanzierung.

In hinteren Bereich wurde der Felsenkeller für militärische Zwecke genutzt. Hier lagerte die Fa. Bachmann & von Blumenthal Teile ihrer Flugzeugproduktion ein, die sie in der unmittelbaren Nähe produzierten (der heutigen Hardhöhe).

Der Keller sollte in der Zeit des "Kalten Kriegs" zu einem atombombensicheren unterirdischen Krankenhaus ausgebaut werden. Die ersten Arbeiten wurden ab 1985 im hinteren Bereich des Kellers ausgeführt. Bis dahin gab es für die Fürther Bevölkerung ein sog. Hilfskrankenhaus in Gunzenhausen. Die Bauarbeiten zum Hilfskrankenhaus wurden 1992 eingestellt, bedingt durch die Rücknahme der bereits bewilligten Gelder des Bundes. Die Begründung war der Fall der Mauer, die Auflösung des Ostblocks und das Fehlen des Feindes im Osten, der ehem. UdSSR.

Situation heute[Bearbeiten]

Eingang zum Grüner Keller - das Bild entstand anlässlich der Wiedereinführung des Grüner Biers durch die Fa. Tucher am 29. September 2011

Heute steht die gesamte unterirdische Anlage unter Denkmalschutz und kann nur im Rahmen einer Führung des Vereins "Untergrund Fürth e. V." besichtigt werden. Das Besondere an diesem Keller sind die drei Abschnitte, die in ihm zu sehen sind: Ursprünglicher Brauerei-Keller mit Sandsteinwänden und Vorrichtungen zum Lagern und Transport von Bierfässern, der Luftschutzkeller aus der Zeit des 2. Weltkriegs mit gemauerten und verstärkten Stollen samt Infrastruktur einschließlich Toiletten und Stromleitungen sowie der Teil, in dem bereits Vorarbeiten zum Ausbau als Atombunker durchgeführt wurden, wie das Aufbringen von Spritzbeton. Der Zugang erfolgt heute von der Robert-Koch-Straße aus, in der Nähe des sog. Hexenhäuslas.

Zuweilen finden kulturelle Veranstaltungen wie (Kunst-)Ausstellungen, Filmvorführungen oder Lesungen - hier insbesondere Krimi-Lesungen - im Untergrund statt.

Beschreibung des Baudenkmals[Bearbeiten]

Umfangreiches, aus dem Fels gehauenes bzw. in Ziegelstein mit Entlastungsbögen ausgebautes Gangsystem, um 1872 als Eis- und Bierkeller der Brauerei Grüner angelegt und fortgebaut, um 1944 zu Luftschutztiefbunker ausgebaut, teilweise modern gesichert; erstreckt sich südlich Robert-Koch-Straße gegen das Städtische Krankenhaus; im Bayerischen Denkmal-Atlas nicht kartiert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Lokalberichterstattung[Bearbeiten]

  • Armin Leberzammer: Fürths dunkle Seiten: Einblick in die größte Stollenanlage. In: Fürther Nachrichten vom 21. Februar 2017 - online abrufbar
  • FN-Bilder-Galerie: Der Grüner Keller in Fürth. In: Fürther Nachrichten vom 20. Februar 2017 - online abrufbar
  • Reinhard Kalb: Abgefahrene Märchenstunde - Der Kinderliedermacher Geraldino stellt sein neues Werk im Brauereikeller vor. In: Fürther Nachrichten vom 26. Februar 2018 (Druckausgabe)

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In den Fürther Katakomben. In: Fürther Tageblatt 26./27. September 1932

Weblinks[Bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten]