Gemeinschaftsschule Stadeln

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Alte Schule Stadeln 1999.jpg
Das alte Schulhaus in Stadeln.
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Die Gemeinschaftsschule Stadeln ist der dritte Schulbau in der Schulgeschichte in Stadeln. Er diente von 1939 bis 1972 als Schule und Veranstaltungsort und musste 1999 einem Neubaugebiet weichen.


Geschichte

Bis zum Bau der ersten Schule in Stadeln, dem sogenannten „Storchenhaus“ am Fischerberg 1, im Jahr 1740 (jetzt Kindergarten), wurde einige Jahrzehnte in Privathäusern unterrichtet, aber schon von einem angestellten Lehrer. Vorher mussten die Schüler nach Fürth gehen. Diese Schule war bis 1866 in Betrieb, bevor eine neue Schule mit zwei Schulsälen, Lehrerwohnung und Gemeindekanzlei in der Stadelner Hauptstraße 96 (heute Bürgeramt Nord) erbaut und am 16. Dezember 1866 eröffnet wurde.

Als dritter Schulhaus-Neubau wurde 1939 ein sehr modernes und großzügiges Schulhaus mit Turnhalle, Lehrerwohnhaus, Kindergarten und Sportfeld an der heutigen Karl-Hauptmannl-Straße/Stadelner Hauptstraße erbaut. Die Ausstattung mit einer Reihe von Wannenbädern, einem kleinen Schwimmbad im Untergeschoss und Küche im Mittelbau lässt vermuten, dass bereits der spätere Einsatz als Lazarett, wie bei vielen Schulhäusern, in die Planung mit einfloss. Der Kindergarten wurde bis zum Kriegsende gleichzeitig als Jugend-Heim genutzt. Die Schule fungierte zuerst als „Volksschule“ und wurde 1953 dann zur „Gemeinschaftsschule“ umbenannt.

Die Amerikaner beschlagnahmten die ganze Anlage nach ihrem Einmarsch, es wurden Truppen einquartiert und später wurde alles zu einem Militärgefängnis umgewandelt. Dies dauerte bis 1948. Das heruntergekommene Gebäude konnte nach einer Renovierung 1949 wieder für Schulzwecke genutzt werden. Wegen der vielen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen und deren Kinder reichte der Platz nicht aus, so dass die ersten vier Klassen im alten Schulhaus, die höheren im neuen Schulhaus unterrichtet wurden. Darüber hinaus waren über einige Jahre noch Ausweichquartiere im Jugendheim oder in den Tanzsälen der Gasthäuser Kalb und Goldener Engel notwendig.

1959 wurde die Schule in Richtung Kindergarten mit neuen Klassenzimmern und moderner Einrichtung, wie 4er Tische anstelle der alten Schulbänke usw., erweitert. Im Untergeschoss entstanden ein modern ausgestatteter Chemie- und Physikraum, ein Werkraum und eine brandneue Schullehrküche für das Fach „Hauswirtschaftskunde“ der Mädchen. Sogar ein Trinkbrunnen im Pausenhof wurde eingerichtet. Bis zur Staatsstraße vor wurde zudem ein großer Sportplatz gebaut.

Die Turnhalle war mit Schwingboden, im Boden versenkbaren Reckstangen, Bühne und Empore modern ausgestattet. Sie diente neben den sportlichen Ereignissen, die darin abgehalten wurden, auch als ein fester Ort der Stadelner Vereine und Bevölkerung für kulturelle Feste jeder Art, vom Faschingsball bis zu Gastauftritten von Theatern uvm. Sie war mit ihrer Bühne, ihrer Größe, Konstruktion und Ausstattung dazu ideal geeignet. Mit weiter wachsenden Bevölkerungszahlen wurde 1966 allerdings schon wieder ein Anbau Richtung Norden notwendig.

Da auch dies bald nicht mehr ausreichte, wurde die Planung eines komplett neuen Schulhauses mit Kultur- und Sportzentrum an der Hans-Sachs-Straße in Angriff genommen, das dann 1972 eröffnet wurde und Entlastung brachte. 1974 war auch die neue Turnhalle fertiggestellt.

Abriss der alten Gemeinschaftsschule in Stadeln 1999

1999 wurden die alte Schule und die alte Turnhalle abgerissen. Das Gelände ist heute voll bebaut. Der Abriss des Lehrerwohnhauses folgte 2008. Von der alten Anlage von 1939 steht heute nur noch der Kindergarten, Karl-Hauptmannl-Straße 7.

Schulvorstände

  • Mühlhofer 1948 - ?
  • Söllner
  • Hauptmannl 1960 ? - 1964

Zeitzeugenberichte

Schulerlebnis 1954 – 1962 Gemeinschaftsschule Stadeln

In den ersten Schuljahren ab 1954 wurde unsere Klasse im ehem. Rathaus, jetzt Bürgeramt Nord Stadelner Hauptstraße 96 im 1. Stock, wegen Überfüllung des Schulhauses mit Lehrerin Frau Bauer, einquartiert. Andere Notquartiere waren aber auch die Tanzböden in den Gasthäusern „Goldener Engel“ und „Kalb“.

Man betrat die Schule über die Eingangshalle mit großem Mittelpfeiler, wo ein Marmorkopf von Wagner sich befand (bis 1945 stand da bestimmt ein anderer Gipskopf!!), wo rechts die Tür zum Verbindungsbau Turnhalle ging, geradeaus die Toiletten für Schüler und -rinnen und Lehrer, links das Treppenhaus und nochmal links der lange Gang auf schönen Eichendielen zu den 2 Klassenzimmern pro Stockwerk.

Im Keller waren ca. 6 abgetrennte Wannenbäder eingebaut, die anfangs der fünfziger Jahre wegen fehlender eigener Badezimmer für 30 Pfennige am Badetag Samstag gut frequentiert waren. Auch ein kleines Schwimmbassin war im Keller vorhanden. Ob diese Einbauten von den Amerikanern herrührten, die die Schule von 1945-1948 beschlagnahmt hatten und auch als Militärgefängnis nutzten, oder schon 1939 so geplant war, ist unklar. Der Hausmeister Bodenschatz stand jeden früh an der Eingangstür um zu überwachen, dass auch die Schuhe ordentlich sauber abgetreten wurden. Später wurde sogar ein Hausschuhzwang („Schlappen Erlass“) für die Klassenzimmer eingeführt. In diesem Eingangsbereich wurden auch zur Pause vom Lebensmittelladen Zaschke Brezen für 10 Pfennige und anderes Gebäck verkauft. Getränke wurden über die Schule verteilt. Es gab Kakao oder Milch erst in kleinen Glasflaschen, dann in Tetrapaks, die schön laut knallten, wenn man auf die leeren ordentlich drauftrat. Wobei mancher Kakaorest der damit raus schoss auch mal ein Hosenbein o. a. verzierte. Die Getränke wurden wöchentlich in der Klasse mittels Listen vorbestellt und auch da bezahlt. Nach dem Klingeln zum Ende der Pause stellten sich die Klassen vor dem Mittelbau mit dem Uhrentürmchen im Pausenhof immer zu zweit nebeneinander geordnet auf und genauso ordentlich wurde dann einmarschiert.

Da fällt zum Thema „klassenweise aufstellen“ noch ein, dass beim Antrittsbesuch des neuen Rektors Karl Hauptmannl alle Klassen mit Lehrer im Pausenhof Aufstellung machen mussten und er eine kurze Rede hielt als Begrüßung. Der Mittelbau zwischen Schule und Turnhalle mit dem Glockentürmchen beinhaltete einen Raum über die gesamte Länge mit Wandbänken zum Umziehen für die Turnhalle, war auch Unterrichtsraum, wenn Not am Mann war. Er wurde auch für Kino-Vorstellungen genutzt, die reisende Filmvorführer abends auch für Erwachsene vorführten. In Erinnerung blieben die Filme „Fahrraddiebe“ von de Sica von 1948 oder „Meuterei auf der Bounty“ von 1935 mit Clark Gable und Charles Laughton. Auch eine kleine Schulküche, Duschen und noch andere Räumlichkeiten waren hier. Im fensterlosen Dachgeschoss darüber mit Zugang vom Schulhausgang 1. Stock lag der Asservaten-Raum mit allen Objekten die über Jahrzehnte in einer Schule anfielen. Zu Unterrichtszwecken Landkarten jeglicher Art und Alter, wo auf einigen noch Breslau oder Ostpreußen enthalten waren, ausgestopfte Tiere, alte Drachen, Segelschiffe und Bastelwerkstücke früherer Jahrgänge und ungezählte andere Dinge. Auch einige Tische mit Glasplatten-Abdeckung, die für die Seidenraupenzucht, die alle Schulen im 3. Reich bis Kriegsende 1945 für die Seide der Fallschirmherstellung der Luftwaffe durchführen mussten, standen hier.

Im Pausenhof führte auch eine breite Treppe unter den Mittelbau bei der Turnhalle zum ehem. Luftschutzraum. Es machte damals die Runde, dass ein unterirdischer Gang vom Schutzraum unter dem Sportplatz und Staatsstraße bis zum Rande des Festplatzes führte. Als Kinder haben wir noch bei einer dichten Hecke nahe der Staatsstraße den betonierten Ausgangsschacht-Bunker, wo es einige Meter runterging aber dann nicht weiter, da der Bunkerraum voll mit Sand verfüllt war, erkundet.

Zu erwähnen wäre noch der freiwillige Schülerlotsendienst, den einige Mitschüler der 7. und 8. Klassen mit Stolz ausübten. Das dürfte so um 1960 gewesen sein, als wir durch den uns bekannten Wachtmeister Hofmann vom Verkehrsunterricht aus der Vacher Landpolizeiwache trainiert wurden. Es wurden schneeweiße Koppel, weiße Schiffchen und Schildmützen und das Wichtigste, was am meisten Spaß machte, die Kellen zum Aufhalten der Autos geliefert. Dienstzeit 1 Woche für 2 Schüler, die eine halbe Stunde früh eher da sein mussten, um sich die Attribute der Macht anzuziehen und danach sich ein Lotse am alten Rathaus und der andere vor dem Goldenen Engel Aufstellung nahm. Wenn sich eine gewisse Schülerzahl hinter einem angesammelt hatte, konnte man (endlich!!) staatshoheitlich tätig werden und auf der Straße die leider wenigen Autos aufhalten. Nach Schulschluss erfolgte die gleiche Prozedur.

Sportfest

Unsere Schule beging jährlich ein großes Sportfest auf dem Sportgelände der Schule neben der Turnhalle. Auch die bundesweit durchgeführten „Bundesjugendspiele“ aller Schulen mit den Disziplinen Weitsprung, 50 Meter Lauf und 80 Gramm Schlagball-Weitwurf. Hier wurden die Sieger der Bundesjugendspiele ausgezeichnet und viele sportliche Darbietungen aller Klassen dargeboten. Als Sahnestück ein Fußballspiel gegen eine Fürther Schulmannschaft. Dabei hatten unsere Spieler aus dem FSV Stadeln und ASV Vach kommend (Mannhofer Schüler) immer gute Karten. Als prägensten Lehrer in den 8 Jahren habe ich Oberlehrer Adolf Hesselbach *14.9.1918 + 24.12.1995, er liegt am Stadelner Friedhof begraben, in Erinnerung, den wir in der 4., in der 7. und 8. Klasse hatten. Trotz einer Kriegsverletzung und eines steifen Beins immer noch sportlich, konnte er uns Jungs an Reck und Ringen noch was vorturnen, Respekt! Er war streng, aber auch gerecht, hatte Verständnis für die Jugend und im Physikunterricht gab es manche spannende Vorführung, die uns „Ampere“ und „Atü“ gut verständlich nahe brachten. Unvergesslich wie er uns die Kreiszahl „Pi“ erklärte. Ein Schüller sollte rausgehen und sein Vorderrad vom Fahrrad ausbauen und ins Klassenzimmer bringen. Die Lauffläche wurde dick mit Kreide versehen und auf dem Boden einmal in seinen Umfang abgerollt. Die Kreidemarkierung gemessen und für (fast) jeden war es dann nachvollziehbar, die Summe des Raddurchmessers x Pi 3,14 = und das Längenmaß des Kreidestriches zu vergleichen – beide waren gleich. Das war nachvollziehbar und der abstrakte Wert „Pi“ leicht zu verstehen. Als Hobby baute er Modellflieger, was im Werkunterricht oft zur Aufgabe wurde und uns besser gefiel, als aus Peddingrohr Brotkörbchen zu flechten oder Drucke mittels Farbrolle von eigenen Linolschnitten zu machen. Ein guter Lehrer.

Turnhalle

Die Ausstattung der Turnhalle mit Schwingboden, versenkbaren Reckstangen, Bühne, Empore und dem großen Sportplatz bis zur Staatsstraße vor war für eine kleine Gemeinde fast zu groß konzipiert. Aber nach der Schülerexplosion nach dem Krieg optimal in Größe und Ausstattung. Neben allen schulischen Belangen mit optimalen Bedingungen war die „Turnhalle“ als Begriff für jede Art Unterhaltung aus Stadeln nicht wegzudenken. Rauschende Faschingsbälle aller Vereine mit der unter der Bühne befindlichen Bar namens „Hölle“, Theateraufführungen von Fremdanbietern aber auch eigene Vorstellungen der Vereine, wie zum Beispiel die "Weihnachtsvorstellung" mit den Kindern des VdK als Rahmenprogramm für das große Weihnachtsfest dieses Vereins, fanden hier statt. Jedes Jahr warteten wir Kinder, welches Stück ausgewählt wurde und auf die Rollenverteilung und Textvorlagen. Die Proben abends auf der Bühne und dann endlich der große Abend auf der Bühne, wo man auch als Zwerg, Fliegenpilz oder Baum eine wichtige Rolle hatte. Ich erinnere mich an das Stück „Die Sterntaler“, wo die hunderten aus Buntpapier gebastelten „Taler“ von der Bühnendecke regneten. Es gab Vorführungen zum Beispiel der Turner vom MTV und viele andere Sachen an diesem Ort, die leider längst Vergangenheit sind. Im Jahre 1999 wurde unsere alte Schulanlage nach 60 Jahren wegen des Neubaus der neuen Schule mit Turnhalle an der Hans-Sachs-Straße von 1972 überflüssig und abgerissen und später überbaut, wie es sich heute darstellt. „Unsere“ Schule und Turnhalle waren verschwunden…

„NP“ Schüler von 1954-1962

Unsere Lehrer

  • 1954 Frau Bauer
  • 1955 Fräulein Wannie
  • 1956 Frau Scholz
  • 1957 Oberlehrer Adolf Hesselbach (kam aus Eltersdorf)
  • 1958-59 Lehrer Göbel
  • 1960-1962 Oberlehrer Adolf Hesselbach

Siehe auch

Bilder