Heiligenstraße 33-59

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NL-FW 04 1054 KP Schaack Heiligenstraße 33-59 17.2.1999.jpg
Reihenhäuser Heiligenstraße 33-59, auch als "Stadtmauer" bekannt, erbaut als Lärmschutzwall 1998. Aufnahme vom Februar 1999
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Straße / Hausnr.
Heiligenstraße 33-59
Objekt
Reihenhäuser Zeile
Geokoordinate
49° 28' 49.75" N, 10° 59' 21.84" E
Gebäude besteht
Ja
Denkmalstatus besteht
Nein

Die Reihenhauszeile Heiligenstraße 33–59 mit 30 Einheiten wurde 1998 anstelle der bereits um 1980 abgerissenen Altbauten Heiligenstraße 31 bis 47 (ehemals) errichtet.

Anfangs war hier eine Lärmschutzwand als Trennung und Lärmschutz zwischen der vielbefahrenen Nordspange und der Altstadt geplant, die von der Stadt zu zahlen gewesen wäre. Als Ersatz erbaute die Firma „Kleeblatt Wohnbau“ für 10 Millionen DM diese Häuserzeile. Jedes Haus soll 102 m2 Wohnfläche, Dachterrasse und einen integrierten Carport haben.

Da der Baugrund auf dem früher verlaufenden Flussbett der Pegnitz, die sandige Ablagerungen hinterließ, nicht ausreichend tragfähig war, mussten zur Gründung Bohrpfähle aus Beton bis 11 m in die Tiefe getrieben werden, weil erst nach 9 m Tiefe stabiler Sandstein ansteht.[1]

Durch die Bauweise und die schallschutzbedingten, winzigen Fenster zur Nordspangenseite bekam die Häuserzeile im Volksmund schnell die Bezeichnung Stadtmauer. Neben dem turmartigen Häuserzeilenabschluss Heiligenstraße 33 des 1. Bauabschnitts (BA) wurden weitere Häuser über der Einmündung der Heiligenstraße in die Nordspange Richtung Angerstraße als 2. BA geplant und im Jahr 2000 fertiggestellt.

Kritische Meinungen[Bearbeiten]

Seit die Stadtmauer an der Nordspange Gestalt angenommen hatte, mehrten sich kritische Stimmen, die zum Beispiel von einem Korsett für die Altstadt sprachen. Nicht wenige sahen durch die Reihenhauszeile mit den 30 Wohneinheiten, die gleichzeitig als Lärmschutzwall fungiert, die Altstadtkulisse beeinträchtigt. Anwohner fühlten sich durch den Komplex vor ihrer Haustür regelrecht erschlagen. Die Stadtheimatpflegerin Barbara Ohm zeigte sich entsetzt. Bedenken gegen das "kasernenartige" Erscheinungsbild hatte sie zwar schon im Rahmen der Baugenehmigung vorgebracht, jedoch ohne Wirkung. Bei der Stadt hatte man die Firma Kleeblatt Wohnbau, die sich kurzfristig zu dem Zehn-Millionen-DM-Projekt entschlossen hatte, jedoch gerne beauftragt. Beim Baureferat und beim Stadtrat war die Erleichterung groß, sparte sich die Kommune doch auf diese Art selbst einen Millionenbetrag. Denn wären die Reihenhäuser nicht entstanden, hätte Fürth auf eigene Kosten eine Lärmschutzwand entlang der Pegnitzstraße hochziehen müssen, um die Altstadt vor dem zunehmenden Autolärm abzuschirmen, der durch den vierspurigen Ausbau der Nordspange zu erwarten gewesen war.

Doch noch vor den finanziellen Aspekten rangierten städtebauliche Überlegungen. Von einem bewohnten Lärmschutzwall versprach man sich auch eine ansprechendere Ästhetik als durch eine schmucklose Mauer. Entsprechende Pläne hatte die Stadt schon Anfang der 1990er Jahre entwickelt. Durch das Überangebot auf dem Immobilienmarkt nach dem Abzug der Amerikaner waren zunächst interessierte Investoren wieder abgesprungen. Bis die Kleeblatt Wohnbau in letzter Minute auf den Plan trat und die alten Ideen wieder aufgriff. Selbst Stadträte gestanden, dass sie bei Ansicht der neuen Häuserzeile nicht gerade erbaut waren. Und Barbara Ohm versicherte, dass ihr selten so viel Negativurteile zu einem Bauprojekt zu Ohren gekommen seien, wie in diesem Fall. Dabei gab Ohm zu, dass auch sie sehr davon angetan war, statt der Lärmschutzwand eine Wohnbebauung als sinnvollen Abschluss des nördlichen Altstadtrandes zu realisieren. Allein die Ausführung entspreche nicht ihren Vorstellungen. Kein Verständnis für die Empörung zeigte die ausführende Firma Kleeblatt Wohnbau. Deren Geschäftsführer Werner Frischbier widersprach insbesondere der Stadtheimatpflegerin Barbara Ohm, der er sogar den nötigen Sachverstand absprach.

Immerhin Verständnis für die Kritik am Erscheinungsbild der neuen Häuserzeile ließ der städtische Baureferent Joachim Krauße erkennen. "Etwas mehr Individualität" bei der Gestaltung der jetzt "sehr schlichten Reihenhäuser" hätte auch er sich gewünscht. Die Häuserzeile stehe etwas "hart in der Landschaft", sei ein "monolithisches Bauwerk". Allerdings habe man froh sein müssen, überhaupt noch Investoren für das Projekt zu finden und deshalb Abstriche in Kauf genommen. Auch wenn nicht das Optimale herausgekommen sei ließ Krause an seiner Haltung keinen Zweifel. Die "bewohnte Stadtmauer" sei ihm selbst in dieser Form allemal lieber als eine reine Lärmschutzmauer.[2]

Fürth – mangelndes Selbstwertgefühl: Da wird ohne Einfühlung Neues gegen Altes ersetzt. Es zählt also nur das vordergründig Nützliche. Oder man lässt Neubauten zu, die nur dem nackten Kommerz entsprechen und nicht zu einer positiven Weiterentwicklung beitragen. An einer höchst sensiblen Stelle der Stadt, am nördlichen Rand der Altstadt, konnte eine Bebauung entstehen, die zu allem Überfluss auch noch als „Stadtmauer“ bezeichnet wird. Gerade aus dem Zusammentreffen von Alt und Neu hätte eine äußerst reizvolle Situation werden können. Aber unmittelbar vor der Altstadt steht nun Primitives. An Stelle einer Aufwertung fand eine Abwertung statt.[3]

Lokalberichterstattung[Bearbeiten]

  • Wolfgang Händel: Startschuss für die Stadtmauer – Bestandteil des Lärmschutz für die Nordspange – Heiligenstraße wird verlegt – Parkfläche verloren – problematischer Untergrund. In: Fürther Nachrichten vom 8. April 1998 (Druckausgabe)
  • Projekt "Stadtmauer" bekommt Konturen. In: Fürther Nachrichten vom 26. Mai 1998 (Druckausgabe)
  • Die "Stadtmauer" nimmt Gestalt an. In: Fürther Nachrichten vom 22. Juli 1998 (Druckausgabe)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Händel: Startschuss für die Stadtmauer. In: Fürther Nachrichten vom 8. April 1998 (Druckausgabe)
  2. Fürther Nachrichten vom 5. Februar 1999 - Druckausgabe
  3. In: Fürther Heimatblätter Heft 4/2000, S. 114

Bilder[Bearbeiten]