Kirche St. Paul

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Kirche St Paul ca 1930.jpg
Kirche St. Paul in der Südstadt, ca. 1930
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Konfession
evangelisch-lutherisch
Weihedatum
17. September 1900
Besonderheit
Turm (70 m), 1.000 Sitzplätze

Die Kirche St. Paul (umgangssprachlich: Paulskirche) ist eine evangelische Kirche in der Fürther Südstadt.

Beschreibung des Baudenkmals[Bearbeiten]

Sandsteinquaderbau mit Satteldach, polygonal schließenden Kreuzarmen, polygonalem Chor und Fassadenturm mit Spitzhelm, Saalbau mit Kreuzrippengewölbe und Emporen in den Abseiten, neugotisch, von Karl Lemmes, 1897-1900; mit Ausstattung.

Der fast 70 m hohe Turm ist der höchste Kirchturm in Fürth.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Kirche St. Paul, Fürth, fotografiert von Nordosten. © St. Paul, Fürth

Die Kirche St. Paul steht in der Südstadt auf dem Dr.-Martin-Luther-Platz. Die Anschrift der Kirche lautet: Amalienstr. 64, 90763 Fürth. Die Anschrift des Pfarramtes ist Dr.-Martin-Luther-Platz 2.

Der Dr.-Martin-Luther-Platz verläuft parallel zur Amalienstraße und verbindet die westlich gelegene Simonstraße mit der östlich liegenden Winklerstraße.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Kirchturm St. Paul
© St. Paul, Fürth
St. Paul, Innen 2004
© St. Paul, Fürth

Aufgrund der Zunahme der evangelischen Bevölkerung in der Südstadt wurde am 28. März 1882 ein Kirchenbauverein mit dem Ziel der Errichtung einer dritten evangelischen Kirche samt Pfarrhaus gegründet. 1894 wurde der Bau einer Kirche beschlossen, die mindestens für 1 000 Gläubige Platz bieten sollte, andererseits wollte man den Betrag von 175 000 Mark für den Rohbau nicht überschreiten. Unter den eingereichten Entwürfen erhielt der Münchener Architekt Karl Lemmes den Auftrag, eine in einfachen gotischen Formen gehaltene Kirche zu erbauen.

1898 hatte der Kirchenbauverein Mittel in Höhe von 122 000 Mark gesammelt. Kommerzienrat Ludwig Winkler setzte sich sehr für den Kirchenbau ein, ihm zu Ehren wurde eine an die Kirche anliegende Straße nach ihm „Winklerstraße“ benannt. Der erste Spatenstich erfolgte am 1. September 1897, der Grundstein wurde am 31. Oktober 1897 gelegt.

„Erschienen waren Vertreter aller staatlichen Behörden [...], die protestantische Geistlichkeit in corpore, ein Vertreter der katholischen Geistlichkeit und Herr Rabbiner Dr. [Jakob Imanuel] Neubürger. Die Anwesenheit der beiden letztgenannten Herren wurde allseits angenehm bemerkt als ein Zeichen der in hiesiger Stadt herrschenden Toleranz.“ [1]

Das Richtfest konnte am 8. Oktober 1898 gefeiert werden. Mit der Kreuzaufrichtung auf dem Turm konnte der äußere Rohbau am 2. August 1899 abgeschlossen werden. Die Bildhauerarbeiten stammen von Wilhelm Rögner.

Die ursprünglich vier Glocken, gegossen in Apolda, waren eine Stiftung des Ehepaares von Ulrich (nach einer anderen Quelle Ehepaar Fröhlich[2] ). Am 30. September 1899 erklang das Geläute zum ersten Mal (Mollakkord: des fes ges as). Im Zweiten Weltkrieg mussten drei der Glocken abgegeben werden und wurden eingeschmolzen; erhalten blieb die zweitgrößte (mit der Inschrift "Alles, was Odem hat, lobe den Herrn" und als Anmerkung: "Franz Schilling goss mich in Apolda 1899"). Am 20. September 1953 wurde die neue größte Glocke mit 2 000 kg wieder eingebracht. Im Jahr darauf waren auch die beiden kleineren Glocken wieder vorhanden. Die drei neuen Glocken wurden diesmal in Sinn an der Dill bei der Firma Rincker gegossen.

Die ebenfalls im letzten Krieg verlorengegangenen drei Glasfenster des Chores stammten aus der Glaskunstwerkstatt von Karl Ule, München, die Rosette über dem Hauptportal wurde von Joseph Scheppach, Nürnberg, gestaltet. Die Orgel wurde von der Nürnberger Orgelbauwerkstatt Johannes Strebel erbaut. Die Baukosten für die Kirche (ohne Bauplatz) betrugen rund 340 000 Mark.

Am 17. September 1900 fand die Weihe der Kirche statt.

Im Jahr 2018 wurde eine umfassende Generalsanierung und Umgestaltung des die Kirche umgebenden Dr.-Martin-Luther-Platzes durchgeführt. Der Platz erhielt unter anderem neue Sitzbänke und einen neuen Kinderspielplatz mit Trampolin. Die Kosten beliefen sich auf rund 600000 Euro. Der Maßnahme fielen einige Bäume und Gebüsche zum Opfer.[3]



Musik in der Konzertkirche[Bearbeiten]

Chororgel
© St. Paul, Fürth
Hauptorgel
© St. Paul, Fürth

Die Fürther Orgeltage hatten in St. Paul ihren Ursprung. Am 2. Mai 1964 wurde die mechanische Schleifladenorgel als größte Orgel Fürths eingeweiht. Nachdem St. Paul „die Konzertkirche“ in Fürth geworden war, wurde für diese Anforderungen zusätzlich zur Hauptorgel eine Chororgel angeschafft und am 12. November 1972 eingeweiht.
Die Besonderheit ist, dass vom Spieltisch hinter dem Altar die gesamte Hauptorgel über Fernbedienung gespielt werden kann. Der Organist kann somit auf zwei Orgeln gleichzeitig spielen.[4]

Die Kirchenmusikdirektorin Luise Leikam (1923-2008), die Kantorin der Kirchengemeinde St. Paul, gründete außerdem den Posaunenchor.[5] Noch im Jahr 2005 leitete sie ein Ensemble für Flöte und Klavier.

Pfarrer[Bearbeiten]

  • Die ersten drei Jahre hatte die Kirche - trotz mehrerer Petitionen - keinen Pfarrer. Erst 1904 wurde hier eine Pfarrei errichtet.[6]
  • 1905 - (1909?): Christoph Fikenscher
  • 1911 - (1927?): Jakob Schnabel
  • 1928 - (1929?): John Schmidt
  • 1932 - (1955?): Ferdinand Krauß
  • aktuell: Martin Adel

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Wanderfalken[Bearbeiten]

Seit 2002 brüten im Turm von St. Paul Wanderfalken.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Evangelischer Kirchenbauverein < Fürth i. Bayern>: Denkschrift zur Feier der Einweihung der St. Pauluskirche zu Fürth am 17. September 1900, dargereicht vom Evangel. Kirchenbauverein Fürth: Evang. Kirchenbauverein, 1900, 12 S. : Ill.
  • 50 Jahre St. Paulus-Kirche in Fürth. [Pfr. Krauß ...]. Fürth: Evang.-Luth. Pfarramt St. Paul, [1950]. - 48 S. : Ill.
  • "104 Jahre Orgeln 40 Jahre Walcker Orgel in Fürth St. Paul" pdf-Datei

Lokalberichterstattung[Bearbeiten]

  • Volker Dittmar: Neue Heimat in Sicht. In: Fürther Nachrichten vom 4. März 2010 - online abrufbar
  • Volker Dittmar: 118 Jahre altes Gotteshaus erhält ein neues Umfeld. In: Fürther Nachrichten vom 27. August 2018 (Druckausgabe) bzw. Südstadt: Die Paulskirche erhält ein neues Umfeld. In: nordbayern.de vom 28. August 2018 - online abrufbar
  • Volker Dittmar: Endspurt auf der Baustelle vor St. Paul. In: Fürther Nachrichten vom 5. November 2018 (Druckausgabe) bzw. Mehr Glanz für St. Paul: Endspurt auf der Baustelle. In: nordbayern.de vom 5. November 2018 - online abrufbar
  • Armin Leberzammer: Signal für eine bunte Südstadt. In: Fürther Nachrichten vom 12. November 2018 (Druckausgabe)
  • Sebastian Müller: Erstklässler werden in St. Paul gesegnet. In: Fürther Nachrichten vom 11. September 2019 (Druckausgabe)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Kirchengemeinde St. Paul Fürth - im Internet
  • MONATSGRUß der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Fürth St. Paul - im Internet
  • Dr.-Martin-Luther-Platz, Fürth - im Internet
  • Stadt Fürth, Die Wanderfalken auf St. Paul - im Internet
  • St. Paul, Die Wanderfalken auf St. Paul - im Internet

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fürther Zeitung vom 1. November 1897. In: 50 Jahre St. Paulus-Kirche in Fürth. [Pfr. Krauß ...]. Fürth: Evang.-Luth. Pfarramt St. Paul, 1950, 48 S.; hier: S. 5
  2. Fürth 1887-1900, Käppner-Chronik, Teil 1. Hrsg: Bernd Jesussek, 2015, S. 72
  3. Volker Dittmar: »Endspurt auf der Baustelle vor St. Paul«, In: Fürther Nachrichten vom 5. November 2018, S. 31
  4. Hauptorgel und Chororgel - im Internet
  5. Peter Plonka: Posaunenchor von Fürth St. Paul. In: Monatsgruß St. Paul, gemeinde aktuell, Oktober 2009 - PDF-Datei
  6. Fürth 1901-1910, Käppner-Chronik, Teil 2. Hrsg: Bernd Jesussek, 2003, S. 18 und S. 21
  7. Die Wanderfalken auf St. Paul

Bilder[Bearbeiten]