Georg Schildknecht (geb. 30. April 1850 in Fürth, gest. 16. April 1939 in München) war ein Kunstmaler [1], der gemeinhin als Genremaler klassifiziert wird [2]. Georg Schildknecht kam aus der Künstlerfamile Schildknecht und war der Sohn von Christoph Schildknecht und wurde in dem Haus Gustavstraße 32 geboren. Er war verheiratet mit Anna Margaretha, geb. Niedermayer (geb. 5. August 1853 in Regensburg, gest. 2. Dezember 1945 in München), mit der er einen Sohn (Hans Schildknecht), der ebenfalls Maler und Photograf wurde, und eine Tochter (Hedwig) hatte.

Leben und Studium

Nach der Schulausbildung studierte Schildknecht an der Akademie für Kunst in Nürnberg bei August von Kreling und Karl Raupp. Anschließend wechselte er an die Kunstakademie in Düsseldorf zu Prof. J. A. Roeting. Von 1875 bis 1881 hatte er in Leipzig eine Professur. Ab 1881 arbeitete er in München, wo er der Münchner Künstlergenossenschaft angehörte. Schildknecht spezialisierte sich auf die Darstellung von bäuerlichen Charakterköpfen, die er sich in der Umgebung Münchens suchte.

 
Zeitungsnotiz zum Verschwinden eines Schildknecht-Gemäldes im Pariser Salon 1897
 
Anna Margaretha Schildknecht mit Tochter Hedwig, Öl-Bild von G. Schildknecht
 
Fingerhakeln, Öl-Bild von G. Schildknecht

Seine Bilder wurden u.a. im Münchner Glaspalast [3] und auch im Pariser Salon ausgestellt [4]. Im Pariser Salon erhielt er die Mention honorable auf der Internationalen Kunstausstellung im Glaspalast 1909 wurde er mit der Goldenen Medaille ausgezeichnet [5].
Schildknechts Gemälde waren so begehrt, dass sie sogar gestohlen wurden. Wie die Münchner Neusten Nachrichten vom 15. August 1897 berichteten, musste das Beaux Arts in Paris, das auf unerklärliche Weise abhanden gekommene Gemälde Schildknechts in bar ersetzen [6]. Ein weiterer Diebstahl ereignete sich fünf Jahre später 1902 am gleichen Ort, mit entsprechendem Presseecho.

Kronprinz Luitpold und König Ludwig III. erwarben Schildknecht-Bilder für ihre privaten Sammlungen. Die "Bauernfrau aus Schorndorf" aus dem Besitz der Neuen Pinakothek konnte jahrelang als bayerische Leihgabe in der "Bayern-Suite" des Gästehauses der Bundesregierung auf dem Bonner Petersberg bewundert werden (bis 1999) [7].
Am 30. Dezember 1904 wurde Schildknecht mit dem Titel "königlicher Professor" vom bayerischen König Luitpold ausgezeichnet. In Fürth zählt Georg Schildknecht zu den Inhabern der Goldenen Bürgermedaille. Diese scheint er anlässlich seines 75. Geburtstages bekommen zu haben. Das Original Dankesschreiben an Oberbürgermeister Wild vom 8. Juli 1925 existiert im Stadtarchiv Fürth.

Nach dem Ersten Weltkrieg war er ziemlich verarmt und malte einige Bilder seiner früheren Werke immer wieder, um mit den beliebten Motiven noch etwas Geld zu machen. Manche Darstellungen führte er auch als Holzstiche aus. Die späten Gemälde erreichten aber selten die Qualität der frühen, was einerseits daran liegen mochte, dass die benutzten Materialen in der Nachkriegszeit nun minderwertiger waren. Andererseits ließ im Alter auch seine Augenkraft nach. Mittlerweile tauchen im Kunsthandel auch Fälschungen auf. Georg Schildknecht signierte seine Werke immer am oberen Rand der Bilder und verwendete nur den Familiennamen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg initiierte Oberbürgermeister Hans Bornkessel eine Ausstellung "Kunst im Fürther Haus". Dazu rief er die Fürther Bürger auf, Kunstwerke aus privatem Besitz zur Verfügung zu stellen. "Die Ausstellung soll einen ersten Anfang in der Richtung bilden, das kulturelle Leben unserer Stadt neu zu beleben. Es sollen Originalkunstwerke (Gemälde, Graphiken, Plastiken) aus Fürther Privatbesitz ohne Unterschied der Zeit ihrer Entstehung und ohne Unterschied des Ortes ihrer Herkunft gezeigt werden, soweit sie öffentliches Interesse verdienen ..." [8]. Insbesondere rief Bornkessel dazu auf Gemälde von Georg Schildknecht zur Verfügung zu stellen, die er in Fürther Häusern wähnte.

Das Gemälde "Beim Notar" (ca. 50 cm x 35 cm ohne Rahmen) befindet sich im Besitz der "Kunstfreunde Fürth e. V." und wird im Depot der Stadt Fürth im Schloss Burgfarrnbach verwahrt.

Einzelnachweise

  1. Georg Schildknecht. In: Adolf Schwammberger: Fürth von A bis Z. Ein Geschichtslexikon. Fürth: Selbstverlag der Stadt Fürth, 1968, S. 317 ff.
  2. z.B. im "Allgemeinen Lexikon der Bildenden Künste von der Antike bis zur Gegenwart", Band 30, 1936, Seite 66; oder im "Leipzig-Lexikon" - online
  3. siehe "Aus dem Glaspalaste" in: Münchner Neueste Nachrichten vom 22.11.1912;
    oder "Aus dem Glaspalaste" in: Münchener Post vom 4. September 1912
  4. siehe "Le Salon De 1888" in: L'Esprit Pratique vom 20. Mai 1888, "M. Georg Schildknecht se montre un grand maître dans son Landmann aus Oberbayern (Algemade). Voilà de l'art sérieux, qui montre un grand dessinaieur et um excellent coloriste."
    und "Promenade au Salon" in: Feuilleton du Journal des Débats vom 18. Juni 1899
  5. Adolf Schwammberger: Fürth von A bis Z, Seite 316
  6. "150 Jahre Georg Schildknecht - Ein kleiner Beitrag zur Fürther Kunstgeschichte" in: Ahnenunterlagen Schildknecht Georg, Anna Margaretha Schildknecht, Hedwig Schildknecht, Hans Schildknecht, Ferdinand Schildknecht; Privatarchiv B
  7. Schildknechtarchiv "Georg Schildknecht 1850 - 1939, Museen, Zeitungsartikel, Literatur, Fotos" in: Privatarchiv B
  8. Dr. Bornkessel, Bekanntmachung der Stadtverwaltung - Ausstellung "Kunst im Fürther Haus" in: "Mitteilungen der Amerikanischen Militärregierung Fürth, der Stadtverwaltung Fürth, des Amtsgerichts Fürth und sonstiger Behörden" vom 20. April 1946

Siehe auch

Weblinks

  • rtnet - Online Plattform für den internationalen Kunstmarkt, abgerufen 28. Dezember 2014 | 17.55 Uhr - online abrufbar
  • Georg Schildknecht bei Wikipedia

Bilder