1872

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Ereignisse in Fürth im Jahr 1872



Kurz-Chronik 1872

Personen

Geboren 1872

PersonGeburtstagGeburtsortBeruf
Marcus MandelPolenGeschäftsführer, Händler
Johann Schmidt11. AugustFalkenauStadtrat, Gemeindebevollmächtigter, Direktor, Politiker

Gestorben 1872

PersonTodestagTodesortBeruf
Johann Aldinger22. AugustHerrenbergtheimPfarrer
Friedrich Bürklein4. DezemberWerneckArchitekt
Paul Camille von Denis3. SeptemberBad DürkheimIngenieur
Carl Feust18. AugustFürthRechtsanwalt
Wilhelm Löhe2. JanuarNeuendettelsauPfarrer, Theologe
Karl August von Solbrig31. MaiMünchenArzt, Psychiater

Bauten

Politik und Wirtschaft

Veröffentlichungen

Sonstiges

Fronmüllerchronik

[...]. 23. Januar. Eine vom Magistrate in der Angelegenheit der Nürnberg-Crailsheimer Bahn nach München entsendete Deputation, bestehend aus Rechtsrath Langhans, Dr. Landmann und Kaufmann Münch, hat vom Minister Grafen Hengenberg die beruhigende Erklärung erhalten, daß man, wenn sich nicht besondere technische Schwierigkeiten ergeben sollten, gewiß den wirthschaftlichen Interessen einer als Industrieplatz so wichtigen Stadt Rechnung tragen werden. [...]. Anfang dieses Monats ging eine Eingabe der hiesigen Gemeinde an die Kammer der Abgeordneten in Betreff der Führung der Nürnberg-Ansbacher Bahn ab. [...]. Kaufmannsgattin Kolb, Notarsgattin Ortenau und Apothekerswittwe Mayer haben noch nachträglich das Verdienstkreuz für ihre aufopfernde Thätigkeit in den Jahren 1870/71 erhalten. - Rechtskoncipient Wilhelm Hönig ist zum Rechtsanwalt in Fürth ernannt worden. Simader, Joh. Leonh., Büttnermeister, errichtet eine Weinwirtschaft. Am 6. März Nachmittags gegen 4 Uhr wurde hier eine Erderschütterung in einem großen Theile der Stadt, namentlich in dem südwestlichen, wahrgenommen. [...]. Von der Seite der Abgeordnetenkammer wurde am 12. März folgender Ausschußantrag [...] angenommen: „es seien die Eingabe der Stadt Fürth (bezüglich der Richtung der Nürnberg-Crailsheimer Bahn über Fürth) [...] der Staatsregierung mit der Bitte hinüberzugeben, [...] die Bitten dieser Gemeinde zu berücksichtigen.“ [...]. Die hier seit 21 Jahren erschienene Gewerbzeitung (das Organ des hiesigen Gewerbvereins) ging ein, und zwar wegen Sistirung der bisher vom Staate geleisteten Subvention und wegen der in Folge der Gründung des bayr. Gewerbmuseums von demselben zu erwartenden gewerblichen Zeitschrift. [...]. Am 22. März wurde das Hofgebäude des Gürtlermeisters Joh. Adam Rausch durch Brand beschädigt, Theaterstr. Nr. 12. - Dem Kaufmann Bernhard Braun wurde zur Bereitung der Benzoësäure in seinem Anwesen (Nürnberger Landstraße) auf Grund eines von Sachverständigen erhaltenen Gutachtens vom Magistrat die Genehmigung ertheilt. [...]. Die schon seit Wochen von den Fürther Maurer-, Steinhauer- und Zimmergehilfen mit ihren Arbeitgebern geführten Unterhandlungen haben Anfang April zu einem friedlichen Uebereinkommen geführt, nachdem eine Lohnerhöhung von 12 Procent und 10stündige Arbeitszeit von den Meistern bewilligt wurde. Am 23. gelang es der Polizei, in der Person des Flaschnergesellen Konrad Graf von Streitberg den Baumfrevler zu ermitteln, der auf dem Wege von hier zur Kreuzung gegen 50 junge Alléebäumchen abgebrochen hatte und zwar, wie er selbst angab, aus Rache, weil ihm der Magistrat irgend ein Gesuch abgeschlagen hatte. - Brandschädigung erlitt am 10. April 1882 [sic!] das Wohnhaus des Wirthes Neidhard, Alexanderstr. 25. April. In Nürnberg ist eine Anzahl von etwa 50 Männern aus Nürnberg und Fürth zusammengetreten, um die Verbindung beider Städte durch eine Pferdebahn zu berathen. Zum Behufe der Einleitung dieser Angelegenheit wurde ein Komité gewählt [...]. [...]. Am 6. Mai hat hier ein ziemlich umfangreicher Strike der Goldschlägergehilfen begonnen. [...]. Im Mai d. J. errichteten Lorenz und Emil Scheidig eine Goldleistenfabrik Theresienstr. Nr. 6. Am 9. Mai fand unter zahlreicher Betheiligung die Eröffnung des komfortabel eingerichteten Feldschlößchens bei Muggenhof statt, eines von Ingenieur Scheidemantel neugegründeten Gesellschaftslokal und Parkes. [...]. Ende Juni wurde auf dem alten Friedhofe das von der Gemeindeverwaltung, mit Zuhilfenahme eines Geschenkes von Seite des Bürgervereins, dem Andenken der Krieger, welche im Verlaufe des deutsch-französischen Krieges hier gestorben sind und beerdigt worden sind, gewidmete Denkmal aufgestellt, eine Siegesgöttin aus Terracotta auf hohem Postamente. [...]. An die Stelle des verstorbenen Studienlehrers Bandasch an der Lateinschule kam Studienlehrer Richter. Das Bezirksamt Nürnberg hatte ausgesprochen, daß die Stadtgemeinde Fürth zur Leistung der Handdienste für Unterhaltung der Dooser Brücke verpflichtet sei. In der Magistratssitzung vom 11. Juli empfahl Rechtsrath Langhans [...] gegen das Verfahren des Bezirksamtes Nürnberg das Rechtsmittel des Rekurses zu ergreifen, welchem Antrage der Magistrat beistimmte. [...]. In der Magistratssitzung vom 22. Juli lag eine Eingabe, betreffend den „Nothschrei“ der Obsthändler gegen die Bienen vor, welche in ungeheuren Massen die Verkehrsplätze derselben umschwärmen und nicht allein Beschädigung am Obst, sondern auch dadurch Schaden veranlassen, daß die das Publikum hindern, an die Verkaufsstellen zu treten. Ursache sei das Ueberhandnehmen der Bienenzucht in hiesiger Stadt. Der Magistrat mußte den Petenten Selbsthilfe empfehlen. [...]. Am frühen Morgen des 29. Juli brach in einer Bodenkammer des Silberschlägers Joh. Leonh. Linz, Wassergasse Nr. 15, ein Brand aus. [...]. Beschädigungen erlitten übrigens auch die anstoßenden Gebäude der Bierbrauereibesitzer Gebrüder Grüner und der Wirthswittwe Marg. Käferlein. Am 1. August beschloß der Magistrat, ein Asyl für Obdachlose im Feuerhaus am israelitischen Friedhof herzustellen. [...]. Zur Anzeige kam, daß sich hier ein „socialdemokratischer Verein gebildet habe, [...]“. Derselbe wurde in das Verzeichnis der politischen Vereine aufgenommen. Zur Abhaltung eines Arbeiterfestes, welches die Fürther Socialdemokraten am 11. d. M. mit einem Umzuge durch die Stadt veranstalten wollten, wurde die Genehmigung ertheilt. Am 21. August fand unter zahlreichem Geleite die Beerdigung des Kgl. Advokaten Dr. jur. Karl Feust, Ritter des St. Michaelsorden I. Klasse, eines ausgezeichneten juristischen Schriftstellers statt. - Die Vorstände des Verbandes der Brillenfabrikation erließen am 23. August einen Aufruf an die Brillenverfertiger in Fürth und Umgegend, um durch Zusammenhalten den neuentstandenen großen Brillenfabriken Widerstand leisten und die Selbstständigkeit in der Arbeit wahren zu können. Am folgenden Tag schon folgte eine Erwiederung der Arbeiter der Gebrüder Scheidig'schen Brillenfabrik [...]. [...]. Der jüngst verstorbene Pfarrer Joh. Aldinger in Bergtheim vermachte letztwillig 300 fl. zu einer Stipendienstiftung für Studirende, mit der Bestimmung, daß der Magistrat Fürth die Verwaltung übernehmen solle. Dr. Philipp Feust wurde an Stelle seines jüngst verstorbenen Vaters Dr. Karl Feust zum K. Advokaten dahier ernannt. Pfarrer Stirner beging am 15. September sein 25jähriges Amtsjubiläum. [...]. Am 19. September beschloß der Magistrat, gegen die von einer Aktiengesellschaft beabsichtigte Anlage einer Sodafabrik in der Nähe der Fürther Kreuzung unter der Bedingung keine Erinnerung zu erheben, daß die Einrichtung und Betrieb der Fabrik auf die von der Direktion angegebene Weise erfolge und daß alle jene Vorsichtsmaßregeln zur Anwendung gelangen, welche in einem vom Chemiker Dr. Langhans erhaltenen technischen Gutachten als erforderlich zur Verhütung einer Benachtheiligiung der Stadt Fürth bezeichnet worden sind. In der Magistratssitzung vom 24. September berichtete der Bürgermeister John bezüglich der immer schlimmer drohenden Umgehung Fürths durch die Nürnberger-Crailsheimer Bahn. Die eigentliche Frage sei die: „soll durch die direkte Leitung dieser Bahn der Handel und Verkehr im Allgemeinen und der Stadt Fürth im Besonderen vernachlässigt werden, damit die Nürnberger Personen und Güter einige Minuten früher an ihrem Ziele ankommen, oder soll, indem man über Fürth baut, eine Fahrzeit von einigen Minuten geopfert werden, damit der Handel und Verkehr die unabweisbare Berücksichtigung findet?“ Doch sei die Sache noch nicht als verloren zu betrachten und die Entscheidung von allerhöchster Stelle noch nicht getroffen. Der Vorschlag eines Magistratsrathes, eine Volksversammlung einzuberufen und eine Massendeputation nach München zu schicken, konnte natürlich nicht auf Berücksichtigung rechnen, zeugt aber von der tiefen Aufregung, welche über diese Angelegenheit damals in der Bürgerschaft herrschte. Am 30. September, dem Kirchweihmontage, fand Abends ein großartiger Exceß statt, welcher die Bürgerschaft in große Aufregung versetzte. Es handelte sich um eine bereits vorher geplante Erstürmung des Rathhauses durch eine gewaltthätige Rotte. [...]. Steinwürfe zertrümmerten zahlreiche Fenster des Rathhauses; zur Ruhe auffordernde Bürger wurden mißhandelt und verwundet. Umsonst mahnte der Bürgermeister zur Ordnung und sah sich, da die Drohungen der Menge immer heftiger wurden und nun sogar große Steine gegen das Rathhaus geschleudert wurden, gezwungen, nach Nürnberg um militärische Hilfe zu schicken. Mittlerweile hatte sich derselbe nebst der Polizeimannschaft in das Rathhaus zurückgezogen. Die Thore wurden geschlossen und von innen verbarrikadirt. [...]. Jetzt wurden die Rathhausfenster förmlich bombadirt, zu welchem Zwecke auch das Pflaster aufgerissen wurde. Im Rathhaus selbst [...] hatte man sich schon auf das Aeußerste gefaßt gemacht und mit geladenen Gewehren das Eindringen der Excedenten erwartet, als etwa nach zweistündiger Belagerung [...] das Militär von Nürnberg, bestehend aus 105 Mann Infanterie und 25 Mann Kavallerie erschien, den Platz säuberte und die langersehnte Hilfe brachte. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Etwa 34 Personen befanden sich Morgens im Polizeigefängnis, fast sämmtlich in Nürnberg beschäftigte Arbeiter. Das Militär war mit solcher Schonung aufgetreten, daß von den Excedenten Niemand verwundet wurde. [...]. Am 15. Okt. wurde an der sogenannten Wasserpassage die Leiche des hiesigen Schreinermeisters Georg Eckart herausgezogen; Ursache des Selbstmordes unbekannt. - Der Gewerbverein hielt am 27. und 28. d. M. eine Ausstellung ab [...]. In der Magistratssitzung vom 1. Nov. kam zur Mittheilung, daß die Relikten des am 23. Februar 1837 verstorbenen Kaufmanns Hermann Hänle der Stadt eine Sammlung von 80 Oelgemälden zum Geschenk gemacht haben. [...]. Am 9. November wurde eine gemeinschaftliche Sitzung des Magistrates, der Gemeindebevollmächtigten und des Handelsgremiums abgehalten, worin der Bürgermeister John die traurige Nachricht brachte, daß alle Anstrengungen des Lokaleisenbahnkomités bezüglich der Richtung der Crailsheimer Bahn über Fürth vergeblich gewesen seien [...]. [...]. Ein tiefer Unmuth ergriff bei dieser Hiobspost die Versammlung, ein Unmuth, der auch heutzutage bei den Einwohnern Fürths noch nicht erloschen ist. [...]. Mit großer Majorität wurde sodann beschlossen, auf dem Instanzenweg eine Audienz bei Seiner Majestät dem König nachzusuchen. Am 10. Nov. Brandbeschädigung des Wohnhauses des Kaufmanns David Benda, Königsstr. Nr. 49. [...]. Da die Blatternepidemie in der Stadt neuerdings an Ausdehnung gewonnen hatte, so wurde von Seite des Magistrates der approb. Bader Peter Schmidt [...] in Pflicht genommen, täglich in den Wohnungen der Blatternkranken zu recherchiren, ob den getroffenen Anordnungen [...] entsprochen wird und bezügliche Uebertretungen der Polizeibehörde zur Anzeige zu bringen. [...]. Am 4. Dec. trat das neugebildete Kollegium der Gemeindebevollmächtigten zusammen, um die Ersatzwahl der durch das Loos bestimmten bürgerlichen Magistratsräthe vorzunehmen. [...]. Kunstgärtner Peter Herch aus der Rheinpfalz erkaufte in diesem Jahre das geräumige Areal Schießplatz Nr. 3, früher Wild'sches Besitzthum, zur Errichtung eines Blumen- und Handelsgartens. - Wegen fortdauernder Blatternepidemie mußten außerordentliche öffentliche Impfungen abgehalten werden. - Unter großer Betheiligung des musikliebenden Publikums fand am 10. Dec. das erste Abonnementsconcert der Heinrichskapelle im Weißengartensaale statt. [...]. Detailnotizen. [...].[1]

Bilder

Einzelnachweise

  1. Fronmüllerchronik, 1887, S. 399 - 412