Adema - Jean Mandel Fürth

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Jean Mandel Schriftzug 03.jpg
Werbeschriftzug der ehem. Textilfabrik "Adema - Jean Mandel Fürth", 2018
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Der 1911 in Fürth geborene Jean Mandel kam aus einer polnisch-jüdischen Familie, die bereits in Fürth die "Erste Fürther Lumpensortieranstalt" in der Lilienstraße 7 gegründet hatte. Gemeinsam mit seinem Bruder führte er den elterlichen Betrieb ab 1936 in Fürth weiter. Im Rahmen der sog. Polenaktion wurde die Familie Mandel am 28. Oktober 1938 nach Polen deportiert, das Geschäft in der Reichspogrommnacht 1938 zerstört bzw. verwüstet. Nach dem 2. Weltkrieg kam Jean Mandel als einer der ersten ehem. jüdischen Bürger der Stadt Fürth wieder aus der Vertreibung zurück und baute das elterliche Geschäft wieder auf, sein Bruder und ehemaliger Geschäftspartner überlebte die Flucht nicht.

Nachkriegszeit

In den 1950er Jahren wandelte das Unternehmen sich zur Großhandels- und Exportfirma Jean Mandel - mit angegliedert die eigene Modemarke Adema - einer Wortschöpfung aus dem Anfangs- und Familiennamen der Ehefrau Adele Mandel. Die dafür notwendigen Stoffe kamen meist aus dem Ausland, z. B. aus den USA. Die Schnitte und Entwürfe wurden meist nach Zeichnungen von ihr vorgenommen. Die weitgereiste und weltgewandte Frau war Autodidaktin in dem Modefach, indem sie eines Tages mit einem Zeichstift anfing, auf Papier "verblüffend charmante Skizzen von Kleidern und Röcke" zu entwerfen. Nach eigenen Angaben brachte sie "farbenfrohe und beschwingte Modelle" nach Fürth und in alle Welt. Wem die Halsausschnitte zu gewagt erschienen, die häufig das Stamm-Mannequin "Kathrin" dem Publikum präsentierte, hatte die Möglichkeit, diese mit einer feinen Spitzenstola zu verhüllen. Der seit vielen Jahren in Kanada lebende Sohn Louis Mandel erzählte gegenüber den Fürther Nachrichten: "Wir waren die ersten, die den Petticoat nach Fürth gebracht haben."[1]

Schließung

Ende der 1950er Jahre beschäftigte das Unternehmen 50 Angestellte in der Hirschenstraße 65, zusätzlich halfen etwa 200 Beschäftigte in sog. Kontaktbetrieben in der Umgebung bei der Fertigung der Modekreationen. Anfang der 1970er Jahre sanken die Umsätze, der Betrieb lief nicht mehr so gut wie früher. Als 1974 Jean Mandel starb, entschloss sich die Ehefrau Adele Mandel, den Betrieb zu schließen. Die drei Kinder, die als potentielle Nachfolger in Frage gekommen wären, waren allesamt inzwischen im Ausland, so das diese Option offensichtlich nicht in Frage kam. Adele Mandel führte noch einige Jahre einen Stoffgroßhandel, ehe sie diese Betätigung - vermutlich aus Altersgründen - ebenfalls aufgab. Die Firma "Adema - Kindermoden Mandel u. Reitler oHG" wurde am 16. September 1974 im Handelsregister für gelöscht erklärt[2] und die Firma "Adema-Modelle" wurde am 11. Dezember 1978 gelöscht.[3] Adele Mandel wohnte bis zu ihrem Tod im Jahr 2010 noch auf dem ehem. Firmengelände und kümmerte sich um die Vermietung der Räume.

Die ehem. Fabrikräume wurden bis 2014 vermietet, zunächst an eine Messebaufirma, einen orthopädischen Schuhmacher sowie an ein Fotostudio und einen Grafiker - allerdings verkaufte die Familie das Anwesen 2014 an die Nürnberger T & F Projektentwicklung GmbH, die nach einem Umbau das Gebäude zur Wohnnutzung vorgesehen hat.

Lokalberichterstattung

  • Claudia Ziob: Chic aus der Hirschenstraße kam ganz groß in Mode. In: Fürther Nachrichten vom 21. November 2013 - online abrufbar
  • Volker Dittmar: Albtraum Eigenheim in der Fürther Hirschenstraße. In: Fürther Nachrichten vom 13. September 2016 - online abrufbar
  • Volker Dittmar: Ex-Textilfabrik: Bewohner befürchten noch mehr Ärger. In: Fürther Nachrichten vom 15. September 2016 - online abrufbar
  • Volker Dittmar: Neue Hoffnung für die Bewohner der Bauruine. In: Fürther Nachrichten vom 11. Februar 2019 (Druckausgabe) bzw. nordbayern.de - online abrufbar

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Claudia Ziob: Chic aus der Hirschenstraße kam ganz groß in Mode. In: Fürther Nachrichten vom 21. November 2013
  2. Amtsgericht Fürth, HRA 3989
  3. Amtsgericht Fürth, HRA 2484

Bilder