Alfred Schwarzmann

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Alfred Schwarzmann (geb. 23. März 1912 in Fürth, gest. 11. März 2000 in Goslar) war ein Turner, u. a. dreifacher Olympiasieger 1936 und Deutscher Kunstturner des Jahrhunderts. Alfred Schwarzmann stammte aus der Turnerfamilie Schwarzmann. Er ging aus dem Turnverein 1860 hervor. Sein Vater, Georg Schwarzmann, war über 20 Jahre Oberturnwart des Vereins.

Sportliche Laufbahn[Bearbeiten]

Alfred Schwarzmann wurde 1934 Deutscher Meister im Mehrkampf bei den Deutschen Turnmeisterschaften in Dortmund.

Bei den Olympischen Spielen in Berlin 1936 holte der Kunstturner drei Goldmedaillen: im Pferdsprung, im Mehrkampf und im Mehrkampf mit der deutschen Mannschaft. Außerdem gewann er in Berlin Bronzemedaillen am Reck und am Barren. Als einzigem Turner gelang es ihm, alle zwölf Übungen mit einer Wertung von über 9,0 Punkten abzuschließen. Damit galt er als einer der erfolgreichsten Teilnehmer der Olympischen Spiele in Berlin.

1948 kam er nach Goslar, wo er Sportlehrer am Ratsgymnasium Goslar wurde und bis zu seinem Tod 2000 blieb. An den Olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki nahm er erneut teil und gewann zur Überraschung aller eine Silbermedaille, diesmal am Reck. Eine Sensation zum damaligen Zeitpunkt, da er als 40-Jähriger nochmal an seine Vorkriegsleistung anknüpfen konnte. In einem damaligen Artikel im Spiegel wird berichtet:

Die silberne Medaille von Alfred Schwarzmann aber zählt mehr als der Sieg des für die Sowjet-Union gestarteten Lembergers Viktor Tschukarin, der mit fünf Gold- und einer Silbermedaille im olympischen Zwölfkampf der Turner zum erfolgreichsten Athleten der Olympischen Spiele von Helsinki wurde. Der kahlköpfige, verbissene Alfred Schwarzmann, vor 16 Jahren der erfolgreichste Teilnehmer der Olympischen Spiele von Berlin, mit drei Gold- und zwei Bronzemedaillen, besitzt, was der wohlbehütete sowjetische Staatsamateur, der Student an der Sporthochschule Moskau, Viktor Tschukarin, nicht aufweisen kann: das goldene Verwundeten-Abzeichen. Neunmal wurde der Oberleutnant und Ritterkreuzträger Schwarzmann verwundet. Monatelang lag er in Lazaretten. "Freuen Sie sich, wenn Sie wieder normal laufen können", meinten die Stabsärzte, wenn Schwarzmann fragte, wann er wieder turnen könne. Die Doktoren drohten mit Kammerarrest und am-Bett-festschnallen, als sie ihn erwischten, wie er seinen Stubenkameraden im Lazarett trotz vergipster Beine und halb ausgeheiltem Lungenschuß Handstände und Bodenturnen vorführte. Völlig fit war Alfred Schwarzmann, als er nach der Kapitulation erst in Braunschweig, dann in Goslar eine Anstellung als Turnlehrer fand. Doch dann erschien sein Name wieder einmal in den vermischten Nachrichten der Sportblätter. Bei einem Motorradunfall hatte er sich das Wadenbein gleich doppelt gebrochen. Trotzdem erschien Schwarzmann wenige Monate später plötzlich bei einem Schauturnen gegen die Schweiz in Eßlingen. Er turnte wie immer. Beim Aufsprung nach seinem einmaligen Doppelsalto-Abgang am Reck merkte niemand etwas von den Schmerzen am gerade erst verheilten Bruch.[1]

Mit seinen Medaillen ist Schwarzmann bis heute der erfolgreichste deutsche Kunstturner bei Olympischen Spielen. Eine zehnköpfige Experten-Jury wählte ihn 1999 zu Deutschlands Turner des 20. Jahrhunderts.[2] Als Bundeslehrwart des Deutschen Turner-Bundes, als Kampfrichter und als Landeslehrwart in Niedersachsen stellte der Sportlehrer später sein Wissen dem Turnernachwuchs zur Verfügung.

Seine Tochter ist die ehemalige und erste Bundestrainerin im Voltigieren (Turn- und Akrobatikübungen auf dem galoppierenden Pferd), internationale Richterin und renommierte Ausbilderin Helma Schwarzmann. Mit mehr als 30 Weltmeistertiteln zählt sie zu den erfolgreichsten Trainern weltweit.[3]

Laufbahn während des 2. Weltkrieges[Bearbeiten]

Alfred Schwarzmann während des 2. Weltkrieges als Oberleutnant

Schwarzmann diente vor Beginn des 2. Weltkrieges zunächst als Sportlehrer in der Armeeschule Wünsdorf bei der Stadt Zossen (Brandenburg) - dem späteren Standort des Hauptquartiers des Oberkommandos des Heeres (Bunkeranlage Maybach I).[4] Am 1. Januar 1939 wechselte er zum 2. Bataillon des 1. Fallschirmjäger-Regiments. Am 1. April 1940 wurde er zum Kommandeur und Zugführer einer Maschinengewehreinheit in der 8. Kompanie des 1. Fallschirmjäger-Regiments ernannt (8./Fallsch.J.Rgt. 1), nachdem er zuvor am 11. März 1940 zum Oberleutnant befördert worden war.[5]

Am 10. Mai 1940 befahl Alfred Schwarzmann die Fallschirmkompanie bei der Invasion Hollands. Um 5:35 Uhr begann der Feldzug Hitlers mit der Heeresgruppe B gegen Holland, nachdem er einen Tag zuvor Holland und Belgien die nationale Souveränität abgesprochen hatte. Für den Einmarsch der Truppen mussten strategisch wichtige Brücken über den Hollandsch Diep (Fluss südlich von Rotterdam) bei Moerdijk, über die Noord bei Dordrecht und die Neue Maas bei Rotterdam unversehrt in Besitz genommen werden und für die anrückenden deutschen Truppen gehalten werden.[6] Schwarzmanns Einheit hatte den Auftrag, die Brücke bei Moerdijk unversehrt einzunehmen. Bei den starken Kampfgefechten in Moerdijk erlitt seine Kompanie schwere Verluste. Schwarzmann selbst wurde durch einen Lungendurchschuss ebenfalls schwer verwundet. Die Wunde entzündete sich später auch noch, wodurch Schwarzmann starkes Wundfieber bekam. Während seiner medizinischen Behandlung in Dordrecht - im inzwischen kapitulierten Holland - erhielt er für die Einnahme der Brücke am 25. Mai 1940 das Eiserne Kreuz 1. Klasse und am 29. Mai 1940 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Die NS-Propaganda stellte die Einnahme der Brücke bei Moerdijk eigens in einem Propagandafilm dar: NS-Propagandafilm "Sprung in den Feind" bei Youtube im Internet.

Angeblich wären noch während des Krieges Stimmen laut geworden, dass Schwarzmann das Ritterkreuz unberechtigterweise erhalten habe, da er - bedingt durch seine schwere Verwundung - bei der Erreichung der operativen Ziele nicht mehr selbst dabei sein konnte. Die Auszeichnung wäre lediglich aus Propagandagründen (ehem. Olympiasieger) durch die Heeresleitung verliehen worden, weil man davon ausgegangen war, das Schwarzmann die Schussverletzung nicht überleben würde. Diese Behauptungen, die wohl erstmals um 2005 in einem US-amerikanischen Militaria-Sammlerforum auftauchten, wurden allerdings bis heute nicht belegt. Tatsächlich war es dagegen so, dass Schwarzmann das Unternehmen geplant und angeführt hatte. Sein Ausfall während des Kampfes bedeutet nicht, dass er die Auszeichnung nicht verdient hätte. Im Gegenteil, denn zahlreiche Auszeichnungen wurden sogar posthum an Gefallene oder Vermisste verliehen.

Das Ritterkreuz wurde während des Krieges lediglich 7 313 Mal verliehen[7], an Männer der Fallschirmtruppe sogar nur 132 Mal. Während der Zeit des Nationalsozialismus galten die Inhaber des Ritterkreuzes, sogenannte „Ritterkreuzträger“, als große Helden und genossen ein durch die NS-Propaganda erzeugtes Höchstmaß an Ansehen und Popularität, nicht selten besaßen sie eigene Autogrammkarten.[8]

1941 war Schwarzmann mit seinem Regiment bei der Schlacht um die Insel Kreta beteiligt. Anschließend wurde er am 27. Juni 1942 zum Hauptmann der 8. Kompanie des 3. Fallschirmjäger-Regiments befördert. Zuvor war er 1941 mit seiner Kompanie an die Ostfront in Russland verlegt worden.

Am 15. März 1943 wurde er zum Kommandeur des 7. Jagdgeschwaders ernannt, im Anschluss führte er die 1. Fallschirmjäger-Division. Auf Grund seiner Schussverletzung aus Holland musste Schwarzmann am 4. März 1944 in München erneut medizinisch behandelt werden. Noch kurz vor Kriegsende wurde er am 20. April 1945 zum Major befördert. Schwarzmann geriet nach Kriegsende vom 9. Mai bis zum 29. Oktober 1945 in britische Gefangenschaft.

Ehrungen[Bearbeiten]

Ehrentafel für Alfred Schwarzmann in der Fußgängerzone

Literatur[Bearbeiten]

Lokalberichterstattung[Bearbeiten]

  • Birgit Heidingsfelder: Olympische Goldmedaillen für Fürth. In: Fürther Nachrichten vom 12. Oktober 2010 - online abrufbar
  • Johannes Goecke: Fürther Ausnahmeathlet im Rampenlicht. In: Fürther Nachrichten vom 11. April 2012 - online abrufbar
  • Fadi Keblawi: Der Turner des Jahrhunderts. In: Fürther Nachrichten vom 24. April 2020 (Druckausgabe)

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Spiegel: In den Pausen Zigaretten, 30. Juli 1952, S. 23 f. im Internet
  2. Hall of Fame des deutschen Sports, Stand 29. Mai 2013, 21:08 Uhr, im Internet
  3. Wikipedia, Helma Schwarzmann, Stand 29. Mai 2013, 21:09 Uhr, im Internet
  4. Wikipedia - Wünsdorf, Stand 30. Mai 2013, 17:06 Uhr im Internet
  5. Wikipedia GB, Stand 30. Mai 2013, 20:41 Uhr im Internet
  6. Wikipedia - Westfeldzug, Stand 29. Mai 2013, 20:44 Uhr im Internet
  7. Deutsches Historisches Museum - das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, Stand 2. März 2020 im Internet
  8. Wikipedia - Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, Stand 29. Mai 2013, 20:56 Uhr im Internet
  9. GYMmedia INTERNATIONAL, Europäischer Gymnastics-Service Berlin, Stand 29. Mai 2013, 21:16 Uhr, im Internet

Bilder[Bearbeiten]