Hofspiegelfabrik N. Wiederer & Co.

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N. Wiederer Fürth
Logowiederer.png Logo der Firma Wiederer.
Gründung: 1858
Vergleich/Konkurs: 1932
Daten
Hauptstandort: Ritterstr. - Waldstr. -

Kaiserstr. - Leyher Str.

Bebauung: ab 1880 - 1925
Beschäftigte: 1910 - 800 Arbeitnehmer
1925 - 1000 Arbeitnehmer
Gesellschaftsform: ab 1878 OHG


Überblick[Bearbeiten]

Blick von der Bahn auf Villa Leyher Str. 1, und Fabrikationsgebäude

Die Firma N. Wiederer Fürth wurde 1858 von Nicolaus Wiederer gegründet.

1878 wurde die Firma in eine OHG umgewandelt.

Vor dem Ersten Weltkrieg firmierte die Firma N. Wiederer & Co. als Kgl. bayer. Hofspiegelfabrik und Glasschleiferei. Den beiden Inhabern, Konrad Georg Schwarz und Georg Konrad Schwarz wurden der Titel eines Kommerzienrates verliehen.
Auf verschiedenen Industrie-Ausstellungen in Berlin, Nürnberg, Krefeld, Ulm und Frankfurt /M. wurden der Firma besondere Ehrungen zuteil durch Verleihung von Goldenen Medaillen und Ehrendiplomen. Vor 1914 wurden ca. 900 Mitarbeiter beschäftigt. Damit war es Wiederer gelungen, zum größten Unternehmen der Branche, wahrscheinlich sogar zum größen Arbeitgeber in Fürth aufzusteigen.[1] Im Jahr nach Endes des Ersten Weltkriegs erwarb die Firma eine eigene Glashütte in Freiberg, die Zahl der Arbeitnehmer wuchs auf über 1000 und die Umsätze stiegen noch bis 1931. Danach brachen die Auslandsmärkte als Auswirkung der Weltwirtschaftskrise weg.
Im März 1932 musste die renommierte Firma einen Vergleich anstreben, der schließlich in Konkurs überging. Es war jedoch möglich alle Gläubiger voll zu befriedigen.

Zur Geschichte[Bearbeiten]

Blick auf die Firma von der Bahnseite aus, idealisierte Darstellung
Benno Schwarz, Nachfolger von Georg Konrad Schwarz II
Historischer Katalog um die Jahrhundertwende
1931 - Sonderangebote sollen helfen

Gründung und Aufschwung[Bearbeiten]

Die Firma N. Wiederer Fürth wurde 1858 von Nicolaus Wiederer in der Helmstr. im Hause des Herrn Auerbach gegründet.
An Vermögen besaß Wiederer 450 fl. in Wertpapieren, wovon er zunächst 170 fl. in eine Glasfacettiermaschine sowie in weitere Werkzeuge und dergleichen investierte. 1860 heiratete er die Wirtstochter Katharina Schwarz mit drei Kindern, zwei namens Georg Konrad (geb. 1848 bzw. 1850) und das jüngste namens Peter (geb. 1858), das von Wiederer stammte. Den Kindern stand ein Vermögen von insgesamt 500 fl. zu, während die Braut 700 fl. an Mitgift in die Ehe brachte. Das vergleichsweise geringe Betriebskapital, für einen damaligen Handwerksbetrieb durchaus typisch, reichte aus, um in der damaligen Friedrichstraße Nr. 18 und spätestens ab 1873 am Helmplatz Nr.7 zunächst einen Gewerbekleinbetrieb zu unterhalten.[2] Zunächst gravierte er Glas, begann aber schon zwei Jahre später nach dem Umzug in das Haus "Zum Silbernen Fisch" (Helmstr. 5) mit der Facettierung von kleinen Spiegeln. Beide Stiefsöhne Konrad und Georg Schwarz gingen bei Nicolaus Wiederer in die Lehre.

Nach dem Krieg 1866 fertigte N. Wiederer kleine Facettspiegel für Portefeuillers (Feintäschner), die früher nur aus Paris kamen. Schließlich führte er die Produktion von Handspiegeln ein, was einen Aufschwung einleitete.

Auch Peter Wiederer durfte am beginnenden Aufschwung der Firma teilhaben, und zwar präsentierte er die Produkte des väterlichen Betriebes auf der Weltausstellung in Philadelphia (1876). Dort erhielt der Betrieb eine erste internationale Auszeichnung, die anscheinend den Aufschwung sehr begünstigt hat. Nach dem Tod des Vaters (1878) wanderte Peter Wiederer, gelernter Graveur, 1880 nach den USA aus, während im gleichen Jahr sein jüngerer Bruder Leonhard (geb. 1861) als Handlungslehrling nach England ging. Die Witwe überließ die Leitung der Fabrik ihren beiden in Fürth verbliebenen Söhnen. Der jüngere der beiden, gelernter Glasgraveur, arbeitete im väterlichen Betrieb zunächst in dieser Funktion – über den älteren konnte nichts in Erfahrung gebracht werden.


1878 wird die Firma zur OHG. Im Jahr darauf beschäftigte die in der damaligen Blumenstraße Nr. 10 bzw. Mühlgasse bzw. im Hinterhaus des Anwesens Metzler gelegene und mit Wasserkraft arbeitende Glasschleiferei 26 Arbeiter, davon eine Frau. Im Jahr nach dem Tod des Firmengründers 1879 kauften die Brüder Schwarz von Aldinger den Bauplatz an der Leyher Straße (damals "Leyer Weg Nr. 30"). Dort konnte sich die Fabrik im Laufe der Zeit räumlich fast ungehindert ausdehnen und ihre Produktionskapazität laufend erhöhen.[3] So entstanden in den darauffolgenden Jahren Fabrikgebäude für Walzenfacettierung, Schleiferei, Schlosserei, Gürtlerei, Schreinerei und ein Kesselhaus mit Schornstein. Diese Fabrik wurde von der Industrieausstellung in Philadelphia und der bayer. Landesindustrieausstellung in Nürnberg prämiert.[4]

Ab 1893/94 wurden Toilettspiegel mit Metallrahmen und die hochmodernen Celluloidspiegel produziert.
Die Firma Wiederer stattete auch die bekannten Aschinger Bierhallen in Berlin mit Vitrinen, Spiegeln und diversen Verglasungen aus. In den folgenden Jahren stieg die Nachfrage nach facettierten Gläsern enorm an, so dass nicht nur Betriebserweiterungen nötig wurden. Durch unermüdliche Entwicklungsarbeiten entstanden zudem verschiedenste Maschinen, welche die Facettenschleiferei in ganz neue Bahnen lenkten, wie es in einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1896 heißt.

Durch Überproduktion und ausländische Zölle, kam es allerdings seit 1886 auch immer wieder zu Preissenkungen und Kurzarbeit. Längst gingen die Erzeugnisse des Unternehmens in aller Herren Länder, ein Großteil davon in die USA. Das reichhaltige Warenangebot umfasste neben facettierten Spiegeln und Gläsern in allen Größen und Formen die verschiedensten Arten von Patent-, Hand- und Toilettenspiegeln sowie Wandspiegel im Barock- oder Rokokostil und die berühmten Venezianerspiegel, zusätzlich fertigte man Glasleuchter, Glastischchen, Milchgläser mit Blumenornamentik, gläserne Briefbeschwerer und vieles mehr.[5]

Obwohl sich das Unternehmen seit 1893 um einen direkten Gleisanschluss vom Fabrikgelände zum Güterbahnhof bemühte, konnte wegen verschiedener Schwierigkeiten dieses Ansinnen erst fünf Jahre später realisiert werden.[6] Aufgrund der umfangreichen Produktionskapazität bedeutete dies jedoch eine enorme Erleichterung beim Versand der Waren.

Als 1910 Kommerzienrat Konrad Schwarz starb, war die Belegschaft bereits auf ca. 800 angestiegen. An seine Stelle traten sein Sohn Georg Eugen Schwarz, sein Schwiegersohn Paul Sichling und von der Seite Kommerzienrat Georg Schwarz, Benno Schwarz als Teilhaber in die Firma ein. 1911 wurde die Firma auf der Dresdener Hygienischen Ausstellung mit der goldenen Medaille ausgezeichnet.[7]

Nach dem fast völligem Stillstand der Produktion zu Beginn des I. Weltkrieges kam es, nach dem Krieg zu einem neuen Aufschwung. Eine eigene Glashütte in Freiberg/ Sachsen und das Schleif- und Polierwerk Sperlhammer wurden erworben. Ein letzter Neubau Ecke Leyher Str. - Kaiserstr. wurde hochgezogen.
1925 trat Kommerzienrat Georg Schwarz aus der Firma aus und sein Sohn Fritz Schwarz wurde Teilhaber. Die Belegschaft hatte sich auf über 1000 Arbeitskräfte erhöht.

Konkurs - Schließung[Bearbeiten]

Das Geschäft florierte danach noch 4 bis 5 Jahre mit steigenden Umsätzen.

Durch den allgemeinen Konjunkturumschwung 1929 trat ein stetiger Rückgang ein. Die Auslandsmärkte entfielen. Die Kaufhausketten orderten weniger. Das Haus in New York konnte nicht gehalten werden.
In den Jahren 1931 - 1932 mehrten sich die Vergleiche und Konkursanmeldungen unter den langjährigen Kunden. So entstanden mehr und mehr Verluste. Ein weiterer Umsatzrückgang erfolgte.
Die Fabrikanlagen waren auf Massenproduktion eingestellt und nicht mehr in der Lage rationell zu arbeiten.

Im März 1932 war die angesehene Firma ebenfalls gezwungen einen Vergleich anzustreben, der schließlich in Konkurs überging. Durch Verwendung aller vorhandenen Vorräte in Fertig- und Halbfertigfabrikaten und des umfänglichen Materiallagers war es jedoch möglich, alle Gläubiger voll zu befriedigen.[8]

Folgezeit[Bearbeiten]

Teil der ehemaligen Fabrikationsgebäude, Leyher Str. 10

Im Jahr 1939 übernahm die ein Jahr zuvor in Nürnberg gegründete, aufstrebende Fa. Metz die Fabrikationsgebäude und erweiterte diese.[9] Ab Mitte der sechziger Jahre schrittweise Verlagerung der Metz-Werke nach Zirndorf, Umnutzung der Gebäude zu Wohn- und Lager- und Geschäftsräumen. Heute ist noch ein Großteil der Fabrikationsgebäude incl. der Villa erhalten (Adressen: Leyher Str. 1, 2, 4, 6, 8, 10; Waldstr. 3, 5; Kaiserstr. 173). Der heute noch bekannte Begriff "Glasscherbenviertel" für das Karree geht maßgeblich auf die dort ansässige Firma Wiederer zurück.

Produkte[Bearbeiten]

Einige Produkte der Firma N. Wiederer Fürth
Massenproduktion Celluloidspiegel
Venetianer mit fotografischen Details
Handspiegel
Mit farbigem Glas
Handbemalte Spiegel
Glastabletts und Untersetzer
  • aus Kristallglas
    • Venezianerspiegel
    • Etageren
    • Tabletts, Untersetzer
    • Uhrenspiegel, Photoständer
    • Schaufensterständer, Büstenständer, ventetianische Kommoden
    • Speisespinde für Konditoreien und Cafes
    • Ladentischaufsätze
    • Stehbierhalleneinrichtungen
    • Kunstverglasungen
  • mit Holz verarbeitet (teils auch mit Kristallglasspiegeln)
    • Hand- und Stellspiegel
    • Klappspiegel
    • Closetpapierapparate
  • mit Metall verarbeitet (teils auch mit Kristallglasspiegeln)
    • Hand- und Stellspiegel
    • dreiteilige Spiegel
    • Fensterspiegel
  • mit Celluloid verarbeitet (teils auch mit Kristallglasspiegeln)
    • Hand- und Stellspiegel
    • divers Dosen und Toilet-Etuis
  • Rasierspiegel
  • Reklamespiegel

u.v.m.[10]

Werbung und Vertrieb[Bearbeiten]

Reklamespiegel

Eigene Häuser wurden unterhalten in:

  • Offenbach/M.: zur Belieferung der Lederwarenindustrie
  • Berlin: als vielbesuchten zentralen Mittelpunkt des Reichs
  • Hamburg: mit Musterlager zur Bearbeitung der Exporteure
  • New York: zur Pflege der lebhaften Verbindungen mit den großen Warenhauskonzernen.


Musterlager befanden sich in Amsterdam, Christiania(Oslo), Kopenhagen, London, Moskau, New York, Wien, Budapest, Bukarest und fast allen übrigen europäischen Hauptstädten.

Eigene Reisende bearbeiteten lückenlos das gesamte Inland. Vertreter in fast allen Ländern Europas sowie in zahlreichen Staaten der übrigen Erdteile nahmen die Interessen der Firma wahr und sorgten für die stetige Erhöhung des Umsatzes. Der bekannteste Reisende der Firma war der spätere Ehrenbürger der Stadt Fürth Kommerzienrat Hans Lohnert, der über den Vertrieb von Bierhalleneinrichtungen in Kontakt mit den Brüdern Aschinger kam.

Auf der Leipziger Messe wurde im Städt. Handelshof, I. 0bergeschoss in Zimmer 92 und 93, eine reichhaltige Kollektion aller Fabrikationssparten der Firma gezeigt, die einen Überblick über die Vielzahl der hergestellten Artikel bot.
Die Beschickung der Leipziger Messe galt neben der Pflege des Inlandsmarktes insbesondere der Steigerung des Verkehrs mit dem Ausland und die Anknüpfung wertvoller Verbindungen mit zuverlässigen Vertreterfirmen. In Leipzig hielt man Kontakt zu guten Kunden aus aller Welt. Inserate in Exportzeitschriften machten die Firma in aller Welt bekannt und die Ausgabe ausführlicher, bebilderter Kataloge unterstützte die Arbeit der Reisenden und Vertreter.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

--Carry 22:44, 2. Feb. 2012 (CET)

Bilder[Bearbeiten]