Flak-Batterie Poppenreuth
Die Flak-Batterie Poppenreuth war Teil einer militärischen Einrichtung zur Luftabwehr während der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
Geschichte
Die Anlage wurde als Teil der Luftschutzmaßnahmen zur Sicherung Nürnbergs errichtet (sog. Flak-Ring um Nürnberg). Die Großbatterie bestand aus zwei kreisförmig angeordneten Einzelstellungen mit insgesamt zwölf fest installierten 8,8-cm-Flak-Geschützen sowie je zwei 2-cm-Geschützen und gehörte organisatorisch zur Untergruppe (UGr) Platnersberg. Die Stellungen befanden sich auf den Poppenreuther Feldern im Bereich südlich der Poppenreuther Straße, nahe der Stadtgrenze zu Nürnberg (südliche Stellung) und südöstlich der Kreuzung Gründlacher-/Alte Reutstraße (nördliche Stellung, auch Stellung Ronhof genannt, im Bereich der Bodenwelle). Die Geschütze wurden von Soldaten der Luftwaffe betreut. Ab dem Jahr 1943 kamen aber auch vermehrt Schüler aus den Fürther Oberschulen (Heinrich-Schliemann-Gymnasium und Oberrealschule) als Luftwaffenhelfer sowie Kriegsgefangene in den Stellungen zum Einsatz. Die Batterie Poppenreuth wurde auch als „Ungarnbatterie“ bezeichnet, weil von den bis zu 160 Mann Bedienpersonal ca. 120 aus ungarischen Soldaten bestand. „Ein in Fürth liegendes ungarisches Bataillon (Regiment), im Pestalozzischulhaus untergebracht“[1], war dafür zuständig. Von Oktober 1944 an wurde alle 14 Tage für die Ungarn ein Gottesdienst in St. Michael durch Wehrmachtspfarrer Ammler gehalten.[2]
Bei einem Fliegerangriff im Zweiten Weltkrieg vom 8. März auf 9. März 1943 u. a. auch auf die nördliche Flakstellung wurden durch die Druckwellen etliche Teile der Chorfenster in der Kirche St. Peter und Paul zerstört.
In den letzten Kriegstagen wurde die Batterie auf „Erdeinsatz“ umgestellt, d. h. die die Geschütze umgebenden Erdwälle wurden abgetragen, es wurden Panzergranaten und Kartenmaterial beschafft und Schutzgräben ausgehoben. Ab dem 16. April 1945 wurden die Geschütze bei der sogenannten Schlacht um Nürnberg gegen von Norden heranrückende amerikanische Bodentruppen eingesetzt. Am 17. April wurde die südliche Stellung nach Verschießen der letzten Munition durch die Besatzung gesprengt. Die nördliche Stellung konnten die Amerikaner unversehrt einnehmen.[3] Die verbliebenen Reste der südlichen Stellung wurden nach dem Zweiten Weltkrieg durch das Fürther THW erneut gesprengt. Beide Standorte sind (Stand 2024) noch unbebaut und liegen auf freiem Feld.
Weitere Standorte von Flak-Batterien auf Fürther Gebiet befanden sich südlich und westlich von Höfen sowie nördlich von Vach an der Landstraße nach Hüttendorf auf der Hochebene über der Regnitz.
Literatur
- Georg Wolfgang Schramm: Bomben auf Nürnberg. Luftangriffe 1940-1945. München, Hugendubel, 1988, S. 40 - 42 u. 108
- Franz Kimberger: Fürther Luftwaffenhelfer im Zweiten Weltkrieg. In: Fürther Heimatblätter, 1993/4, S. 93 - 103
- Richard Knoblach: Zwischen Bomben und Granaten. Forchheim, Eigenverlag, 1998
- Helmut Mahr: Die Besetzung des Landkreises und der Stadt Fürth durch die U.S. Army im April 1945. In: Fürther Heimatblätter, 1998/1,2, S. 51 u. 57
Lokalberichterstattung
- Spektakulärer Fund in Fürth: Granate bei Feldarbeiten entdeckt - und erfolgreich gesprengt. Bilderstrecke bei: nordbayern-online, 28. Oktober 2024 - online
Siehe auch
Weblinks
- Beispiel einer Flak-Batterie in Feuerstellung bei Wikimedia Commons
- Die Sprengung der (südlichen) Flakstellung in Fürth / Poppenreuth durch das THW
Einzelnachweise
- ↑ Gustav Schmetzer: „Kriegschronik des Evangelisch-Lutherischen Pfarramts Fürth St. Michael vom Weltkrieg 1. September 1939 bis 1945 und der Nachkriegszeit bis 1950“, S. 34
- ↑ ebenda
- ↑ Grafik "Flakstellungen um Nürnberg" von Werner Sünkel; Fürther Luftwaffenhelfer im Zweiten Weltkrieg. In: Fürther Heimatblätter, 1993/4, S. 93–103 und Erlebnisbericht des ehemaligen Chefs der schweren Flakbatterie Poppenreuth Ludwig Maier über die Kampfhandlungen im April 1945 (Stadtarchiv Nürnberg C 36/I Nr. 322, S. 301–306)