Wilhelm Schülein

Aus FürthWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Wilhelm Schülein (geb. 17. November 1884 in Schöllkrippen / Unterfranken bei Aschaffenburg, gest. 29. Juli 1957 in Fürth) war von 1928 bis 1957 Direktor der Brauerei Grüner.

Ausbildung und erste Berufserfahrungen[Bearbeiten]

Wilhelm Schülein ging in Bayreuth auf das Humanistische Gymnasium und legte dort am 14. Juli 1904 das Abitur ab. Anschließend trat er in den staatlichen Finanzdienst, nachdem er zuvor ein staatliches Examen in der Kameralisitk (ein Verfahren der Buchführung) ablegte.

1909 begann seine berufliche Laufbahn in der Verwaltung des Fürsten Thurn und Taxis. Sein erster Aufgabenbereich lag in der Verwaltung der Ländereien in Kroatien. 1915 wurde er in das Königlich Bayerische 11. Infanterie-Regiment "von der Tann" eingezogen. Sein Regiment kämpfte 1915 in den Vogesen an dem sog. Stellungskrieg und 1916 in Verdun, bei dem über die Hälfte seines Regiments im Kampf fiel. 1917 kämpfte Schülein mit seinem Regiment am Fluss Somme vor Gondecourt bis er vermutlich im Frühjahr 1917 in der Region Lothringen bei Kampfhandlungen am Fluss Aisne in französische Gefangenschaft geriet. Am Ende des Jahres 1917 ist sein Regiment von ursprünglich 90 Offizieren, 3300 Unteroffizieren und Mannschaften, 235 Pferden sowie 75 Fahrzeugen auf lediglich 25 bis 30 Mann dezimiert.[1] Als Leutnant mit Auszeichnung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse wurde Schülein erst 1920 aus der französischen Kriegsgefangenschaft entlassen.

Er nahm anschließend wieder seine berufliche Beschäftigung beim Fürsten Albert I. von Thurn und Taxis auf. Sein neues Aufgabengebiet in Regensburg nähert sich langsam seinem künftigen Wirken in Fürth. Zunächst arbeitet er als Rentamtmann (=Verwalter) und später als Direktor der fürstlich bayerischen Landindustrie. Gleichzeitig verwaltet er die Brauerei Schierling, südlich von Regensburg.[2]

Grüner Bräu in Fürth[Bearbeiten]

Im März 1928 trat Wilhelm Schülein in den Vorstand der Grüner Brauerei A.G. ein, nachdem Kommerzienrat Hermann Grüner am 11. Februar 1928 unerwartet auf dem Heimweg von der Brauerei an einem Herzinfarkt verstarb. Zu diesem Zeitpunkt besaß die Brauerei 13 eigene Wirtschaften in Fürth, Nürnberg und Erlangen sowie den Gebäudekomplex mit neuzeitlichem Sudhaus in der Gartenstraße/ Wasserstraße mit knapp 7 ha Fläche. Während seiner Zeit in der Grüner Brauerei konnte er den Bierabsatz mehrfach erhöhen. Im Jahr 1930 erzielte die Grüner Brauerei erstmalig die Rekordhöhe von 140.000 hl im Jahr. Diesen Wert erzielte die Brauerei erst wieder kurz vor seinem Tod mit einem Bierabsatz von 155.000 hl/Jahr.

Auszug Stadtratsprotokoll vom 3.10.1935

Am 3. Oktober 1935 wird Wilhelm Schülein vom Oberbürgermeister Franz Jakob mit 24 anderen Personen in den Stadtrat als sog. Ratsherr berufen. Der vom Volk gewählte Stadtrat wurde im Rahmen der Gleichschaltung durch die NSDAP kurz vorher abgesetzt.

Weitere Entscheidungen der Brauerei, die in die Ära Wilhelm Schüleins fallen:

  • 1936 Fusion der Brauereien Zirndorfer und Grüner Bräu AG
  • 1938 Verkaufsverhandlung mit Fritz Mailaender zur Übernahme der Bergbräu. Die Pläne scheitern aber am Widerspruch der NSDAP.
  • 1940 Kauf der Eiswerke Fürsattel
  • 1956 Kauf von 98 % der Aktien der Henniger-Reifbräu Erlangen

Ebenfalls in die Ära Schüleins fallen zwei außergewöhnliche Marketingmaßnahmen für diese Zeit. Zum Einen prägte Schülein den Werbespruch "Bekannt Vorzüglich", der später umbenannt wurde zu "Beliebt bekannt bekömmlich". Zusätzlich erfand er in Erinnerung an den Schwedenkönig Gustav Adolf, der während des 30jährigen Krieges in der Grüner Wirtschaft "Grüner Baum" in der Gustavstraße übernachtete, den sog. "Königstrunk", der in 0,33l Bierdosen bis Ende der 1970er noch in die USA erfolgreich exportiert wurde.

Bis zu seinem Tod am 29. Juli 1957 um 11.50 Uhr im Klinikum Fürth arbeitete er für die Grüner Brauerei. Sein Nachfolger wurde Georg Liebel.

Privatleben[Bearbeiten]

Schülein heiratete am 22. August 1912 Wilhelmine Herrmann. Mit seiner Ehefrau und den beiden Kindern Richard Schülein (geb. 1916), Elisabeth Schülein (geb.1921) wohnte er während seiner Zeit als Brauereidirektor in der Rosenstraße 14 in Fürth.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert Dunzinger: Das K. B. 11. Infanterie-Regiment von der Tann (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, bayer. Anteil, Band 22 – München 1921)
  • Festschrift 75 Jahre Grüner Bräu A.G.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wikipedia: Königlich Bayerisches 11 Infanterie Regiement, Stand 29. Januar 2013, 22.31 Uhr | Homepage Wikipedia
  2. Anmerkung: Die Brauerei Schierling war bis 1997 eigenständig. 1997 wurde die Brauerei von der Weißbierbrauerei Kuchlbauer übernommen und als eigenständige Marke weitergeführt. Die Brauerei Kuchlbauer ist heute ein mittelständiges Unternehmen mit ca. 40 Angestellten und etwas über 90.000 hl Bierausstoß pro Jahr. Die Brauerei Kuchlbauer ist heute vor allem überregional bekannt für den Kuchlbauer-Turm - ein 34 Meter hoher Turm erdacht und erbaut von dem Künstler Friedrich Hundertwasser.
  3. Lebenslauf meines Vaters, aus der Privatsammlung Dr. Richard Schüleins, 1957

Siehe auch[Bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten]