1789

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Ereignisse in Fürth im Jahr 1789



Personen

Geboren 1789

PersonGeburtstagGeburtsortBeruf
Johann Christian Reich d. J.18. NovemberFürthDreher, Erfinder, Fabrikant
Georg Joseph Scheuer5. NovemberFürthFabrikant, Mandelrübenfabrikant, Kaufmann, Kaffeesurrogatfabrikant
Es ist aktuell keine Person verzeichnet, die 1789 gestorben ist.

Bauten


Fronmüllerchronik

[...] In diesem Jahre wurde der alte Kirchhof an der Michaelskirche erweitert und wurde an der ihn nach Norden umgebenden hohen Mauer zu bauen angefangen.[1]

Zeitgenössische Ortsbeschreibung

Fürth.

Lage.

Dieser große und volkreiche Marktflecken, oder wie er in den Urkunden genannt wird, die Hofmark Fürth, ist einer der merkwürdigsten Oerter in Deutschland, und wegen seines ausgebreiteten Gewerbes unter die wichtigsten Handels- und Fabrikplätze zu rechnen. Er liegt eine Meile von Nürnberg in der Mitte der ersten Poststation auf der Straße von Nürnberg nach Frankfurt am Mayn. Nahe unter demselben vereinigen sich die beiden Flüsse Pegnitz und Rednitz, von welchen der erste von Nürnberg, der andere aber von Roth herkommt. Sie erhalten nach ihrer Vereinigung den Nahmen Regnitz und zugleich eine solche Stärke, daß dieser Fluß zur Schifffahrt bis in den Mayn, in welchen er sich im Bambergischen ergießt, gemacht werden könnte, wenn es die vielen Mühlen und andern beträchtlichen Werke, zu welchen das Wasser benutzt wird, nicht verhinderten.

Volksmenge.

Man zählet gegenwärtig in Fürth ungefähr 6oo Häuser und gegen 24,ooo Einwohner, von welchen die Judenschaft allein auf 8oo Familien oder 5,ooo Seelen angeschlagen wird, und also beinahe den vierten Theil der Einwohner ausmacht. Ein großer Theil der letztern hält sich gewöhnlich den Tag über in Nürnberg auf, um das gegenseitige Gewerbe in Lebhaftigkeit zu erhalten. Uebrigens werden hier alle drei christliche Religionen nebst der jüdischen geduldet. Doch haben weder die Katholiken noch die Reformirten öffentlichen Gottesdienst, weil ihre Anzahl zu klein ist, um eigene Kirchen erbauen und unterhalten zu können. Ueberdies können sie ohne große Unbequemlichkeit dem öffentlichen Gottesdienste zu Nürnberg und Wöhrd beiwohnen, auch vermöge der getroffenen Anstalten bei Krankheiten von dort aus mit den Sakramenten versehen werden. Die Juden haben, nebst verschiedenen Schulen, auch eine eigene Buchdruckerei. Deshalb wird Fürth von der jüdischen Nation, welche sich den Studien widmet, fleißig besucht, weil sie diesen Ort gleichsam als ihre hohe Schule betrachtet.

Gerichtsbarkeit.

In Ansehung der Obergerichtsbarkeit steht Fürth, so wie das dazu gehörige Amt nebst dem besondern Zoll- und Geleitsrechte, unter dem marggräflich anspachischen Hofe, welcher alle diese Rechte in einem eigenen herrschaftlichen Gebäude verwalten läßt, und hinter demselben zur allgemeinen Sicherheit in einer Caserne ein militärisches Commando unterhält. Doch sind nicht alle Einwohner von Fürth unmittelbare anspachische Unterthanen; vielmehr besteht ein großer Theil derselben aus nürnbergischen, bambergischen und andern fremden Unterthanen oder sogenannten Hintersassen. In Kirchensachen hängt der Flecken von der Reichsstadt Nürnberg ab, welche das Patronatrecht ausübt, und den Zehenten mit der Domprobstey Bamberg theilet. Die Juden sollen hier ihr eigenes Gericht haben.

Freiheiten und Abgaben.

Dieser Ort verdankt seinen hohen Wohlstand seiner vorteilhaften Lage, der mangelhaften politischen Verfassung Nürnbergs, und den großen Freiheiten und Vorzügen, welche derselbe unter dem wohlthätigen Schutze des anspachischen Hofes genießt. Wenig berühmte Handels- oder andere Plätze wird es in Europa geben, wo eine so große Handels- und Gewerbsfreiheit in dem Grade Statt findet, als hier. Alles, was der Professionist, vom Vornehmsten bis zum Geringsten, an öffentlichen Lasten und Abgaben das ganze Jahr über zu entrichten hat, beträgt ungefähr 36 bis 45 Kreuzer leichtes Geld, oder 8 bis 9 Groschen Conventionsgeld. Besitzt derselbe ein eigenes Haus, so zahlt er davon nicht mehr als 3 Gulden leichtes Geld oder 1 Rthlr. 16 Gr. Conventionsgeld an die Herrschaft, unerachtet die Häuser in diesem offenen Flecken, der großen Volksmenge wegen, durchgängig sehr hoch im Werthe stehen, und gemeinglich zwischen drei bis zwölftausend Gulden gelten. [...]. Diese Gelder werden bloß zu Bestreitung der Kosten für die Unterhaltung öffentlicher zur Gemeinde gehörige Gebäude, Brücken, Stege, Steinpflaster u. s. w. angewendet. Dieses sind alle Abgaben, sowohl für den Mann, welcher nur Tausend, als für den, welcher Hunderttausende im Vermögen hat. Trägt er diese regelmäßig ab, so ist es ihm erlaubt, Handlung und Gewerbe zu treiben, wie und in welchem Umfange er will und kann; und wenn er tausend und mehr Centner Zucker, Kaffee und alle Arten von Material- und Farbewaaren, oder mehr als Eintausend Eimer Wein auf Ein Mahl kommen lässet, so hat er für alles dieses keinen Heller weiter zu entrichten. Nun vergleiche man alle diese Freiheiten und Vorzüge mit der Verfassung des benachbarten Nürnbergs, so wird man leicht einsehen, daß Fürth zu eben der Zeit und in eben dem Maße in Aufnahme gekommen, als diese berühmte Reichs- und Handelsstadt, der ehemahlige Mittelpunct deutscher Industrie, von seinem Flore herabgesunken ist. Die große Last von Abgaben, welche die nürnbergischen Bürger drücken, manche alte und für die jetzigen Zeiten nicht mehr passende Gesetze, welche seine Thätigkeit einschränken; der ausschweifende Lurus, dem es sich unter dem despotischen Joche des Herkommens, oft wider Willen, besonders bei Hochzeiten, Kindtaufen und Beerdigungen unterwerfen muß; wozu noch die unmäßigen Taxen gehören, welche das dortige Kirchenregiment besonders auf die letztern gelegt hat, ferner das sogenannte Ruggericht, (Rügamt) welches seiner Absicht nach ganz gut und löblich wäre, weil es die Erhaltung der gemeinen Ehre zum Zwecke hat; aber das Verfahren desselben ist, wie ich unter dem Artikel Nürnberg ausführlicher dargethan habe, in der That für die jetzigen Zeiten viel zu strenge, und dem gemeinen Besten der Stadt weit mehr nachtheilig als vortheilhaft; indem dadurch schon so viel geschickte und fleißige Künstler und Handwerker aus der Stadt verdrängt worden sind, welche sich nach Erlangen und Fürth gewendet, daselbst Schutz und Freiheit gefunden, und durch ihre Arbeitsamkeit und Geschicklichkeit den Fabriken in Nürnberg den empfindlichsten Stoß beigebracht haben. Hierzu kommt noch die Intoleranz der Nürnberger, welche besonders mit den Juden bis zum Lächerlichen getrieben wird. Alles dieses zusammen genommen hat der Bevölkerung und dem Wohlstande dieser sonst so blühenden Republik gewiß eben so viel und weit mehr Abbruch gethan, als die Handelssperrungen, welche zeither in mehreren und zum Theil großen Ländern eingeführet worden sind. Man muß erstaunen, wenn man bey dem Ende des aufgeklärten achtzehnten Jahrhunderts, am hellen Mittage nach Nürnberg kommt, und daselbst noch in so mancherlei Sachen, dicke Finsterniß antrift. Es fehlt nicht viel mehr, so kann Fürth der Hülfe seiner Nachbarn ganz entbehren; nur ist das gegenseitige Interesse beider Theile noch in etwas so genau mit einander verwickelt, daß weder der eine noch der andere ohne den wechselseitigen Beistand seine Geschäfte zu betreiben im Stande ist. Leute, welche Kenntnis und Erfahrung besitzen, versichern, daß von den sogenannten kurzen Waaren, welche unter der Benennung: Nürnberger Waaren, fast nach allen Ländern des Erdbodens in so unbeschreiblicher Menge verführet werden, und welche in den vorigen Zeiten zu Nürnbergs Reichthum das mehreste beigetragen haben, gegenwärtig in den umliegenden Gegenden, und zwar im Anpachischen, vorzüglich in Fürth, jährlich mehr verfertiget werden, als in der Reichsstadt Nürnerg ihrem Gebiethe. Dabei wohl zu bedenken, daß unter den nürnberger Waaren viele Artikel begriffen sind, wovon in der Stadt Nürnberg und derselben Gebiethe auch nicht ein einziges Stück gemacht wird, so daß diese bloß den Nahmen darzu hergibt. Von dem großen Umfange der hiesigen Nahrung und des Gewerbes läßt sich schon aus der weiter unten angeführten Menge von Handwerkern schließen; welche bloß für die ersten Bedürfnisse des Lebensthätig sind. Aber die vorzüglichste Nahrungsquelle der Einwohner von Fürth sind die ausgebreiteten Fabriken, welche daselbst in so großer Anzahl vorhanden sind, daß ich mich hier nur auf die merkwürdigsten einlassen kann. Die Spiegelfabrik ist unstreitig eine der ersten und größten. Sie gehört zu den Fabriken, deren Waaren überall für Nürnbergische gelten; ungeachtet jetzt in Nürnberg selbst wenig oder nichts davon verfertiget wird. Die Gattungen der Spiegel sind unglaublich mannigfaltig. Zu den gangbarsten, welche ich hier nur bemerken will, gehören: Die Papiernen Feld- und Schieberspiegel, rothe Borten- und Kalenderspiegel mit und ohne hölzerne Leisten, Spiegel in Gestalt eines Buches, Schubladenspiegel mit und ohne Karnieß, oder hölzerne gemahlte Leisten, pflaumbaumene Spiegel von allerlei Arten, viereckigt mit Aufsätzen und nach Art geschweifter Toiletten, die sogenannten türkischen und gemahlten, wie auch emaillirten und glassirten Spiegel, Spiegel mit gemahlten Glasrahmen, gelb und weiß in Leisten. Alle diese Sorten werden nach dem Dutzend verkauft, halten aber aufs höchste nur 9 brabanter Zoll, oder sogenanntes Judenmaß. [...]. In diesen und andern Sorten von Spiegeln macht die Handlung des Herrn Gottfried Zapf die beträchtlichsten und ausgebreitetsten Geschäfte sowohl auf den Messen in Leipzig und Braunschweig, als auch von Fürth aus. [...]. Wie wichtig diese Spiegelfabrik seyn muß, und wie groß die Menge der Menschen ist, welche dadurch in Nahrung gesetzt werden, läßt sich schon daraus abnehmen, daß man allein in Fürth über 120 Tischlerwerkstätte zählt, die auf den umliegenden Dorfschaften nicht gerechnet. Da nun jede Werkstatt im Durchschnitt wenigstens zwei Gesellen und einen Lehrburschen hält, und Frau und Kinder des Meisters ebenfalls das ihrige zur Förderung der Arbeit beitragen, so kommen schon gegen tausend Personen heraus, welche bloß durch diese Fabrik ihren Unterhalt verdienen. Was aber zu der Vollkommenheit und zu den wohlfeilen Preisen der Waare das mehreste beiträgt, ist die gute Einrichtung, daß immer ein Meister und Künstler dem andern in die Hände arbeitet, wie in England, und auf diese Art oft ein einziger Spiegel durch 12 Werkstätte gehen muß, ehe er seine gänzliche Verfertigung erhält. Dieser Umstand verschafft den hiesigen Fabriken den wichtigen Vorzug, daß wenn man auch an jedem andern Orte Spiegel von eben der Schönheit und Güte verfertigte, selbige doch nie in den niedrigen Preisen geliefert werden können; wozu freilich auch die hier überaus wohlfeilen Lebensmittel, durch welche ein sehr niedriger Arbeitslohn bewirket wird, das ihrige beitragen. Jeder Künstler von Ehre arbeitet desto vollkommener, wenn er weiß, daß seine Arbeit auch andern Künstlern in die Hände kommen muß, ehe sie feil gebothen werden kann. Hierzu kommt noch der rühmliche Eifer so mancher Kaufleute und Verleger, welche, um ihrer Waare immer mehr Vollkommenheit zu geben, sich die Kosten nicht gereuen lassen, die dazu nöthigen Künstler aus den entferntesten Gegenden zu verschreiben, so, daß Fürth jetzt mehr als funzehn geschickte Bildhauer, ungefähr acht Vergolder und zwei Lackirer besitzt, welche insgesammt geschickte Männer sind.
Ferner trifft man in diesem Flecken mehr als neunzig Drechslerwerkstätte an, welche, nach den verschiedenen Materialien, welche sie bearbeiten, nämlich: Messing, Bein, Horn und Holz, auch in vier besondere Classen abgetheilet werden. [...]. Die vierte Classe hat mit den obigen dreien vieles gemein; ihre Hauptsachen aber sind die Büchsen zu den Kaffeemühlen.
Die Werkstätte der Goldschläger belaufen sich hier gegen funfzig, in welchen mehrentheils 4, 5 bis 6 Gesellen, und eben so viel Weibspersonen arbeiten. Die letztern legen das geschlagene Gold in Blätter und binden es in Büchelchen ein.
Die Strumpfwirkerei beschäftiget ebenfalls viel Menschen, beiderlei Geschlechts. Diese Manufactur wird auf mehr als 150 Stühlen von sechzig und mehr Meistern betrieben, welche alle Gattungen von schaf- und baumwollenen Strümpfen und Hauben oder Mützen verfertigen. [...].
Was die Uhrmacherkunst betrifft, so ist es ohnehin schon bekannt, daß auch hier in in Fürth viel gethan und gearbeitet wird. Außer den bisher bekannten drei Meistern, welche sich bloß mit großen Uhren beschäftigen, gibt es noch gegen 30 Meister, welche nichts als Sack- oder Taschenuhren verfertigen, auch wenigstens 6 Uhrgehäusmacher. Freilich liefern sie nur Fabrikwaare, aber sie liefern sie auch sehr wohlfeil: und wenn besondere Bestellungen daraus gemacht werden, so liefern sie auch sehr gute und kostbare Werke.
Weit wichtiger als diese sind die Werkstätte der hiesigen Gold- und Silberarbeiter und Juwelirer. Es gibt deren bis jetzt nur etliche und zwanzig; sie werden aber immer vermehret, insonderheit diejenigen, welche ächte Steine fassen. Diese werden von der hiesigen Judenschaft, unter welcher sich sehr ansehnliche Juwelenhändler befinden, stark in Arbeit gesetzt. [...].
Man findet hier mehr als 32 Gürtlermeister, deren mehreste Arbeit in messingenen, glatten und musirten Nägeln, Commodenbeschlägen, Wandarmen, allen Gattungen von Uhrschlüsseln von der schönsten Façon, von Perlmutter upd Schildplatten, bestehet; [...].
Die hiesigen Schlossermeister, gegen 30 an der Zahl, haben mit der Verfertigung und mit den Reparaturen der vielen und mannichfaltigen Werkzeuge, welche zu den Fabriken erfordert werden, hinlänglich zu thun; doch liefern sie zugleich auch viel Kaffeemühlen und andere Sachen.
Die Anzahl der Sattler- und Riemerwerkstätte ist auch ansehnlich und für Fürth fast zu groß; sie würden auch hier nicht wohl bestehen können, wenn sie sich bloß auf das einschränken wollten, was sonst zu diesen Professionen gerechnet wird. Sie verfertigen daher eine große Menge Brieftaschen mit Band und Schloß, Schreibtafeln, vielerlei Puderpüster, Rauchtoboksdosen, lederne Pfeifenröhre, Geldtaschen, Papiermagazine, von Fischbein geflochtene Spießgerten und dergleichen.
In Fürth befinden sich gegenwärtig an 10 Brillenmacher, ein Metier, welches in Absicht auf die Gesundheit des Menschen zu den gefährlichsten zu rechnen ist, wegen des feinen Glasstaubes, welcher diejenigen, die sich mit dem Glasreiben beschäftigen, beständig wie ein Nebel umgibt, und Lungensucht und Auszehrung bald nach sich zieht. Diese Arbeit wird daher größtentheils auch nur von Verbrechern verrichtet, welche sich in den Zucht- und Arbeitshäusern zu Nürnberg und dem benachbarten Schwabach befinden. Eine Verurtheilung zu dreijährigem Glasreiben wird der Todesstrafe gleich geachtet. Jeder Züchtling muß täglich eine bestimmte Anzahl Gläser liefern, und was sie über diese Zahl verfertigen, wird ihnen besonders bezahlt; und als vor einigen Jahren ein nürnbergischer Brillenmacher auf den guten Gedanken kam, die Gläser nicht trockenson, sondern naß zu reiben, um dadurch den tödlichen Staub zu entfernen, so gingen diese Züchtlinge doch schwer daran, sich diese wohlthätige Neuerung gefallen zu lassen, weil sie glaubten, die Arbeit ginge langsamer von Statten. Sie mußten wirklich durch Geschenke an Bier und Braten, welche ihnen theils die Obrigkeit, theils das Brillenmacherhandwerk zu verschiedenen Mahlen reichen ließ, erst dahin gebracht werden, nur den Versuch zu machen. So kann ein wenig sinnlicher Genuß, wodurch solche Menschen sich ihren elenden Zustand einigermaßen erleichtern, sie gegen die Erhaltung ihres Lebens ganz fühllos machen. Außer den Brillen verfertiget man auch Brenn- und Ferngläser, Perspective, Microscopen und so weiter.
Herr Nicolaus Rauch hat eine Fabrik von allen Sorten Schnupftobak; derselbe verfertiget Tabac de Paris, Rappé d’Hollande, Rappé d’Hollande finissimo, St. Omer, Marocco, Louisiana, schwarzen und gelben Weizen, sogenannten Naturell, nebst verschiedenen Gattungen Rauchtobak. Diese Sorten sind von den ausländischen an Güte gar nicht verschieden, im aber um vieles wohlfeiler.
Endlich sind noch ungefähr acht Nudelfabriken zu bemerken, welche alle Arten Maccaroni verfertigen, und Waaren liefern, welche an Güte den italienischen wenig nachgeben. Im 1786 zählte man hier noch 110 Schuhmachermeister, ohne die vielen Landschuster zu rechnen, auch zum Theil für die Einwohner dieses Fleckens arbeiten; ferner 120 Schneidermeister, 52 Bäcker, 44 Mehlhändler, 66 Brannteweinbrenner, 1o Bierbrauer, welche beträchtliche Brauhäuser haben, und 86 Bierschenken; anderer Professionisten nicht zu gedenken. Die vielen Brauereien und Brannteweinbrennereien veranlassen zugleich ein anderes einträgliches Gewerbe, nähmlich die Viehmast, welche hier sehr ansehnlich ist.

Products.

Die Gegend um Fürth ist mahlerisch schön, aber der Boden besteht mehrentheils nur aus Sand; und dennoch wird derselbe durch die Industrie des hiesigen Landmannes vortrefflich benutzt, zum Anbau aller Arten von Gemüse, hauptsächlich aber zur Cultur des Tobaks; so daß der Eigenthümer von dem an sich dürren Acker oft dreifachen Nutzen zieht, und sich besser steht als der Besitzer des fruchtbarsten Bodens in vielen andern Gegenden Deutschlands. Auch wird in der Gegend ein sehr guter Weinbau getrieben. Dieser ist um die Nähe von Sommerhausen, Randsack, sonst auch Randersacker, oder Rantzacker genannt, ein großes Dorf am Mayn, ingleichen Sommerach, Würzburg und Wertheim so wichtig, daß er den Weinhandel zu einem der beträchtlichsten Nahrungszweige erhebt.

Märkte.

Außer den gewöhnlichen Wochenmärkten hat Fürth auch einen großen Jahrmarkt, welcher mit dem Michaelistage anfängt und 14 Tage währet. Er ist zwar insgemein nur unter dem Nahmen Kirchweih bekannt, verdient aber in der That, des überaus starken Verkehrs und der unbeschreiblichen Menge von Menschen wegen, welche deshalb hier zusammen kommen, eine Messe genannt zu werden.

Rechnung.

Buch und Rechnung wird hier in Thalern zu 90 Kreuzern, den Kreuzer zu 4 Pfennigen, mehrentheils aber in Gulden zu 60 Kreuzern 34 Pfennigen gehalten. [...].

Münzen.

Die hier gewöhnlichen Münzsorten, welche insgesammt nach dem 24 Guldenfuße geschlagen sind, bestehen in 24, 12 und 4 Kreuzerstücken, Kreuzern und Pfennigen. [...].

Wechselzahlung.

In diesem Gelde und nach diesem Werthe werden alle Wechselbriefe bezahlt; es sey denn, daß eine andere Sorte bestimmt wäre, welche sodann nach dem gewöhnlichen Cours berechnet wird. Die Goldmünzen, welche hier im Umlaufe sind, haben nach dem 24 Guldenfuße folgenden Werth: 1 Souveraind’or gilt 15,5 Gulden – Kr. oder 8 Rthlr. 4 Gr. 8 [...].

Bank.

Daß die Bank, welche von dem jetzt regierenden Marggraf im Jahre 1780 in der Residenzstadt Anspach auf eigene Rechnung und mit überflüssigen Fonds errichtet worden ist, zur Lebhaftigkeit und Erleichterung des Commerzes überhaupt, und des Wechselhandels insonderheit, ungemein viel beiträgt, läßt sich schon von selbst erachten. Sie steht unter der Direction des ersten Ministers Herrn Barons von Benkendorf und des Herrn Kammerpräsidenten von Seckendorf, in Betreff der Signatur aber unter dem Hofbanquier, Herrn Feierlein. Die Firma ist: Brandenburg-bayreuthische Hofbanco. [...].

Gewicht und Maß.

Das Gewicht und Maß, dessen man sich bei dem Handel im Großen zu Fürth bedient ist gemeiniglich das in Nürnberg gebräuchliche. In einem Orte, welcher so ausgebreitete Fabriken besitzt, wie dieser, sollte man natürlicher Weise auch eine zahlreiche Kaufmannschaft erwarten. Sie ist es aber nicht; und zwar aus mehr als einer Ursache. Will man jeden Krämer oder Herumträger, welcher etwa diese oder jene Waare im Kleinen absetzt, sogleich einen Kaufmann nennen, so kann man leicht ein überaus nahmensreiches Verzeichnis von fürther Negotianten anfertigen. Denn, vermöge der unumschränkten Freiheit, deren sich die Einwohner dieses Platzes zu erfreuen haben, handelt fast alles, und da es jedem frei stehet, zu treiben, was er will, so trifft man hier eine ziemliche Anzahl von Leuten an, welche nachdem sie von ihrer erlernten Profession abgegangen sind, sich mit den Handel befassen, und zum Theil beträchtliche Geschäfte machen. Ueberdies gibt es in Fürth eine außerordentliche Menge von Juden, welche, wie bekannt, fast kein anderes Gewerbe kennen, als den Handel. Sie genießen hier völlige Freiheit, sowohl im Großen als im Kleinen, in offenen Laden, auf den Straßen und in den Häusern zu negotiren und zu schachern, wie sie wollen. Diese Erlaubniß machen sie sich denn auch dergestalt zu Nutze, daß, außer dem Wechsel und Juwelenhandel, welcher ausschließend in ihren Händen ist, auch von dem Ausschnitthandel für den christlichen Kaufmann wenig oder gar nichts übrig bleibt.

Handelshäuser.

Die angesehensten Handelshäuser hieselbst, welche auswärtige Geschäfte machen, sind indeß folgende: Herr Daniel Killinger beschäftiget sich außer den Speditionen hauptsächlich mit Commissionen nach Italien, in allen hier zu Lande verfertigten Krämereiwaaren, [...]. Herr Andreas Birkner handelt mit allen Sorten Manufactur- und Fabrikwaren, [...]. Herr Georg Paul Heberlein handelt mit eben dergleichen Waaren [...]. Herr Friedrich Wilhelm Baumgarten treibt dergleichen Geschäfte [...]. Herr Gottfried Zapf bezieht die Messen zu Leipzig nnd Braunschweig, und handelt mit allen Gattungen hiesiger und nürnberger Waaren; effectuiret auch viele Commissionen aus der Türkei, Polen Curland, Rußland und in die entlegendsten Gegenden von Europa. Die beträchtlichsten Geschäfte macht diese Handlung in Spiegeln [...]. Herr Johann Joachim Fink treibt dieselbe Handlung wie obige, und macht von den genannten Waaren ansehnliche Versendungen nach Frankreich, Italien, Spanien und Portugall. [...]. Herr Johann Lorenz Gerber macht seine mehresten Geschäfte in hiesigen und nürnberger Waaren nach Breslau, woselbst er ein eigenes Haus und eine Niederlage besitzt. [...]. Herr George Lorenz bezog ehemahls mit hiesigen nürnberger und englischen Waaren die Märkte zu Gräz und Wien. [...]. Herr Friedrich Lohbauer handelt ebenfalls mit hiesigen Manufactur- und Fabrikwaaren [...]. Die Herren Bechert und Sommer führen ebenfalls hiesige Fabrikwaaren und bereisen damit die Messen in Basel und Zürzach in der Schweiz. Herr Friedrich Adam Billing macht viel Geschäfte in hiesigen Blättertobak, und führet darneben alle Gattungen von Stahl, Messing und Blechen, so wie auch Bettfedern. Außerdem hält er auch ein sehr vollständiges Lager von allen Sorten Franken- Rhein- und von den mehresten fremden Weinen. Herr Georg Nicolaus Leybold handelt mit hiesigen Fabrikwaaren [...]. Herr Peter Conrad Zwinger besitzt eine Siegellackfabrik und bezieht mit dieser Waare die Messen zu Frankfurt am Mayn. Unter den vielen Weinhändlern, welche in Fürth angetroffen werden, sind Herr Gottfried Stiegler und Herr Gottfried Berthold, insbesondere wegen der alten Weine, welche sie führen, zu bemerken. Was den Ausschnitthandel betrifft, so ist, aus der oben schon angezeigten Ursache, fast kein einziger Kaufmann hier zu finden, welcher in diesem Stücke große Geschäfte machte. Desto wichtiger aber ist der hiesige Juwelen- und Wechselhandel. Er wird zwar ebenfalls hauptsächlich nur von der Judenschaft betrieben; aber in solchem Umfange, daß er sich fast über alle Länder verbreitet, und Fürth in dieser Hinsicht manche berühmte Handelsstadt weit hinter sich läßt. Die ansehnlichsten Juwelenhandlungen besitzen die Herren Gebrüder Henlein, Herr Wolf Neuburger, und Herr Michael Levi Bamberger. Die vorzüglichsten Wechselgeschäfte treiben folgende: Herr Joseph Isaac Wertheimer, Emanuel Isaac Wertheimer, Samuel Neckars Ulmer, Samson Hirsch Gostorffer, Moses Meyer Nathan usw.

Wechsel.

Bei dem Wechselhandel richtet man sich hier ganz nach dem nürnberger Wechselcours und Manieren. [...].

Transport- und Postwesen.

Die Lage dieses Fleckens in der Mitte von Deutschland ist zum Commerz, und insbesonderheit zum Speditionshandel, ungemein vortheilhaft. Fürth liegt zwischen Nürnberg und Burgfarnbach, in der Mitte der ersten Poststation von Nürnberg nach Frankfurt am Mayn. Reichspostwagen hält daher jedes Mahl in Fürth an, um die vorhandenen Briefe und Päckereien mitzunehmen oder abzugeben. Die Haupthandelsstraßen von und nach Wien, Breslau, Antwerpen, Amsterdam, Hamburg u.s.w. gehen auch sämmtlich nur in der Entfernung von einer höchstens zwei Meilen von dem Flecken vorbei. Uebrigens fehlt es auch in Fürth selbst selten an Fuhrgelegenheit, die von dort entbothenen Waaren an den Ort ihrer Bestimmung zu bringen. [...].

Gasthöfe.

Unter den hiesigen Gasthöfen zeichnet sich vorzüglich aus: das brandenburgische Haus, der Prinz von Preussen, der Gasthof zum Bitterholz, zur goldnen Krone, zum Kreuz, zu den Schwanen, und das rothe Roß. Zur öffentlichen Unterhaltung ist ein geraumer mit vielen Nebenzimmern versehener Saal eingerichtet, in welchem alle Freitage Abends ein Concert gegeben wird, bei welchem sich die höhern Classen der Einwohner zahlreich einfinden. Was die niedern Classen und insbesondere den Handwerker betrifft, so sucht er neben seinem Fleiße sein Leben bestmöglich zu genießen. Sorgen für die Zukunft stören seine Zufriedenheit nicht, weil es ihn nie an Arbeit mangelt. Und sollte ja der Fall eintreten, welches aber sehr selten geschieht, daß bei einem und andern Professionisten Mangel an Bestellung wäre, so findet er in einen so volkreichen Orte hundert andere Gelegenheiten Geld zu verdienen, zumahl da seine Thätigkeit hier durch keinen Zunftzwang eingeschränkt wird. Alles was zur Erhaltung und Bequemlichkeit des Lebens dient, ist hier in sehr mäßigen Preisen, und Reichthümer zu sammeln, ist selten der Zweck des niedern Fabrikanten und Handwerkers.[2]

Veröffentlichungen

  • Erhard Andreas Saueracker: "Versuch einer Chronologisch-Diplomatisch-Statistischen Geschichte des Hofmarks Fürth und seiner zwölf einverleibten Ortschaften. Vierter und letzter Theil." Nürnberg und Leipzig, bey Georg Friedrich Casimir Schad, in Commißion. 1789. - online-Digitalisat
  • Johann Christian Herrmann: "Allgemeiner Contorist welcher von allen und jeden Gegenständen der Handlung aller in und außer Europa belegenen Handelsplätze die neuesten und zuverlässigsten Nachrichten ertheilet [...]. Zweiter Theil von C bis Königsberg.", Leipzig, 1789, S. 341 - 353 - online-Digitalisat

Bilder

Einzelnachweise

  1. Fronmüllerchronik, 1887, S 184
  2. Johann Christian Herrmann: "Allgemeiner Contorist welcher von allen und jeden Gegenständen der Handlung aller in und außer Europa belegenen Handelsplätze die neuesten und zuverlässigsten Nachrichten ertheilet [...]. Zweiter Theil von C bis Königsberg.", Leipzig 1789, S. 341 ff - online-Digitalisat