Seligman Bendit & Söhne

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Die Wurzeln der Firma Seligman Bendit & Söhne (kurz S. Bendit & Söhne) gehen zurück bis ins Jahr 1798. In diesem Jahr wurde sie von Seligman Bendit gegründet und firmierte anfangs unter dem Namen des Gründers.

Im Adressbuch von 1819 wird die Firma Seligman Bendit und Söhne erwähnt beim Handel mit Ausschnittwaren.

"1817 erwarben die Söhne Abraham und Mayer Bendit ein Wohnhaus am Kohlenmarkt Nr. 3 in Fürth und errichteten dort 1820 ein „zweygädiges“ freistehendes Hofhaus. Das Hofhaus diente vermutlich als Manufaktur zum Belegen und zur Weiterverarbeitung von Spiegelgläsern."[1]

Nachdem sie über 10 Jahre lang ungehindert ohne Konzession das Glasbelegen betrieben haben, wurde es ihnen aufgrund eines Magistratsbeschlusses vom 8. Dezember 1835 untersagt. Darauf hin suchte Mayer Bendit am 15. Januar 1836 um eine Konzession zum Glasbelegen nach.[2]

Die Firma florierte und "um 1848 hatte man [...] bereits eine Niederlassung in New York gegründet. [...]. Um das Tätigkeitsspektrum der Firma zu erweitern, wurde 1853 ein erstes Schleif- und Polierwerk in Schwarzenfeld an der Naab (bei Schwandorf) für 12.000 fl. (Gulden) erworben. [...]. 1865 wurde das alte Fürther Geschäftshaus abgebrochen und durch einen stattlichen Neubau ersetzt, der Wohn- und Fabrikgebäude miteinander kombinierte. Ein zuvor in der Hirschenstraße 2 erworbener Gebäudekomplex wurde Teil dieses neuen Ensembles. Hier wurden Schleifeinrichtungen, eine Glaspoliere und eine Spiegelbelege untergebracht. Im Jahre 1888 kaufte Seligman Bendit & Söhne die Rosenstraße 2, ein Gebäude, das den bestehenden Wohn- und Arbeitskomplex (Kohlenmarkt 3 und Hirschenstraße 2) räumlich und funktional-sachlich ergänzte. Im Fürther Fabrik- und Geschäftskomplex arbeiteten 1885 schätzungsweise 50 bis 75 Mitarbeiter, in den vier Schleif- und Polierwerken nochmals rund 80 bis 100 Mitarbeiter. Dazu kamen die Vertriebsleute der Niederlassungen und Vertretungen, so dass Seligman Bendit & Söhne seinerzeit vermutlich 150 bis 200 Mitarbeiter beschäftigte. [...]."[3]

"Im Jahre 1887 wurde die Gründung der Redwitzer Spiegelglasfabrik in Angriff genommen."[4]. Der Standort Marktredwitz wurde in den Folgejahren stetig erweitert: "Für die Unterbringung neuer Produktionseinrichtungen wurde 1912 der Bau eines 67 m x 31 m großen Schleif- und Polierwerkes mit zwei Geschossen zu je 2.000 m2 angegangen. Verantwortlich für die Pläne zeichnete der Fürther Architekt Jean Voigt. [...]. Um 1925 zählte S. Bendit & Söhne nach Technik, Produktions- und Vertriebsprogramm zu den führenden Spiegelglasherstellern in Deutschland."[5]

"Am 25. Oktober 1929 kam es in New York zu einem Börsenkrach, dem eine Weltwirtschaftskrise folgte. Infolge der hohen Absatzrückgänge auf dem deutschen Markt ebenso wie beim Export schrumpfte im Zeitraum 1930 und 1931 bei S. Bendit & Söhne der jährliche mengenmäßige Absatz auf 30.000 m2. Das entsprach einer Auslastung der Marktredwitzer Werkskapazität von 20 %. Damit war der Betrieb nicht mehr wirtschaftlich zu führen. [...]. Die Fabrikationsanlage für Spiegelglas wurde im März bzw. Juli 1932 stillgelegt. [...]. Mit der Einstellung der Tafel- und Spiegelglasproduktion in Marktredwitz war das Kerngeschäft von S. Bendit & Söhne aufgegeben worden. [Der Gesellschafter] Philipp Tuchmann zog als erster die Konsequenzen. Für einen jüdischen Unternehmer seines Formats gab es keine Aussichten auf einen angemessenen Neuanfang. Bereits im Herbst 1931 meldete er seinen Wohnsitz in Fürth ab und übersiedelte in die Schweiz, nach Ascona. [...]. Seit Anfang der 1930er Jahre waren somit Kurt und Leo Bendit diejenigen, die die zulässigen Restaktivitäten von S. Bendit & Söhne weiterführten [...]. [...] Kurt Bendit traf im Herbst 1935 seine Entscheidung, noch im selben Jahr nach England zu emigrieren. Zum 31. Dezember 1935 schied er aus der Firma aus. Damit waren Leo Bendit und seine Mutter Amalie die beiden verbliebenen Gesellschafter. [...]. Mit der „Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 26. April 1938 war für Leo Bendit das noch zu verkraftende Maß an Repressionen überschritten. Noch im Oktober 1938 verließ er mit seiner Frau, den beiden Töchtern und seiner Mutter Deutschland in Richtung Schweiz, nach St. Gallen. Das war kurz vor der so genannten „Reichskristallnacht“. Von der Schweiz aus führte Leo Bendit die Liquidation seiner Firma weiter."[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dr. Michael Müller: Die Historie der Marktredwitzer Glasschleif - Das Schicksal des jüdischen Spiegelglas-Unternehmen S. Bendit & Söhne. Eigenverlag, Fürth, 2007
  • Stadtarchiv Marktredwitz (Hrsg.): Mir han Hittener! - Zur Geschichte der Glasmacher in Marktredwitz, Ausstellungskatalog, Eigenverlag, 2012

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Müller: Die Marktredwitzer Glashütte der Firma Seligman Bendit & Söhne, S.18. - zur pdf-Datei
  2. Michael Müller: Seligman Bendit & Söhne Spiegelglas- und Fensterglas-Fabriken, in: Fürther Geschichtsblätter, Heft 2/2006 und 3/2006, 56. Jg., S. 12. - zur pdf-Datei
  3. Michael Müller: Die Marktredwitzer Glashütte der Firma Seligman Bendit & Söhne, S.19. - zur pdf-Datei
  4. Michael Müller: Die Marktredwitzer Glashütte der Firma Seligman Bendit & Söhne, S.20. - zur pdf-Datei
  5. Michael Müller: Die Marktredwitzer Glashütte der Firma Seligman Bendit & Söhne, S.28 und S.35. - zur pdf-Datei
  6. Michael Müller: Die Marktredwitzer Glashütte der Firma Seligman Bendit & Söhne, S.38ff - zur pdf-Datei